Würselen - Hausmeister haben auch in den Ferien viel zu tun

Hausmeister haben auch in den Ferien viel zu tun

Von: Kristina Toussaint
Letzte Aktualisierung:
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Nach den Ferien wird eine neue Integrationsklasse eröffnet. Hausmeister Wissgens nutzt die Zeit, bis die Schüler zurückkehren, um die Schule auf Vordermann zu bringen. Foto: K. Toussaint
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Seine Freizeit verbringt er mit Vereinsarbeit: Heinz-Georg Wissgens.

Würselen. „Nichts zu tun gibt es hier nie“, räumt Heinz-Georg Wissgens gleich zu Beginn mit einem viel gehegten Vorurteil über seinen Beruf auf. Auch in den großen Ferien legt der Hausmeister des städtischen Gymnasiums Würselen keinesfalls sechs Wochen die Füße hoch, ganz im Gegenteil: Viele Dinge können überhaupt erst erledigt werden, wenn das Gebäude verwaist ist.

Bevor die gute Seele der Schule also in den wohl verdienten Urlaub gehen kann, gilt es eine lange Liste an Reparaturen, Ausbesserungen und Reinigungsarbeiten abzuhaken.

Schon im normalen Schulbetrieb ist es eine Vielzahl von Aufgaben, die sich dem gelernten Elektriker stellen. Monatlich liest er alle Strom- und Gaszählerstände ab, setzt jede Woche die Abfalltonnen nach draußen und schließt täglich die Haupttüren auf und zu. Wenn etwas kaputt oder eine Neonröhre durchgebrannt ist, ein Dach gereinigt oder eine Stelle mit Putz oder Farbe ausgebessert werden muss, Schrauben festgezogen oder die Batterien in den Wanduhren gewechselt werden müssen: Immer wird nach dem Hausmeister gerufen.

Hilfsbereitschaft mit Spielregeln

Im Fall von Heinz-Georg Wissgens ist dieser auch schnell zur Stelle. „Ich mache alles Menschenmögliche, um allen zu helfen.“ Nur, wenn er das Gefühl hat, dass ein Lehrer ihn ruft, um bloß selbst keinen Finger krumm machen zu müssen, ist es mit der Hilfsbereitschaft vorbei: „Da laufen die bei mir vor die Pumpe“, sagt Wissgens schmunzelnd. Regelmäßige Anerkennung oder ein kleines Dankeschön gebe es von Schulleitung und Lehrerrat aber auch.

Der Umgang mit den Schülern liegt ihm ebenso gut: „Durch mein Vereinsleben habe ich ohnehin viel mit jungen Menschen zu tun. Und weil ich ein Typ bin, der auf Menschen zugeht, habe ich auch zu den Lehrern und zur Schulleitung ein gutes Verhältnis.“

Was ihn aber auf die Palme bringt: Schüler, die sich nicht an die Spielregeln halten und Menschen von außerhalb, die sich auf dem Schulgelände aufhalten. Wegen der Bauarbeiten an der neuen Mensa sind an den hinteren Zugängen zum Schulhof zurzeit keine Tore montiert. Wissgens muss deshalb jeden Morgen Bierflaschen vom Schulhof sammeln – und diskutiert jeden Abend mit den ungebetenen Gästen.

Durchgehend beschäftigt

Gegen einige hat er bereits erfolgreich Anzeige erstattet. Schmierereien an den Gebäuden hat er in der ersten Ferienhälfte schon überstrichen, zerstörte Blitzschutzvorrichtungen an den Pavillons müssen jedoch noch für mehrere tausend Euro repariert werden.

Auch wenn Aufträge wie dieser, ebenso wie die Reparatur von Rollladen, von Fremdfirmen abgewickelt werden, ist Wissgens für die Organisation und Betreuung zuständig.

Wissgens ist, gemeinsam mit einem Kollegen, im Schichtdienst dafür zuständig, dass die Schule täglich von sieben bis 22 Uhr besetzt ist. Nachdem der letzte Lehrer um 17.30 Uhr das Gebäude verlassen hat, kommen eine halbe Stunde später bereits die Kurse der Volkshochschule, die hier Räume nutzen, um Sprachen zu lernen oder den Bootsführerschein zu machen. Die Sporthallen werden außerhalb der Unterrichtszeiten von Vereinen genutzt. Nur freitags endet die spätere Schicht bereits um 19 Uhr.

