Heimatforscher: „Hochwasser gehörte ja bis 1982 fast zum guten Ton“

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Profilierter Kenner der lokalen Geschichte: Jürgen Klosa. Foto: Eckert

Übach-Palenberg. Heimatforscher Jürgen Klosa im weiteren Gespräch mit Jan Mönch über städtebauliche Meilensteine, architektonische Alleinstellungsmerkmale und ein mögliches Ende Übach-Palenbergs:

Der Bergbau hat auch ein architektonisches Erbe hinterlassen. Wie bewerten Sie dessen Verwaltung?

Klosa: Ich würde mir wünschen, dass da noch mehr drauf geachtet wird. Eine alte Bergarbeitersiedlung etwa könnte in 100 Jahren als architektonisches Kleinod, als Alleinstellungsmerkmal gesehen werden. Das geht mir teilweise noch nicht weit genug.

Andererseits ist es ja positiv, dass sich in Sachen Städtebau in den vergangenen 50 Jahren viel getan hat. Welches waren die wesentlichen Schritte?

Klosa: Da sind vor allem die Sanierung des Ortskerns in Übach, um eine neue Stadtmitte zu haben. Man darf die Sache mit dem Hochwasser nicht vergessen. Das gehörte ja bis 1982 „zum guten Ton“, hätte ich jetzt fast gesagt. Bürgermeister Müller baute sich damals vor dem Rathaus auf und sagte: „Ich werde nicht eher ruhen, bis die Hochwassergefahr gebannt ist.“ Es gab einige Auseinandersetzungen mit Carolus Magnus, bis der Übach reguliert werden konnte. Das hat städtebaulich ungeahnte Möglichkeiten eröffnet, zum Beispiel die Erschließung des ehemaligen Zechengeländes. Darauf verläuft ja heute fast die ganze Friedrich-Ebert-Straße. Aber auch die Ortskernsanierung in Palenberg, die Kirchstraße, war sehr wichtig.

Auf dem Übach hält der Deckel, die Wurm fließt weiter überirdisch.

Klosa: In den Siebzigern meinte man ja, man müsse die Flüsse begradigen, das ist auch mit der Wurm geschehen. Sie brauchte aber nicht überdacht zu werden, weil sie nicht durch bebautes Gebiet floss, sondern durch das heutige Naherholungsgebiet. Dieses wurde übrigens auch durch die Begradigung der Wurm und auch durch den Palenberger Brückenbau möglich.

Als Historiker beschäftigen Sie sich damit, zurückzublicken. Machen Sie doch jetzt ausnahmsweise einmal das Gegenteil: Wo mag die Reise für Übach-Palenberg hingehen?

Klosa: Ich würde nicht unterschreiben, dass Übach-Palenberg in 100 Jahren in der heutigen Form noch besteht.

Das müssen Sie bitte erklären.

Klosa: Ich will damit sagen, dass ich glaube, dass der Weg weiter zu leistungsfähigeren Verwaltungszentren geht. Vielleicht gehört Übach-Palenberg irgendwann zur Hälfte zu einer Großstadt Geilenkirchen-Baesweiler und zur anderen Hälfte zu Herzogenrath. Auch durch die Digitalisierung können mehr Dinge von weniger Rathäusern erledigt werden. Um das möglicherweise abzuwenden, muss man beweisen, dass man mehr von Verwaltung versteht als mögliche Konkurrenzstädte.

Sie rechnen mit einer kommunalen Neugliederung wie Anfang der 70er?

Klosa: Darüber wird sich sicher das Land wieder einmal, wie ja vielleicht so alle 50 Jahre mal, Gedanken darüber machen: welche Kommunen eigentlich lebensfähig sind. Und was dabei herauskommt, muss den Kommunen nicht unbedingt gefallen. Wenn ich heute schon einmal die Einladungen für meinen 180. Geburtstag verschicken wollte, wäre ich vorsichtig damit, Übach-Palenberg als Ort anzugeben.

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