Heilig-Geist-Gymnasium beschreitet einen Sonderweg

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Ärmel hochkrempeln: Christoph Barbier und Maria Foerster wollen Schülern am HGG künftig die Möglichkeit gegeben, die Mittelstufe in vier statt drei Jahren zu durchlaufen. Foto: Verena Müller

Würselen. Das Heilig-Geist-Gymnasium (HGG) in Broichweiden will ab dem kommenden Schuljahr die Möglichkeit anbieten, nach neun Jahren Abitur zu machen. Standard ist das G8, also das Abitur nach acht Jahren an einer weiterführenden Schule.

Nach dem Regierungswechsel war es Schulen 2010 zwar ermöglicht worden, zum G9 zurückzukehren, davon haben aber die wenigsten Gebrauch gemacht. Auch das HGG nicht. Mit Schulleiter Christoph Barbier und seiner Stellvertreterin Maria Foerster sprach Verena Müller über die aktuellen Pläne:

Herr Barbier. Kehren Sie zum G9 zurück?

Christoph Barbier: Nein. Frau Foerster und ich sind nach wie vor überzeugte G8-Ganztagsschulleiter. Was wir vorhaben, ist, einen Aufbauzweig anzubieten.

Was heißt das?

Barbier: Wir geben Schülern die Möglichkeit, die Mittelstufe nicht wie bisher in drei, sondern in vier Jahren zu absolvieren.

Aber unter dem Strich sind es im Aufbauzweig am Ende 13 Schuljahre bis zum Abitur.

Foerster: Ja, das stimmt. Das heißt aber nicht, dass wir das G8 grundsätzlich in Frage stellen, sondern nur, dass wir eine Ergänzung vornehmen.

Warum ist die aus Ihrer Sicht sinnvoll oder notwendig?

Barbier: Dazu muss ich etwas ausholen.

Bitte.

Barbier: Wir sind eine christliche Schule. „Christlich“ bedeutet nicht, dass wir alle mit einem Heiligenschein rumlaufen (mit einem Augenzwinkern), sondern, dass unser Ziel die ganzheitliche Erziehung und Bildung auf der Basis von christlichen Werten ist. Als damals das G8 beschlossen wurde, haben wir die Entscheidung mitgetragen und sind auch dabei geblieben, als nach dem Regierungswechsel im Jahr 2010 wieder die Rückkehr zum G9 bestanden hat.

Warum?

Barbier: Wir wollten kein Hin und Her. Wir hatten bereits vier, fünf Jahre das G8 umgesetzt und bei einer Schule kann man nicht mal eben einen Knopf drücken und wieder zur alten Form zurückkehren. Wir haben zwar damals festgestellt, uns durch das G8 zu einer reinen Unterrichtsschule entwickelt zu haben, dem haben wir aber schon 2009 mit der Einführung des Ganztags entgegengewirkt.

Aber das reichte offenbar nicht aus. Sonst würde das HGG jetzt keinen Aufbauzweig einführen.

Barbier: Richtig. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das G8 für einige Schüler der normale Weg ist. Für manche Mittelstufenschüler ist das Gymnasium zwar auch die richtige Schulform, aber mit Einsetzen der Pubertät werden für sie andere Dinge wichtiger. Dass wir uns nicht falsch verstehen: Die werden durch die Pubertät nicht dümmer, aber sie brauchen ein anderes Umfeld für Erfolgserlebnisse, das in der Regel nichts mit Mathe oder Latein zu tun hat. Die Zeit wird für diese Schüler also knapper, darunter leiden Hausaufgaben und Klausurvorbereitungen.

Foerster: Die Intention des Aufbauzweiges ist, Schülern in der Mittelstufe mehr Zeit für ihren persönlichen Reifungs- und Entwicklungsprozess zu geben.

Und wie sieht das in der Praxis aus? Planen Sie Module oder werden das zwei eingeständige Klassen?

Barbier: Letzteres. Das werden zwei separate Systeme. Pro Jahrgang voraussichtlich zwei G8-Klassen und zwei Aufbauzweig-Klassen. Die Lerninhalte bleiben dieselben, sie werden nur von drei auf vier Jahre gestreckt.

Was bedeutet das für die Fremdsprachen?

Barbier: Dass die zweite Fremdsprache nicht in der sechsten, sondern in der siebten Klasse hinzukommt.

Also wie früher.

Foerster: Genau.

Barbier: Das macht Realschülern übrigens auch den Wechsel an unsere Schule leichter. Für die ist das dann ein nicht allzu großer Sprung.

Wann wird die Entscheidung gefällt, ob ein Jugendlicher eher in den G8-Zweig oder in den Aufbauzweig gehört?

Barbier: Wir beraten auf Basis der Halbjahreszeugnisse, geben Prognosen für die Entwicklung ab und die Eltern stellen dann einen entsprechenden Antrag, über den die Schulleitung befindet.

Foerster: Um das noch mal zu unterstreichen: Es geht bei der Entscheidung nicht allein um die kognitiven Fähigkeiten, sondern um den gesamten Menschen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Ihnen die Eltern jetzt, mit der Wahlmöglichkeit, die Tür einrennen.

Barbier: Das Interesse ist durchaus da, ja.

Müssen Sie dann bald anbauen? (lacht)

Barbier: Nein. Wir planen keine Vergrößerung.

Wie viele Schüler und Lehrer haben Sie derzeit?

Foerster: Rund 850 Schüler und 70 Lehrer.

Barbier: Und dabei soll es auch bleiben. Wir wollen keine Riesenschule werden. Wir haben aus G9-Zeiten noch genügend Räume, insofern kann alles beim Alten bleiben.

Werden die Aufbauzweig-Schüler denn trotzdem in den Ganztag integriert oder werden sie zu „Halbtagsschülern“?

Barbier: Von unserem Erziehungsgedanken her und der Rhythmisierung, die wir eingeführt haben, bleiben die Schüler im Ganztagsbetrieb. Mit festen Lernzeiten, beispielsweise in der Hausaufgabenbetreuung, und mit verschiedenen AGs. So können auch Freundschaften weiter gepflegt werden. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass die Neubildung der Klassengemeinschaften auch mit etwas Wehmut verbunden sein wird. Nicht für jeden Schüler, manchen tut es auch gut, noch mal in einem neuen Klassenverband starten zu können. Aber für manche ist es vielleicht nicht ganz so einfach, eine gewohnte Klassengemeinschaft zu verlassen.

Wie sieht denn die rechtliche Seite aus? So etwas wie ein Gesetz, das ein zusätzliches Schuljahr erlaubt, gibt es nicht.

Barbier: Wir haben bei der Bezirksregierung einen Antrag gestellt und sind zuversichtlich, dass der positiv beschieden wird.

Was macht Sie so zuversichtlich?

Barbier: Wir haben uns in Lippstadt eine Schule angeschaut, die diesen Zweig bereits anbietet. Und wir erfüllen die Voraussetzungen.

Foerster: Und wir sind der Meinung, auf dem richtigen Weg zu sein. Bislang haben wir sehr viele positive Rückmeldungen erhalten.

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