Heimatverein hat große Nachwuchssorgen

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Rührt die Werbetrommel für den Heimatverein: Heinz Blankenheim. Foto: Markus Roß

Würselen. Der Heimatverein Würselen blickt auf eine über 80-jährige Vereinsgeschichte zurück. Der Vereinszweck wurde 1934 wie folgt formuliert: „Voraussetzung für dieses Heimatbewusstsein ist die Kenntnis unserer Stadt, ihrer Entstehung und ihrer Entwicklung, ihrer Siedlungsteile und Siedlungsformen, der Lebensäußerungen ihrer Einwohner im profanen und kirchlichen Leben, in Arbeit und Wirtschaft, in Spiel und Feier, die Kenntnis des Raumes der Heimat mit Feld und Wald, Berg und Tal, Pflanzen und Erdschätzen.“

Auch nach acht Jahrzehnten spiegelt das alle Vereinsaktivitäten wider. Immer wieder wurden dabei ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Am kommenden Freitag, 17. Februar, 19 Uhr, geht es im Saal Houben um die Zukunft des Vereins. Nicht zuletzt aufgrund des demografischen Wandels ist die Existenz des Vereins unsicher. Der Vorsitzende des Heimatvereins, Heinz Blankenheim, spricht im Interview mit Markus Roß über neue Initiativen, das Jahresprogramm und über die Zukunftssorgen.

Das Jahresprogramm 2017 Ihres Vereins mit insgesamt 17 Exkursionen und Veranstaltungen ist bereits voll im Gange. Was hat sich in diesem Jahr geändert?

Blankenheim: Nicht alle Vereinsaktivitäten spiegeln sich in einem Programm wider. Aber es ist richtig, unser Exkursionsprogramm hat zum Ziel, Land und Leute, sowie Natur- und Kulturschätze unserer Heimat allen näherzubringen. Man erlebt nicht nur Gemeinschaft, sondern auch den geschichtlichen und kulturellen Hintergrund. Auch in unserer näheren Umgebung gibt es Unbekanntes zu entdecken. So haben unsere Exkursionen auch einen informativen Schwerpunkt bekommen. Aufgrund der Altersstruktur der Teilnehmer sind die Strecken, was Länge und Schwierigkeitsgrad angeht, angepasst. Die Heimatbezogenheit spiegelt sich in den Exkursionszielen wider. Hier wird die nähre Heimat stärker einbezogen.

Welches sind denn die ganz besonderen Höhepunkte?

Blankenheim: Wie in jedem Jahr ist die Wochenfahrt mit Besichtigungen und Exkursionen ein besonderes Highlight. Es geht vom 1. bis 9. Juli in die Lüneburger Heide. Es wird neben dem Naturpark Südheide die Hansestadt Lüneburg bereist, es geht zum Konzentrationslager Bergen-Belsen, eine Kutschfahrt ist eingeplant und vieles mehr. Es sind noch einige Plätze frei. Wir nehmen gerne Anmeldungen entgegen. Eine Führung durch das Forschungszentrum in Jülich, und eine geführte Exkursion durch das Gartendenkmal Müschpark in der Aachener Soers sind geplant. Dabei ist nicht die Alltagsarbeit des Heimatvereins zu vergessen, was den Arbeitskreis Heimatgeschichte-Würselen angeht, sowie die Beteiligung am Projekt „Kulturstrolche“.

Der Arbeitskreis „Heimatgeschichte“ und die Beteiligung am Projekt „Kulturstrolche“ greifen wichtige Themen auf. Worum geht’s hierbei?

Blankenheim: Der Arbeitskreis „Heimatgeschichte Würselen“ hat mehrere Gruppierungen: Eine befasst sich mit der Geschäftswelt und Landwirtschaft Würselens, mit dem Vereinswesen, mit kirchlichen Einrichtungen, mit der Siedlungsgeschichte und mit der Entwicklung der Verkehrswege, historischen und gegenwärtigen städtischen Planungen. Dabei steht der Arbeitskreis erst am Anfang seiner Tätigkeit. Es gilt Mitstreiter für dies sicher umfangreiche Thema zu finden.

Mit dem Projekt „Kulturstrolche“ soll Grundschulkindern von der zweiten bis zur vierten Klasse durch das Erforschen und Erobern kultureller Räume im Klassenverband früh der Zugang zu Kunst und Kultur ermöglicht werden. Das Angebot der Kunstakademie Würselen, unter Trägerschaft der Kulturstiftung Würselen, reicht von Hip-Hop im Tanzstudio, ein historischer Rundgang durch Würselen, eine Rallye durch die Stadtbücherei oder ein Besuch im Kino Metropolis. Wir haben den Part übernommen, den Rundgang durch Würselen verbunden mit einem Bildervortrag anzubieten. Es ist bisher starkes Interesse bei den Schülerinnen und Schüler zu erleben. Es soll auch im diesem Jahr fortgeführt werden.

Trotz dieses sehr interessanten Programms und der vielfältigen Aktivitäten ist der Fortbestand des Vereins mittelfristig weiterhin gefährdet. Welches sind die Hauptprobleme, mit denen Sie sich auseinandersetzen müssen?

Blankenheim: Das Hauptproblem ist die Altersstruktur. Der überwiegende Teil der Mitglieder ist über 75 Jahre und Mitglieder unter 50 Jahren sind nicht zu verzeichnen. Daraus ergibt sich eine Anpassung des Vereinsprogramms. Anreize für jüngere Mitglieder zu schaffen ist ein Ziel, was kurzfristig umzusetzen nicht so leicht ist. Standbeine wie der Arbeitskreis Heimatgeschichte sind auszubauen. Aber ein besonderes Problem ist kurz- und mittelfristig einen arbeitsfähigen Vorstand zu finden. Schon seit längerem gibt es nicht besetzte Vorstandsposten und spätestens im kommenden Jahr ist fast der gesamte Vorstand neu zu besetzen. Ohne Vorstand gibt es keinen Verein. Hier sehe ich die größte Herausforderung. Eine verjüngte Mitgliederstruktur und die Bereitschaft Vorstandsarbeit zu übernehmen sind Voraussetzung für den Fortbestand des Heimatvereins Würselen.

Wie wollen Sie und Ihr Vorstandsteam der zunehmenden schwieriger werdenden Altersstruktur begegnen? Treten Sie bei der turnusgemäßen Mitgliederversammlung im kommenden Jahr erneut an?

Blankenheim: Nein, ich werde 2018 nicht mehr als Vorsitzender zur Wahl stehen. Es muss Aufgabe jüngerer Mitglieder sein, Vorstandsarbeit auch mit neuen Ideen zu bereichern und umzusetzen. Ich glaube, Schwierigkeiten müssen einmal gelöst werden und können nicht immer aufgeschoben werden. Kooperationen und Zusammenschlüsse würde ich nicht mehr ausschließen. Was die Altersstruktur angeht, habe ich ja schon darauf hingewiesen, dass der Verein sich anpassen muss. Das bedeutet, für Neues offen zu sein. Auch der wirtschaftliche Aspekt ist zu berücksichtigen. Wenn bisher ausgelastete Busse unsere Exkursion möglich machten, geht die Teilnehmerzahl in Bereiche wo dies neu kalkuliert werden muss. Ich kann nur alle Mitglieder ermuntern, die anstehenden Aufgaben mit anzugehen und zur Mitgliederversammlung am 17. Februar in die Gaststätte Houben zu kommen.

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