Heftige Diskussion um Gutachten zum Hallenbad Kohlscheid

Von: Beatrix Oprée
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Das Hallenbad in Kohlscheid steht vor dem Aus - Ende 2014 waren starke bauliche Mängel festgestellt worden. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Heftig ins Gericht gegangen ist die Politik bei der Sondersitzung der Ausschüsse für Bau und Verkehr sowie Bildung, Sport und Kultur am Dienstagabend mit dem Technischen Beigeordneten Ragnar Migenda.

Grund war die Tatsache, dass das umfassende Gutachten des Ingenieurbüros Paulus und Paulus über den Sanierungsbedarf des seit Monaten geschlossenen Hallenbads Zellerstraße der Verwaltung schon seit März 2014 fertig vorlag, den Politikern aber erst jetzt zur Kenntnis gegeben wurde.

Die Kritik gipfelte in einen Wutausbruch von SPD-Fraktionschef Gerd Neitzke, der dem Beigeordneten einen „unseriösen Umgang“ mit den Stadtverordneten vorwarf, die offensichtlich nicht ernst genommen worden seien. Solch ein Verhalten habe er noch bei keinem von Migendas Vorgängern erlebt und verbitte er sich auch für die Zukunft, drohte Neitzke gar „rechtliche Schritte“ an.

Migenda hielt energisch dagegen, wies die „massiven Vorwürfe“ und die „Polemik“ von sich. Ihm sei es um einen Gesamtblick auf das Hallenbad gegangen, den er nur in Kombination mit der Plausibilitätsprüfung durch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen habe geben können: „Das hat seine Richtigkeit, dazu stehe ich!“ Alles andere sei nur eine Teilbetrachtung gewesen.

Die passenden Kennzahlen und der Blick über den Tellerrand, die die Gesellschaft für das Badewesen geliefert habe, seien ebenso wichtig. Die Wirtschaftlichkeitsprüfung der Bädergesellschaft hatte aus haushaltsrechtlichen Gründen aber erst verspätet in Auftrag gegeben werden können. Parteiübergreifend herrschte Einigkeit, dass für strategische Überlegungen nutzbare Zeit unnötig verstrichen sei.

Dieter Gronowski (CDU) fasste an Migenda gerichtet zusammen: „Sie haben wohl nicht wahrgenommen, wie sehr uns das Kohlscheider Bad am Herzen liegt. Es ist Ihre verdammte Pflicht, uns zumindest nichtöffentlich Signale zu senden, um haushalterisch Entscheidungen zu treffen.“

Vier Varianten haben die Herzogenrather Gutachter für das 1972 erbaute Hallenbad ausgearbeitet: 1. die Beseitigung des Instandhaltungsstaus, die mit rund 2,75 Millionen Euro zu Buche schlage; 2. eine Modernisierung, die mindestens 5,2 Millionen Euro kosten würde; 3. die empfohlene Variante – zwischen Reparatur und Modernisierung –, die etwa 4 Millionen Euro beanspruchen würde, und 4. einen Neubau für 12 bis 14 Millionen Euro.

Dr.-Ing. Siegfried Dauber (ECON-Ingenieure), der die Leitungs- und Wassertechnik untersucht hatte, wies u.a. darauf hin, dass jedes Aufschieben einer Entscheidung mit Kosten verbunden sei. Diplom-Ingenieur Kurt Pelzer, Vorsitzender des Technikausschusses der Gesellschaft für das Badewesen, legte ernüchternde Fakten zur Wirtschaftlichkeit des Bads dar.

Unter anderem führte er aus, dass die Halle Zellerstraße trotz längerer Jahresöffnungszeit deutlich weniger Besucher als vergleichbare Bäder verzeichne. Zugrunde lagen Zahlen aus 2012. Sein Rat: erst den Sanierungsaufwand für eine Lebensdauer von 25 Jahren („nur das macht Sinn“) zu klären.

Werde der ökonomische Wert negativ, „sollte man nicht mehr investieren“. Nächster Schritt solle eine Feststellung des Wasserflächenbedarfs sein. Dann ließen sich schnell Investitions- und Nutzungskosten bestimmen – und auf dieser Basis entscheiden.

Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel stellte fest, dass es sich bei den Erkenntnissen Pelzers um Dinge handele, „die wir ohnehin wissen“. Kein Bad in Herzogenrath sei wirtschaftlich... Die Politik votierte auf Anregung der rot-schwarzen Kooperation einmütig dafür, das Protokoll der Sondersitzung sowie die Ingenieurspräsentationen und eine Stellungnahme der Verwaltung dazu im Bau- und Verkehrsausschuss am 5. Februar vorgelegt zu bekommen.

Die Kooperation regt zudem für den Haupt- und Finanzausschuss an, ein Bädermodell prüfen zu lassen, das einem Investor ermögliche, „eine Investition in eine Generalsanierung oder einen Neubau über Mieten oder Pachten zu refinanzieren“. Dabei sind öffentlich-rechtliche Partner im Visier.

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