Handicaps auf klösterlichem Grund

Von: Beatrix Oprée
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Bald auch ein Golfhotel? Geht es nach den Plänen der Initiatoren, kann in den Ländereien rings um die Abtei bald schon der Abschlag erfolgen. Foto: Oprée/Montage: Classen Foto: Oprée/Montage: Classen

Herzogenrath. Wo zurzeit noch Getreide reift, sollen in absehbarer Zeit „Bunker“ und sanfte Hügel auf sattem Grün das Landschaftsbild bestimmen. Keine Sorge: Bunker sind in diesem Fall mit Sand gefüllte flache Gruben, die als besonders anspruchsvolle Hindernisse für Golfer gelten. Denn die über zehn Jahre alten Pläne für einen Golfplatz rund um die Abtei Rolduc haben offenbar ganz konkrete Formen angenommen.

„Ich hoffe, dass wir im Herbst 2016 den Baubeginn haben“, sagt auf Nachfrage unserer Zeitung Bert van de Weijer, Mitglied des „Raad voor Economische Aangelegenheden“ des Bischöflichen Zentrums Rolduc, der die Idee einst mit geboren hat. Anlässlich der 900-Jahr-Feier im Jahr 2004 war das. „Es ging darum, weitere Einkünfte für Rolduc zu generieren, um seine wirtschaftliche Zukunft zu sichern“, erklärt er.

Einnahmen generieren

Die avisierte Golfanlage, so die Vorstellung der Ideengeber, soll nicht nur Golfer anlocken, sondern als attraktiver Pluspunkt vor allem den Standort Rolduc als Tagungshotel weiter ankurbeln.

Selbstverständlich werde die Anlage auch für Green-Fee-Spieler, also Tagesgäste, offen sein, legt van de Weijer dar: „Gerade von deutscher Seite wird uns immer wieder großes Interesse bekundet.“ Bereits ein Infoabend über das Projekt vor einigen Jahren habe das bewiesen, „fast die Hälfte der Gäste damals waren Deutsche“.

Rund 60 Hektar Fläche, so die jüngsten Pläne, soll die angepeilte 18-Loch-Anlage nunmehr umfassen. Links der Heyendallaan die Roderlandbaan entlang bis hin zum Berenbosweg, weiter bis zur Grensstraat und schließlich im Karree bis zu den Klosterteichen soll sich das Grün erstrecken. Vier bis fünf Löcher sollen zudem rechtsseitig der Heyendallaan in Richtung Abtei-Gärtnerei angelegt werden. Weijer: „Wir prüfen zudem, ob noch ausreichend Platz für eine Par-3-Bahn als Übungsanlage vorhanden ist.“

Vier bis 4,5 Millionen Euro sind für die Verwirklichung des Projekts veranschlagt. Geld, das die eigens gegründete GmbH, die später den Golfplatz auch betreiben soll, so erläutert van de Weijer, über eigenes Kapital, fremdfinanziert und eventuell auch durch Mitgliedsbeiträge selbst aufbringen muss.

Über Jahre hinweg haben sich die Verhandlungen zwecks Grundstücksparzellierung hingezogen. Ursprünglich war der Berenbos in die Planungen einbezogen, wovon wieder abgerückt wurde, letztlich aufgrund des Einspruchs von Umweltschützern, Anwohnern und Spaziergängern.

Zwischenzeitlich gab es zudem das Bestreben, einen „Eurodepark“ einzurichten, um das sogenannte historische Dreieck mit den Eckpunkten Baalsbrugger Mühle, Abtei Rolduc und Burg Rode auch landschaftlich in einen Kontext zu setzen. Die Golfanlage sollte Teil des Parks werden.

Dieses Vorhaben wurde – nach politischen Diskussionen, über die einige Jahre ins Land gegangen seien – letztlich nicht weiter verfolgt. „Durch eine erneute Priorisierung der freien finanziellen Mittel der Gemeinde ist der Eurodepark nicht mehr vorrangig“, heißt es dazu auf Anfrage aus dem Kerkrader Rathaus.

„So wollen wir jetzt wieder alleine unseren Plan verwirklichen“, sagt Bert van de Weijer. Und die Grundstücksverhandlungen seien nun in eine heiße Phase getreten, verwies er auf wichtige Gespräche am Mittwoch.

Schließlich gilt es, Flächen im Besitz der Gemeinde Kerkrade sowie private Grundstückseigner unter einen Hut zu bekommen. Rund 2,3 Hektar des benötigten Landes liegen auf deutscher Seite. Und einige Parzellen gehören der Pfarrgemeinde St. Gertrud. Land, das die „Golfbaan“-Initiatoren pachten wollen.

Keine Umweltprüfung nötig

Bereits im Jahr 2008 war für die Golfplatz-Pläne des bischöflichen Zentrums Rolduc eine Umweltverträglichkeitsprüfung gemäß niederländischem Recht in die Wege geleitet worden, die auch zu einer Erstbeschreibung mit Offenlage im Herzogenrather Rathaus geführt hatte.

Im Mai 2010, so die damalige Prognose, wollten die Verantwortlichen in Rolduc die ersten Golfer an der Heyendallaan begrüßen. Größere Probleme hatten die Initiatoren damals nicht erwartet, wie sie in einschlägigen Medien darlegten.

Nun aber soll es wirklich keine Hindernisse mehr geben. Nach neuerem niederländischen Recht brauche es für Golfplätze auch keine Umweltverträglichkeitsprüfung mehr. „Seit 2012 ist das so“, ist Bert van de Weijer optimistisch, Ende kommenden Jahres zum ersten Spatenstich laden zu können.

Auf Herzogenrather Seite regt sich im politischen Raum indes neues Interesse an dem Projekt: Die SPD-CDU-Koalition möchte den aktuellen Planungsstand und die nächsten Schritte vorgestellt wissen und zudem erfahren, „wie die Stadt Herzogenrath als Teil von Eurode einbezogen wird“ ...

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