Alsdorf - Hartmut Krämer legt auch mit 80 die Steiger-Kutte nicht ab

Hartmut Krämer legt auch mit 80 die Steiger-Kutte nicht ab

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
13593641.jpg
Ein „Urgestein“ aus Zeiten des Steinkohlebergbaus: Der ehemalige Steiger Hartmut Krämer führt die Gäste des Energeticons auch zur Tafel, die an die Opfer des Grubenunglücks von 1930 erinnert. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. „Ich hänge am Energeticon“, sagt Hartmut Krämer. Dabei meint der ehemalige Bergmann vor allem den „schwarzen Teil“ des Alsdorfer Dokumentationszentrums für historische und regenerative Energieformen. So wundert es nicht, dass er die Kutte des Steigers immer noch nicht ganz abgelegt hat, auch nicht im ansehnlichen Alter.

Am Mittwoch, 7. Dezember, wird der in Alsdorf bekannte Hartmut Krämer 80 Jahre alt. Und will weiterhin bei Steigerführungen im Energeticon nachfolgende Generationen in die faszinierende Welt der Energieformen und des ehemaligen Bergbaus einführen.

Die Kohle war ihm praktisch in die Wiege gelegt worden. „Ich stamme aus einer alten Bergarbeiterfamilie“, erzählt er. Sein Großvater arbeitete unter Tage und sein Vater war Fahrsteiger auf der Grube Adolf in Merkstein. Geboren wurde Hartmut Krämer in Streiffeld und teilte das Elternhaus mit einer Schwester und einem Bruder, der später ebenfalls Steiger beim Eschweiler-Bergwerksverein (EBV) werden sollte. Beinahe hätte Krämer doch einen anderen Beruf erlernt. Er spielte mit dem Gedanken, Koch zu werden.

„Aber dann ist mir klar geworden, dass ich dann arbeiten muss, wenn andere ihren guten Anzug anziehen und ausgehen“, erzählt er bei einer Tasse Kaffee – natürlich im Restaurant Eduard im Energeticon. Gymnasium war für ihn angesichts der Evakuierung zum Ende des Krieges nicht drin. Es blieb beim Besuch der Volksschule. Er wurde Berglehrling auf Adolf, ging später auf die Bergschule in Aachen und fing im April 1960 als Steiger im Abbau auf Anna II in Alsdorf an.

Er war Reviersteiger, als für ihn das plötzliche Aus unter Tage kam. 1981 stellte ein Arzt bei ihm eine Erkrankung des Herzens fest. „Ich durfte nicht mehr anfahren.“ Das war für ihn ein harter Schlag, sagt er. Er blieb dem Bergbau treu und wurde über Tage im kaufmännischen Bereich eingesetzt, arbeitete im Abrechnungswesen – bis zum Ende des Bergbaus im Dezember 1992.

Sein „privates Glück“ hatte so manche Brüche. 1970 starb seine erste Frau. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor. Und auch seine zweite Frau starb nach gut 24 Jahren an einem Herzanfall. Und als wenn dies nicht genug an Schicksalsschlägen war, starb nach über 14 Jahren auch die dritte Partnerin, diesmal an Krebs. Nun ist er seit zwei Jahren wieder in „festen Händen“.

Dem Bergbaumuseumsverein in Alsdorf trat der passionierte Bergmann im Jahre 1986 bei. Er hat dort kräftig mitgeholfen, so beim Einrichten der Strecke, durch die die Besucher geführt werden. Er war auch am Bau der Barbarakapelle beteiligt, wie er sagt.

Als es darum ging, Akteure für Steigerführungen im Energeticon zu finden, war Krämer natürlich Feuer und Flamme und ist seit Anfang 2015 dabei. „Ich gehe nur mit kleinen Gruppen los. Da kann man noch auf die einzelnen Leute eingehen“, sagt er. „Es geht mir nicht nur darum zu zeigen, wie das damals alles funktioniert hat. Es geht mir auch darum, die Atmosphäre zu vermitteln, so das Verhalten der Kumpel untereinander. Das kommt bei den Gästen gut an. Und ich komme mit den Leuten immer gut zurecht.“ Nicht mehr alle Kumpel, die mit ihm vor etwa zwei Jahren die Steigerführungen aufnahmen, sind noch dabei. Gerade hat er einen mit zu Grabe getragen. Aber Krämer hofft, dass es für ihn noch oft heißt: „Der Steiger kommt!“

Krämer hat sich ehrenamtlich in vielen Bereichen engagiert. So war er 20 Jahre lang Vorsitzender des Invalidenvereins Alsdorf-Ost, leitete zehn Jahre den Arbeitskreis Invalidenvereine. Zehn Jahre war er Ratsmitglied in der SPD-Fraktion. „Zehn Jahre war ich Schöffe am Landgericht Aachen. Dort habe ich gelernt, genau zuzuhören“, sagt der fast 80-Jährige. „Die Fälle, die dort verhandelt wurden, waren sehr interessant.“

Man kennt ihn. „Ich kann kaum 100 Meter durch Alsdorf laufen, ohne dass das jemand mitbekommt und sagt: Tag Hartmut!“ Das freut ihn, hat er doch zu den Leuten in Alsdorf immer ein gutes Verhältnis gehabt.

Krämer fühlt sich fit. Und bleibt in Bewegung, damit das auch möglichst lange so bleibt. „Vor drei Jahren habe ich mir einen Schrebergarten in Alsdorf-Ost zugelegt. Ich war so steif geworden, dass ich mir kaum noch die Socken anziehen konnte.“

Mit dem Bücken hat er seit dieser Entscheidung keine Probleme mehr, wie er erzählt. Und in der Kategorie Nutzgarten hat er bereits Preise gewonnen.

Und sollte jemand Krämer zum Geburtstag gratulieren wollen, so wird der beim Kleingartenverein der Siedlergemeinschaft Alsdorf-Ost an der Liegnitzer Straße einen Tag nach seinem Geburtstag, also am Donnerstag, 8. Dezember, ab 10 Uhr zu finden sein.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert