„Heimat 2035”: Zukunft will gestaltet sein

Von: Karl Stüber
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Sie präsentierten optimistisch die Vision „Heimat 2035” in Baesweiler: (v.l.) Steffen Mingenbach (Städteregion), Stephan Baldin, Vorstand der Aachener Stiftung Kathy Beys, und Bürgermeister Dr. Willi Linkens. Foto: Stüber

Baesweiler. 250 Interviews mit einer Dauer von jeweils einer Stunde sind geführt und ausgewertet. Tausende Seiten Dokumentation wurden produziert, 270 Arbeitstage mit rund 2000 Arbeitsstunden erbracht. Nun liegt sie also vor, die Studie „Heimat 2035”.

Diese Fleißarbeit hat die Aachener Stiftung Kathy Beys geleistet, Partner ist die Städteregion Aachen. Bei einer zentralen Veranstaltung in Aachen wurde das Ergebnis der Öffentlichkeit unlängst vorgestellt und im Wochenendmagazin unserer Zeitung umfassend erläutert („Es beginnt vor der Haustür”, Ausgabe vom 10. September).

Und jetzt? Stephan Baldin, Vorstand der Aachener Stiftung Kathy Beys, sowie Stefan Mingenbach und Markus Terodde (beide Städteregion Aachen) sind auf Tournee durch die zehn Kommunen der Städteregion, um vor Ort Rüstzeug und Motivation zum Aufbruch in eine von Bürgern selbstgestaltete, aber dann auch bitteschön weitgehend selbstverantwortete Zukunft zu liefern. Sichtlich stolz kündigte Bürgermeister Dr. Willi Linkens im Kulturzentrum Burg Baesweiler die Präsentation an. Die nördlichste Stadt im ehemaligen Kreis Aachen war mal wieder die schnellste beim Angeln und hatte als erste diesen dicken Fisch an Land gezogen.

Die Präsentation hätte deutlich mehr Teilnehmer verdient gehabt. Aber mag es am Wetter gelegen haben oder an der von Linkens schmunzelnd hervorgehobenen umfassenden Vorberichterstattung unserer Zeitung - nur rund 30 interessierte Bürger hatten sich angemeldet.

Vier Szenarien

Zugegeben, das Thema ist schon recht schwierig und die Studie etwas sperrig. Wer macht sich schon große Gedanken über das, was in „24,3 Jahren”, so Baldin, sein wird? 2035 ist lang hin. Aber gerade für junge Leute sollte das wichtig sein, und für ältere, denen etwas an ihren Kindern und Kindeskindern liegt. Da liegt der Mann sicherlich richtig.

Auf der Plus-Minus-Skala hat die Auswertung der Interviews vier mögliche Szenarien ergeben, die Steffen Mingenbach vom Bildungsbüro der Städteregion mit eigenen trefflich und plastisch formulierten Texten und unter reichlich Beifall auf der Bühne vortrug. Da zitiert sich mal unsere Zeitung aus besagten Wochenendmagazin selbst. Stichwort „Gerechtigkeit”: „Die Wirtschaft wächst, gleichzeitig wächst der Sinn für geselliges Zusammenleben.” Alles wird also gut.

Eine Stufe darunter beschreibt das Szenario „Neugier” eine Zukunft, „in der sich die Region dank vieler guter Ideen und Entscheidungen von Einzelpersonen trefflich entwickelt. Selbstverwirklichung ist in dieser Zukunft die größte Lebensmaschine. Dementsprechend entwickelt sich der Sinn für die Lebensgemeinschaft zurück.”

Kommen wir zur Vision „Zusammenhalt”. Da geht es wirtschaftlich bergab. „Dennoch empfinden viele Menschen das Leben in der Region als angenehm, weil der gesellschaftliche Zusammenhalt gewachsen ist.”

Bleibt der „Niedergang” am unteren Ende der Richterskala. Hier konzentrieren sich die Menschen allein darauf, wie sie über die Runden kommen.

Keine Vorhersage

Und? „Es geht nicht um Vorhersage, sondern darum, sich damit zu beschäftigen, wie Zukunft sein kann”, sagt Baldin. „Wir präsentieren keine Lösung, sondern Rüstzeug für eine Diskussion mit Bürgern.” Das bekräftigte Markus Terodde (Städteregion). Terodde sagte auch, wie Baesweiler mit der Vision 2035 umgehen kann. Adressaten seien Bürgerschaft, Verwaltung und Kommunen. Die Menschen wolle und solle man durch entsprechende Publikationen aktivieren. Die Verwaltungsebene in den Kommunen und der Städteregion könnte zum Beispiel Träger sozialer Belange (Sozialkonferenz) und Bildungseinrichtungen (Schulen) ansprechen und mobilisieren. Und was Städte und Gemeinden daraus machen, sei jeder Kommune überlassen.

Was macht Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens daraus? Der setzt auf sein bewährtes Konzept von Bürgerforen. Linkens sagte, dass Zusammenhalt und soziale Gerechtigkeit für Baesweiler besonders wichtig sind. „Wir haben zum Glück bereits viele auch ehrenamtliche Akteure.” Die gelte es, durch Mobilisierung von weiteren Baesweilern, auch und gerade von Neubürgern, zu unterstützen. Zudem will Linkens weiterführende Schulen und Vereine in den Denkprozess einbeziehen sowie Neubürger gewinnen. Wer zum Beispiel heute 18 Jahre alt ist, wird sich wohl schon seine Gedanken machen, wo er Mitte 40 angelangt sein will. Wohl wahr.
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