Hans-Joachim Heist: „Im Auto geh‘ ich gern mal an die Decke!“

Von: Stefan Schaum
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Alsdorf. Als Choleriker vom Dienst ist Gernot Hassknecht Kult. In der Rolle des Wutredners der ZDF „heute-Show“ ist dem Schauspieler Hans-Joachim Heist kaum etwas heilig. Seine Paraderolle verkörpert er auch auf der Bühne. Vor dem Auftritt in der Alsdorfer Stadthalle spricht der 66-Jährige über das Leben als Schreihals der Nation.

Mein achtjähriger Sohn hat mich neulich gefragt, warum der schreiende Mann da im Fernsehen so böse ist. Sind sie das? Böse?

Heist: Nein, eigentlich nicht. Im Grunde ist der Hassknecht nicht böse und noch nicht mal schlecht gelaunt. Der ärgert sich bloß über die Dinge, die passieren – der flippt ja auch nicht ohne Grund aus.

Eigentlich ist er doch eine Art personifizierter Stammtisch, oder? Der sagt halt die Dinge, die andere auch denken und schert sich einen Dreck um politische Korrektheiten.

Heist: Das kommt schon hin. Die Figur ist das Sprachrohr der ungehörten Masse. Deswegen ist sie auch so kultig, denke ich.

Hat das Draufhauen denn seine Grenzen? Wo hört bei Ihnen der Spaß auf?

Heist: Sobald es menschenverachtend wird, ist Schluss.

Und das Thema Islam?

Heist: Ist ein schwieriges, aber auch das muss man anpacken können. Um es mal mit Kurt Tucholsky zu sagen: Satire darf alles. Die muss sich auch in der Kritik an etablierten Religionsgemeinschaften üben können, wenn es erforderlich ist. Wenn es zum Beispiel um den Islamismus geht, dann dürfen wir uns von Terroristen ganz sicher nicht den Mund verbieten lassen.

Erlebt man viele Anfeindungen, wenn man kein Blatt vor den Mund nimmt?

Heist: Direkte Anfeindungen nicht. Klar lese ich auch schon mal von Kritikern, die den Hassknecht blöd finden. Viel zu laut – das ist so ein Vorwurf. Aber damit kann ich leben, die Figur polarisiert halt.

Was für eine Lebensdauer hat sie denn? Gibt es einen Fünf-Jahres-Plan für den Choleriker?

Heist: Nein. Ich gehe das locker an und spiele die Figur, so lange die Leute sie mögen. So lange es die „heute-show“ gibt, wird der Hassknecht wohl dabei bleiben. Aber ich habe ja auch abseits davon zu tun. Zum Beispiel mit einem Heinz-Erhardt-Programm. Aber klar: Derzeit ist vor allem der Hassknecht gefragt.

Und der kann live zwei Stunden lang durchbrüllen?

Heist: Nein. Das würde ja gar nicht funktionieren. Für mich nicht – und für das Publikum auch nicht. Da geht es darum, in zwölf Schritten zum Choleriker zu werden. Ein ironischer Ratgeber, wenn man so will. Dabei lasse ich es auch leise angehen, ist doch klar.

Und privat? Gehen Sie da auch mal an die Decke?

Heist: Sicher. Vor allem im Auto. Das wird sogar ständig schlimmer. Seitdem ich auf Tour bin, sitze ich immer öfter hinterm Steuer. Mittlerweile kenn‘ ich wohl jeden Kilometer Autobahn. Und da sind Leute unterwegs, denen man den Führerschein nie und nimmer hätte geben dürfen.

Da sind Sie typisch deutsch. Über den Verkehr schimpft schließlich jeder.

Heist: Ja. Und deshalb ist der Hassknecht so dicht dran am Publikum. Was den aufregt, regt viele auf.

Apropos Straße: Werden Sie da oft erkannt?

Heist: Mittlerweile schon. Es kommt immer wieder mal einer auf mich zu uns sagt: Aber jetzt bitte nicht gleich anbrüllen. . .

Und das Gegenteil? Werden Sie auch aufgefordert, spontan loszuschreien?

Heist: Passiert auch schon mal.

Und? Tun sie das?

Heist: Nein.

Fällt es denn schwer, sich von jetzt auf gleich in Rage zu reden?

Heist: Eigentlich nicht. Ich bin schon so lange Schauspieler – das gehört zum täglichen Brot. Zack von Null auf 100 und gleich wieder zurück – das ist eine ganz einfache Übung, keine große Sache. Ich muss nur immer darauf achten, dass es auch authentisch wirkt, damit die Leute mir diese Figur abnehmen.

Die „heute-show“ lebt von der Aktualität. Wie ist das im Bühnenprogramm?

Heist: Der Hauptteil davon bleibt unverändert. Aber zu Beginn jeder Show gibt es eine Art Update, einen Block, in dem es um aktuelle politische Entwicklungen geht. Das wird jede Woche auf den neuesten Stand gebracht.

An Material mangelt es wohl nicht.

Heist: Kann man sagen. Oder brüllen.

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