„Haute Cou(l)ture in der Provinz“ im Herzogenrather Klösterchen

Von: Nina Krüsmann
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Kostümanprobe: Tanzkünstlerin Bettina Lauber und Textildesignerin Ina Kramer. Foto: Krüsmann

Herzogenrath. „Welche Sachen hast du in deinem Kleiderschrank?“ Im Rahmen des Projektes „Anziehend – Haute Cou(l)ture in der Provinz“, das sich mit den oft menschenunwürdigen Bedingungen der Kleidungsfertigung befasst, hat eine Künstlergruppe über die Alternativen zum Kleiderkonsum nachgedacht.

Eine Tanzperformance auf der Freitreppe von Burg Rode musste leider ausfallen, der Regen war zu stark. Doch am Samstag, 24. April, gibt es um 17.30 Uhr im Soziokulturellen Zentrum Klösterchen eine weitere Gelegenheit.

„Wir kamen ins Träumen und dachten an das Märchen von Sterntaler. Das kleine Mädchen steht arm, hilflos und mit dem letzten Hemdchen bekleidet unter dem Sternenhimmel. Es fleht die Sterne an und die Sterne geben ihm, was es braucht. Diesen Gedanken haben wir künstlerisch betrachtet und angewendet“, erklärt Tanzkünstlerin Bettina Lauber, die gemeinsam mit Textildesignerin Ina Kramer alles organisiert hat. Die Natur könne unser Sternenhimmel sein, der unsere Bedürfnisse erfüllt. „In unserer Nähe gedeihen pflanzliche und tierische Fasern und es werden Stoffe daraus gewebt. In früheren Zeiten war diese Produktion zahlreich vertreten, weshalb wir auf Omas Dachboden oder auf dem Flohmarkt noch herrliche Bestände von altem Leinen finden können“, verdeutlicht Lauber. Naturnahe Kleidung bedeute, selber aktiv zu werden. Erlernte Fertigkeiten wie Stricken, Häkeln, Nähen, vielleicht auch Spinnen und Weben lassen sich auffrischen oder neu erwerben. Auch ein Grundsatz der Indianer, „nur so viel aus der Natur zu nehmen, wie wir wirklich brauchen“, hat die Gruppe letztendlich zu der Tanzperformance inspiriert.

Das Thema naturnahe Kleidung wird in Tanz und Kostüm dargestellt, Wortbeiträge und Musik untermalten dies. „Wir würden uns wünschen, dass die Zuschauer einen kleinen Keim unserer Gedanken mitnehmen können, wohl wissend, dass die Umstände meist keinen radikalen Wandel zulassen. Kleidungsstücke aus inländischer Fertigung – schon ein angefertigtes Teil setzt ein Zeichen“, betont Lauber.

Seit fast einem Jahr beschäftigen sich Künstler des Soziokulturelles Zentrum Klösterchen im Rahmen des vom Fonds Soziokultur geförderten Projekt mit dem Thema Kleidung und Mode und allen dazu gehörenden Facetten. Auf dem Ferdinand-Schmetz-Platz in Herzogenrath erinnerten die beteiligten Akteure in einer groß angelegten Aktion auf unterschiedliche Art und Weise an die Missstände bei der Herstellung von Billigkleidung für die Modebranche und regten zugleich die Zuschauer und Passanten an, ihr eigenes Kaufverhalten in Sachen Mode zu reflektieren. Es war ein gut gefüllter Kleiderschrank zu sehen, der mit einem Gedanken beschriftet war, der vielen nicht unbekannt sein dürfte: Ich hab nichts anzuziehen! Plastiktüten der Billiglabels waren an einem roten Faden über den Platz gespannt. Der „Geizhals“ lief umher und in einem von Schülern des Berufskollegs Alsdorf gefertigten Metallkäfig wurde maßgetreu die Größe eines Arbeitsplatzes einer Näherin visualisiert. Die Theaterpädagogin Angelika Zeevaert vom Berufskolleg Alsdorf hatte darin an einer Nähmaschine Platz genommen und veranschaulichte in einem fiktiven Dialog mit Ina Kramer beeindruckend die Arbeitsbedingungen einer indischen Näherin. Untermalt wurde die mehrstündige Aktion von Musik und Lesungen.

Das Projekt läuft noch bis zum 24. April, dem zweiten „Fashion Revolution Day“, der an die Katastrophe in einer Nähfabrik in Bangladesch erinnert. Bis zu diesem Tag wird die Aktion noch an unterschiedlichen Orten in der „Provinz“ zu sehen sein, unter anderem mit Beiträgen aus der Kulturschiene des Berufskollegs.

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