Vor einigen Jahren wurden die Dienstzeiten der Hausmeister reduziert: Wegen Bereitschaftszeiten und der Betreuung von Karnevals- oder anderen Vereinssitzungen in der Aula kamen die Schulwärter zuvor auf über 46 Stunden Arbeitszeit in der Woche. „Da hat man fast keine Freizeit mehr gehabt“, so Wissgens.

Ein Brief an den Bürgermeister brachte Abhilfe: inzwischen ist die Arbeitswoche auf 39 Stunden reduziert. Bereitschaftszeiten, in denen bloß in der Hausmeisterkabine gesessen wird, gibt es nicht mehr. Wissgens kommt so wieder mehr dazu, dem Musizieren, seinem großen Hobby, nachzugehen. Vor über 40 Jahren hat er als Schlagzeuger begonnen, heute spielt er die „dicke Trommel“ im Spielmannszug.

Der Schulhausmeister überwacht auch die Heizanlage und versucht, das gesamte Schulgelände in Ordnung zu halten. Passiert ein Unfall, ist er als Ersthelfer vor Ort oder zeigt den Rettungskräften den schnellsten Zugang. „Was wir alles können müssen, ist schon eine Nummer“, so Wissgens. „Mir gefällt es aber, zu frickeln und es passieren immer wieder neue Dinge.“

Eher zufällig ist er in den Hausmeisterberuf gerutscht: Nach der Schließung der Nadelfabrik Singer hatte Wissgens 2006 über einen Bekannten das Angebot erhalten, als Hausmeister in einer Realschule anzufangen. 2010 wechselte er dann an das städtische Gymnasium Würselen.

In den Ferien kommt zu den alltäglichen Aufgaben dann noch eine lange Liste an zusätzlichen kleinen und größeren Aufträgen hinzu: In einigen Räumen müssen die Schrauben an allen Stühlen festgezogen, in den Chemie- und Erdkundefachräumen müssen Plakate und Landkarten getauscht werden und einen Wasserschaden im Sanitätsraum der Turnhalle gilt es mit einem Entfeuchter zu bekämpfen.

Ebenjener Wasserschaden und die in der Folge über die Ferien gänzlich stillgelegte Turnhalle sorgen auch dafür, dass der Hausmeister die Duschen noch häufiger durchspülen muss als sonst: zweimal in der Woche muss für zehn Minuten das Wasser laufen, um die Entstehung von Legionellen zu verhindern.

Zu allen Klassenräumen haben die 110 Lehrer vor den Ferien To-Do-Listen erstellt, die Wissgens und sein Kollege nun abarbeiten. Bevor in der neuen Mensa wieder täglich 500 bis 600 Essen auf 250 Plätzen ausgegeben werden können, muss Wissgens die Abtrittgitter reinigen, Kleinigkeiten gibt es außerdem noch an der Elektrik zu korrigieren.

Die Eröffnung des neuen Mensakomplexes ermöglicht eine neue Nutzung für die alte Kantine: Der alte Mensaraum wird dank der vorhandenen Schalldämmung an der Decke zum perfekten „Laut-Spiele-Raum“: Hier sollen Kicker, Billardtisch und Tischtennisplatte ihren neuen Platz finden. Außerdem übt hier nach dem Sommer eine neu ins Leben gerufene Bläserklasse. Dafür muss aber vieles noch ummöbliert werden.

Die Digitalisierung und die Einrichtung von Tablet-Klassen machen dem Hausmeister einen Haufen Arbeit – einen Haufen Röhrenfernseher genau gesagt, der entsorgt werden muss. Bevor die rund 1000 Schüler das Gymnasium Ende August wieder stürmen können, muss also noch einiges passieren.

Gibt es auch Dinge, die Wissgens nicht selber hinbekommt? „Ich kann nicht tapezieren, ich würde wohl vor Ungeduld mit den Fingern die Tapete kapputtreißen“, sagt er lachend. Man lerne in dem Job aber auch viel dazu – eine Malerrolle habe er vor seiner Stelle als Hausmeister schließlich auch nie in der Hand gehabt. Inzwischen übernimmt er jegliche Farbgestaltungswünsche ohne Probleme.

Ab Mitte August hat dann auch Heinz-Georg Wissgens drei Wochen lang frei. Wegfahren möchte er auf jeden Fall, nur wohin steht noch nicht fest. Vielleicht geht es an die Mosel, vielleicht auch an die Nordsee. Für Anfang Oktober hat er aber schon eine feste Auszeit gebucht: Für eine Woche geht es dann an den Gardasee, mit dem Reisebus. „Da muss ich einfach nur einsteigen und habe sofort Urlaub.“

Eine Woche Erholung also, um danach wieder für alle da zu sein.

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