Alsdorf - Haus Mertens erlebt vorm Abriss besonderes Schauspiel

Haus Mertens erlebt vorm Abriss besonderes Schauspiel

Von: Sigi Malinowski
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Alle Räume sind verraucht: Beim Eintreffen der Wehrleute dringt der Qualm bereits durch die Fenster. Foto: Sigi Malinowski
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Es muss schnell gehen: In dem abbruchreifen Gebäude können die Helfer beim Türöffnen auch mit der Axt hantieren. Foto: Sigi Malinowski

Alsdorf. Vor etwa 45 Jahren spielten im „Haus Mertens“ am Alsdorfer Bahnhofsplatz noch Beatbands wie die „Rocking Shadows“, „Beat Cats“ oder die „Scrabbies“. Und vor 30 Jahren wurde noch fleißig gekegelt. In den vergangenen Jahren tat sich gar nichts in dem Gebäude, das jetzt aber noch einmal ein besonderes Schauspiel erlebte.

Am Freitagabend „brannte“ es nämlich in der zwischenzeitlich heruntergekommenen Immobilie, die demnächst abgerissen und einem Neubau weichen wird. Natürlich war das nur ein angenommenes Feuer mit einem Teileinsturz des Gebäudes, das die Alsdorfer Wehr akribisch bearbeitete und sich von der Führung dafür eine „Fleißkarte“ abholte.

Hausmeister geschockt

Die Löschzüge II und III der Freiwilligen Feuerwehr waren zur Gemeinschaftsübung aufgebrochen. Feuerwehrsprecher Christoph Simon skizzierte die Ausgangslage: „Vor Ort ließ der äußere Eindruck keine Vermutung zu, was genau im Inneren des Gebäudes geschehen war. Einzig ein sichtlich geschockter Hausmeister vermochte notdürftige Informationen zu geben.“

Bei Sanierungsarbeiten sei es zu einem Teileinsturz des ehemaligen Tanzsaals gekommen und mindestens ein Bauarbeiter verschüttet worden. Ein Zugang zu den im ersten Obergeschoss gelegenen Wohnungen sei aufgrund einer starken Rauchentwicklung nicht möglich, wobei unklar blieb, wie viele Personen im Gebäude anwesend waren. Nach kurzer Zeit rückte ein Angriffstrupp unter schwerem Atemschutz vor. Bereits im Treppenhaus stieß der Trupp auf ein Hindernis: Die Korridortüre war verschlossen und auf „normalem“ Wege nicht zu öffnen.

Arbeit mit der Axt

Gewaltsam verschaffte sich der Trupp Zugang zur Wohnung, um festzustellen, dass die nächste Türe ebenfalls verschlossen war. Mittels Feuerwehraxt wurde die Schlafzimmertüre aufgebrochen. Der erste Angriffstrupp begab sich sodann in den Korridor. Bereits beim Öffnen der Türe war eine Rauchschicht erkennbar und ein Arbeiten unter „Nullsicht“ notwendig. Insgesamt mussten vier weitere Wohnungen abgesucht werden.

Während der Menschenrettung im ersten Obergeschoss wurde der im Erdgeschoss gelegene Saal abgesucht. Ebenso begaben sich weitere Trupps in die zweite Etage und zum Dachboden, um diese Bereiche zu kontrollieren. Bereits nach kurzer Zeit konnten die Kräfte im Saal den Fund einer bewusstlosen Person melden, die sofort gerettet wurde.

Schwieriger gestaltete sich die Situation im ersten Obergeschoss. Ein zweiter Angriffstrupp war in den verrauchten Bereich vorgedrungen – allerdings zunächst ohne Erfolg. Erst nach einer „gefühlten Ewigkeit“ kam die Rückmeldung des zweiten Angriffstrupps: „Person gefunden, befinden uns auf Rückweg.“ Warum sich die Personenrettung im Objekt so schwierig gestaltete, erläuterte Christoph Simon: „Die Wohnungen im Haus Mertens bestehen aus zwei, drei größeren Räumen, einem Bad und Nebenraum. Durch die verwinkelte Bauweise und die durch den Rauch gegebene ‚Nullsicht‘ ist eine Orientierung im Gebäude äußerst schwierig.“

Die Trupps tasteten sich an den Wänden entlang und mussten gleichzeitig möglichst jeden Winkel nach Vermissten absuchen. Gerade die Zimmermitte der größeren Räume sei „besonders kritisch abzusuchen“, so Simon. Zudem waren bei den über zehn Zimmern mehrere Türen verschlossen, die erst geöffnet werden mussten. Zugführer und Brand-Oberinspektor Andreas Hodenius war mit dem Übungseffekt zufrieden: „Das vorgenannte Ziel wurde – wenn auch mit Verzögerungen – erreicht und ich denke, dass der Lernerfolg für alle Beteiligten sehr groß gewesen ist.“ Gerade jüngere Kameraden sollen bei solchen Übungen Erfahrungen sammeln. Und somit war die Zugleitung – bestehend aus Andreas Hodenius, Max Hodenius, der Zugführung des LZ III, Dirk Stoeckmann und Hubert Clemens – dann auch sehr zufrieden.

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