Heim an Bierstraße wieder in der Kritik

Von: Elisa Zander
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Im Obdachlosenheim an der Bierstraße.
Hier sind derzeit auch Asylbewerber untergebracht: Im Obdachlosenheim an der Bierstraße. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. „Außen ist alles in Ordnung. Innen ist es zwar nicht gemütlich, aber es ist sauber und gepflegt.“ Günter Prast (SPD) fand im Ausschuss für Arbeit und Soziales lobende Worte für die Asylbewerberunterkunft Asternstraße, die der Ausschuss unmittelbar vor der Sitzung besichtigt hatte.

„Eine positive Besichtigung“, fand auch Anne Fink (Grüne). „Es ist eine gute und menschenwürdige Unterkunft.“

Selbst die Herde seien in einem guten Zustand, das habe man in anderen Unterkünften schon schlechter gesehen. Diesen „sehr guten Eindruck“ bekam auch Marie-Theres Sobczyk (CDU). „Es gibt natürlich Gebrauchsspuren, aber das ist normal.“ Und sie fügte hinzu: „Man kann froh sein, dass man so einen zuverlässigen Hausmeister vor Ort hat.“

Hans-Günther Fischer (Die Linke) befand das Haus „auch für in Ordnung“. Lediglich im Badezimmer sollte seiner Meinung nach eine entsprechende Feuchtraumbeleuchtung installiert werden. Ein Verbesserungsvorschlag, den zuvor auch Günter Prast angemerkt hatte. Weiterhin war Prast aufgefallen, dass im Duschraum im Erdgeschoss die Deckenabhängung erneuert werden müsste. Und auch bei der Elektrik im Kellerabgang – dort hängen Verteilerdosen lose an der Wand – müsse „etwas passieren“.

Gesprächsbedarf

Nach diesem Konsens gab es beim nächsten Tagesordnungspunkt etwas mehr Gesprächsbedarf. Auf Wunsch der Grünen hatte man den unter Informationen und Anfragen notierten Punkt „Sachstand Asylbewerber-/Obdachlosenunterkunft Bierstraße“ als ordentlichen Tagesordnungspunkt angesetzt. Anne Fink skizzierte die seit längerem andauernde Doppelnutzung des Gebäudes. „Aus der Obdachlosenunterkunft ist ein Asylbewerberheim geworden. Das sollte vorübergehend sein. Wie lange dauert das ‚vorübergehend‘?“, fragte sie in Richtung Verwaltung. Und bemängelte: „Die Hälfte des Gebäudes ist marode.“

Damit verwies sie auf den Zustand, der weder Verwaltung noch Politik neu ist. Vor einem Jahr beschäftigte sich der Bau- und Verkehrsausschuss bereits mit der Situation des Heims. Der Sachverhalt gestaltete sich so, dass die energetische Grundsubstanz in einem schlechten Zustand ist, wie aus der Ausschussvorlage von 2012 hervorgeht. Die Heizkosten beliefen sich 2011 auf rund 10.000 Euro.

2010 musste die obere Etage des mittleren Gebäudeteils wegen Einsturzgefahr stillgelegt werden, heißt es in der Vorlage weiter. Der Bau- und Verkehrsausschuss hatte damals empfohlen, 50 000 Euro für Sanierungsarbeiten bereitzustellen, um dringende Reparaturarbeiten anzugehen. Arbeiten, die, so forderte Fink, „noch in diesem Jahr abgeschlossen werden sollten“.

„Das Haus ist in Teilbereichen nicht bewohnbar“, ergänzte Günter Prast, „und ich finde, dass wir es sukzessive wieder in Ordnung bringen sollten, damit die Stadt aus eigener Kraft Wohnraum zur Verfügung stellen kann.“ Die noch ausstehenden Unterhaltungsinvestitionen von 35.000 Euro in das Haus zu investieren, sei aus Sicht der Verwaltung richtig, sagte die Erste Beigeordnete, Birgit Froese-Kindermann. Die FDP hat allerdings „große Zweifel daran, dass das menschenwürdig ist“, wie Thomas Dautzenberg auf ergänzende Anfrage unserer Zeitung sagte. „Das Gebäude steht am Stadtrand, da werden die Flüchtlinge automatisch an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Man sollte nicht weiter in das rotte, marode Gebäude investieren, sondern alternative Konzepte überlegen.“ Solche, wie auch von Anne Fink vorgeschlagen: mehr Wohnraum in der Mitte der Stadt.

Froese-Kindermann merkte zu der sich im Ausschuss entwickelnde Diskussion an, man möge kein zu negatives Bild der Unterkunft skizzieren, da auch die Presse anwesend sei und diese womöglich einen falschen Eindruck bekommen könnte, der sich entsprechend in der Berichterstattung niederschlagen könnte. Diesem Vorwurf widersprach Hartmut Prast (SPD). Weder die Ausschussmitglieder noch die Pressevertreter würden die Unterkunft schlecht darstellen.

Derzeit sind in den sechs städtischen Asylbewerberheimen 101 Personen und 88 in städtischen oder von der Stadt angemieteten Wohnungen untergebracht. Letztere Option sollte nach Möglichkeit ausgebaut werden, um Asylbewerber nicht von vornherein zu separieren, sondern direkt in die Gesellschaft zu integrieren. Auch unter dem Gesichtspunkt, dass mehr Flüchtlinge aufgenommen werden sollen, sei dieser Punkt zu überdenken, fand Fink.

Hintergrund ist die im Dezember 2011 in der Ratssitzung mit Stimmen der SPD, der Grünen und der Linken beschlossene Beteiligung an der „Save-me-Aktion“, eine Kampagne, in der man sich dafür einsetzt, Flüchtlinge aus humanitären Gründen in Deutschland aufzunehmen, ohne dass diese auf eigene Faust den Weg nach Europa wagen müssen. „Wir können derzeit nicht absehen, ob der Flüchtlingsstrom anhält“, sagte Froese-Kindermann. „Wir haben noch Kapazität für 12 bis 14 Personen und arbeiten weiter daran, mehr Räume zu bekommen.“

Suche nach Wohnraum

Mit einem Hinweis in Kirchen, Altenstuben und unserer Zeitung sucht die Evangelische Kirchengemeinde Herzogenrath mit Unterstützung der Stadt nach Zwei- bis Vier-Zimmerwohnungen für Flüchtlingsfamilien. Tendenziell kein schlechter Ansatz, wie Björn Bock (FDP) auf Anfrage unserer Zeitung fand. „Es ist eben schwierig: Man stellt einen Antrag, um mehr Flüchtlinge aufzunehmen, schafft dann aber nicht die entsprechenden Voraussetzungen, um die Menschen unterzubringen.“

Mehr Wohnungen in der Stadt zu suchen, sei der richtige Ansatz. Doch nicht der in den Anzeigen bezifferte Höchstmietsatz von 4,77 Euro pro Quadratmeter (kalt). „Da weiß ich, wo und welchen Wohnraum ich bekomme.“ Man beschloss schließlich unter anderem, sich nach Möglichkeit auf dem freien Markt um Wohnraum zu bemühen.

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