Hausmeister mit VIP-Tickets „wohlwollend gestimmt”

Von: Berthold Strauch
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Durchblick: Fensterputzen - wie hier an der Hauptschule Ost - gehört nicht zu dem Vertrag, der Gegenstand des Prozesses war. Foto: B. Strauch

Alsdorf/Aachen. Acht Hausmeister der Stadt Alsdorf hatten sich am 15. September 2006 nach Feierabend etwas gegönnt: Auf Einladung der Firma, die in Schulen, im Rathaus und bei der Feuerwehr für Sauberkeit sorgt, labten sich die Herren in der VIP-Lounge der Köln-Arena kulinarisch - und schauten der Eishockey-Partie der „Haie” zu.

Am Montag wurde dieser Ausflug, juristisch als Vorteilsnahme gewertet, vor dem Aachener Amtsgericht aufgearbeitet. Doch nicht die Hausmeister saßen auf der Anklagebank. Sie hatten bereits ihr „Fett weg”: Gegen ein Bußgeld von je 300 Euro wurden ihre Verfahren eingestellt. Sie gelten nicht als vorbestraft.

„Ich hab´ die Schnauze voll von VIP-Logen - mir passiert das nicht mehr!”, jammerte einer der Kollegen. „Ich habe einen Fehler gemacht - und dafür bezahlt.” Ähnlich sah es auch Richterin Marianne Kaulen: Die Begünstigten seien „wachgerüttelt worden”. Das Verfahren „hat Zeichen gesetzt. Alle Beteiligten sind sensibilisiert daraus hervorgegangen”, sagte sie.

Vor der Richterin musste sich eine 54-jährige Alsdorferin verantworten. Der „Objektleiterin” der Reinigungsfirma wurde „Vorteilsgewährung” vorgeworfen: Die Hausmeister seien unentgeltlich in der VIP-Lounge 530 der Köln-Arena - dauerhaft von ihrem Osnabrücker Arbeitgeber angemietet - „beköstigt” worden. Die Männer sollten für ihre „Kontrollfunktion”, die sie gegenüber der Firma ausüben müssten, „wohlwollend gestimmt” werden.

Seit 1990 putzt die Firma für die Stadt, mehr als 40 Objekte, so die Angeklagte, stehen auf der Liste. Als Vorgesetzte der eingesetzten rund 140 Putzfrauen hat sie deren Arbeit zu koordinieren, wobei sie Kontakt zu den Hausmeistern hält - heute immer noch, die Firma ist weiter gut im Geschäft in Alsdorf. Man kennt sich gut, duzt sich. Für ihren stressigen Vollzeitjob, wie sie klagte, werde sie monatlich mit nur 976 Euro netto entlohnt.

Ihr Anwalt legte Wert auf die Feststellung, dass Fensterputzen keinesfalls Vertragsbestandteil sei. Und er merkte an, dass wohl aus dem Kreis der Hausmeister die Bitte um Karten gekommen sei. Wer es gewesen sein soll, daran konnte sich die Angeklagte nicht erinnern. Und auch die Hausmeister versicherten in ihren Zeugenaussagen übereinstimmend, von „Frau Gisela”, der Objektleiterin, angesprochen worden zu sein.

Dass der „gemütliche Abend in der Freizeit” im strafrechtlichen Sinne für die Hausmeister ein Problem sein könnte, darüber will niemand der Begünstigten ernsthaft nachgedacht haben - „Ehrenwort!” Dabei mussten sie einst bei der Stadt eine Erklärung unterschreiben, teure Geschenke nicht anzunehmen - oder den zuständigen Dezernenten um Erlaubnis zu bitten. Da sie gegen die Auflagen verstoßen hatten, erhielten sie einen dienstlichen Verweis.

Die Richterin bezifferte den Wert der Eintrittskarten mit 43 Euro das Stück, wobei Essen und Trinken - zwei Zehn-Liter-Fässer Kölsch standen bereit - nicht eingerechnet seien. Die gemeinsame Fahrt mit einem kleinen Bus mussten die Hausmeister selber zahlen, auch die Getränke nach dem Spiel, als sie auf den Bus warten mussten. Mit bei der frohen Runde in der Köln-Arena war die Objektleiterin - und ihr Vorgesetzter aus der Pulheimer Filiale, „ein Eishockey-Fan”, wie sie sagte.

Richterin Marianne Kaulen zeigte sich überzeugt, dass der Anstoß zu dem Besuch wohl von der Reinigungsfirma gekommen sei. Doch ein Zeuge dazu aus der Firma war nicht benannt worden.

Die Sache war aufgeflogen - und zum Ermittlungsfall für den städtischen Korruptionsschutzbeauftragen Klaus Bruellhoff geworden, der am Montag aussagen musste -, als sich der Rathaus-Hausmeister an ihn gewandt hatte mit der Frage, ob die VIP-Karten „sauber” seien. Bruellhoff schlug Alarm: Die zweite Tour, für den 20. Oktober 2006 geplant - alle gleichzeitig passten nicht in die Loge -, wurde rechtzeitig zurückgepfiffen.

Nach knapp drei Stunden Prozess die Entscheidung: Das Verfahren gegen die Angeklagte wird eingestellt, wenn sie 1000 Euro Buße - in vier Raten - gezahlt hat.
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