Hallenbad: Bagger rücken noch in diesem Jahr an

Von: Beatrix Oprée
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Rückblick: Erst als das Wasser abgelassen und ein Gerüst bis unters Dach aufgebaut worden war, konnten die gravierenden Mängel der Deckenaufhängung in der Halle Kohlscheid entdeckt werden. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Noch in diesem Jahr, spätestens Anfang 2017, soll der Beschluss aus dem Bau- und Verkehrsausschuss vollzogen werden: Dann sollen die Bagger anrücken und das marode Hallenbad an der Zellerstraße in Kohlscheid dem Erdboden gleichmachen.

 Mit diesem „Rückbau“, wie die Verwaltung es nennt, geht dann die Geschichte des 1972 errichteten Bades zu Ende.

Lange war diskutiert worden, ob ein Sanierung sinnvoll sei, mehrere Gutachten wurden geschrieben. Bei einer der grundlegenden Untersuchungen folgte schließlich die Hiobsbotschaft: Die Mängel sind so gravierend, dass sie einen wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten. Was Anfang Juni 2015 im Bau- und Verkehrsausschuss schließlich zum Stilllegungsbeschluss führte.

Da der „Baukörper“, wie die Verwaltung es darlegt, eine Vermarktung respektive Neubebauung verhindert, soll er nun so schnell wie möglich weichen. Auch, um noch laufende Kosten, etwa für Mindestversorgung des Grundstücks mit Strom, Sicherungsmaßnahmen durch Absperrungen und Kontrollgänge und Mindestwartungen sowie die Versicherungsbeiträge einsparen zu können.

Für die Abbrucharbeiten sind im Finanzplan 500.000 Euro vorgesehen, als außerplanmäßige Abschreibung unmittelbar mit der allgemeinen Rücklage zu verrechnen.

Kostenmäßig allerdings noch nicht abzuschätzen sind die Einflüsse durch ein Stollenlichtloch, das bis auf 70 Meter Tiefe reichen soll und daher wahrscheinlich dem Tiefenbergbau zuzurechnen ist, sowie eines Flözes aus Zeiten des oberflächennahen Bergbaus. „Wie damit umzugehen ist“, so der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda, „müssen weitere Untersuchungen erst noch ergeben.“ Ein Bergbausachverständiger werde die Abbrucharbeiten begleiten. Etwaige Folgekosten durch Verfüllungsmaßnahmen sollen dem EBV beziehungsweise dessen Nachfolgegesellschaften auferlegt werden. Bislang aber, so die Verwaltung, habe der EBV eine Kostenübernahme verweigert.

Im Gespräch mit unserer Zeitung möchten Migenda und Bürgermeister Christoph von den Driesch nochmals betont wissen, dass besagte Schäden, die letztlich das Aus für das beliebte Kohlscheider Bad bedeutet haben, keinesfalls im Zuge der regelmäßigen Sichtkontrollen erkennbar gewesen seien, bei denen gemäß Standard punktuell auch die Decke überprüft worden sei. Vielmehr sei erst durch Aufklopfen im Sockel- und Kopfbereich entdeckt worden, dass die Stahlbetonstützen im Erdgeschoss und unter dem Dach durch die jahrzehntelange Chloreinwirkung korrodiert gewesen seien.

Und darüber hinaus habe man erst durch den aufwendigen Aufbau eines Gerüstes bis unter das Dach feststellen können, dass auch die Statik der Deckenabhängung „möglicherweise schon seit über 40 Jahren“ fehlerhaft gewesen sei. Diverse Aufhängepunkte der Abhangdecke seien „statisch nicht wirksam“. Von den Driesch: „Im Grunde können wir froh sein, dass nichts passiert ist.“

Aber sobald man Kenntnis von solch einem gefährlichen Mangel habe, so der Bürgermeister, müsse die Stadt handeln, aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht. Das Dach selbst, so betont der Verwaltungschef aber auch, sei stabil, will heißen auch schneelasttauglich: „Das hatten wir nach den Vorkommnissen von Bad Reichenhall untersuchen lassen.“ Im Januar 2006 waren in der bayerischen Stadt 15 Menschen beim Einsturz der Eissporthalle gestorben.

Der Stadtratsbeschluss, auf dem Parkplatz nebenan ein neues, kleineres Bad zu errichten, liegt indes auf Eis: Mit einem Antrag samt Projektskizze für einen „Innovativen Ersatzneubau Hallenbad Zellerstraße“, inklusive Beleg, dass ein solcher Neubau (6,1 Millionen Euro) wirtschaftlicher sei als eine Sanierung des Altbaus (8,15 Millionen Euro), ist die Stadt beim Bund gescheitert. Der hatte ein Investitionsprogramm zur Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur aufgelegt, „völlig überzeichnet“, wie von den Driesch sagt. Herzogenrath habe ja noch ein anderes Bad, hieß es seitens des Fördergebers. Das Hallenbad an der Bergerstraße.

Dieses ist aber auch schon in die Jahre gekommen und treibt dem Verwaltungschef ebenfalls Sorgenfalten auf die Stirn. „Es macht immer noch Sinn, über eine Alternativlösung nachzudenken“, sagt er. Denn auch an der Bergerstraße stelle sich die Frage, ob eine Kernsanierung oder etwa ein Neubau wirtschaftlicher sei – in diesem Falle indes an einem Standort, der für Mitte und Kohlscheid gleichermaßen sinnvoll sei. „Das wäre dann auch ein guter Konsolidierungsbeitrag für die Kommunalaufsicht.“

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