Händler sind von Verwaltung enttäuscht

Von: Elisa Zander
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Nur vereinzelt ein Kunde: In der Innenstadt von Herzogenrath-Mitte haben es Geschäftsleute schon heute schwer. Entsteht in Straß ein großflächiges Einkaufsgebäude mit Einzelhandel, werden, so fürchten die Inhaber, die Geschäfte in Mitte schließen. Foto: Elisa Zander
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Setzt sich für die Händler in Herzogenrath ein: Jörg Meyers, Vorsitzender des Gewerbevereins. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Die Gewerbetreibenden in Herzogenrath-Mitte haben Angst. Angst um ihre Familien, ihre Existenzen, ihre Zukunft. Sie befürchten, wenn die Stadt die Flächen des Debetz-Komplexes im Stadtteil Straß für den Einzelhandel freigibt und sich dort verschiedene Gewerbe ansiedeln, stirbt die Innenstadt in Mitte aus. Und damit auch ihre Existenzgrundlage.

Auch im Gewerbeverein Herzogenrath sammeln sich derzeit in Form von Briefen und Gesprächen diese Befürchtungen. „Der Vorstand hat geschlossen Angst, dass der gewachsene Einzelhandel hier zusammenbricht“, sagt dessen Vorsitzender Jörg Meyers.

Ausgelöst wurde dies einige Tage vor der Bürgerversammlung im Januar. Viele erfuhren erst aus der Zeitung von der Veranstaltung. Einige wussten nicht einmal, dass die Änderung des Bebauungsplans seit zwei Jahren zur Diskussion steht. Vorgestellt in der rege besuchten Bürgerversammlung wurde unter anderem ein Gutachten der BBE Handelsberatung, aus dem auch mögliche künftige Einzelhandelsbetriebe hervorgingen, darunter ein Bio-Supermarkt, Fachmärkte für Bürobedarf, Bekleidung, Spielwaren, Sportartikel, Fahrradzubehör.

„Komplett überholt“

„Die BBE hatte im Januar 2012 das Gutachten erstellt. Das ist meiner Meinung nach mittlerweile komplett überholt“, sagt Meyers. „Der Internethandel hat sich massiv erhöht, die drastisch gestiegenen Energiepreise drücken aufs Portemonnaie der Kunden, es gibt eine Sättigung des Marktes.“ Dies habe man bereits im Weihnachtsgeschäft gemerkt, „das eigentlich gar keins mehr ist“. „Die Kaufkraft ist sehr zurückhaltend.“

Die große Sorge der Gewerbetreibenden in Herzogenrath-Mitte: Entsteht in Straß ein Einkaufszentrum mit mehreren Einzelhändlern, bleibt die Kundschaft in Mitte aus. Vor allem jene aus den angrenzenden niederländischen Städten. „Mitte lebt sehr von diesen Kunden und wenn sie ihren Bedarf in Straß decken, kommen sie nicht mehr bis zu uns. Darunter leiden Handel und Gastronomie. Immer mehr Kunden werden ausbleiben. Und wenn dann noch die Filialen schließen – die dann eventuell sogar neu in Straß öffnen – werden hier immer mehr Geschäfte zumachen.“

Leerstand hat stark zugenommen

Schon jetzt ist es im Zentrum ruhig. Einige Leerstände, die, so Meyers, seit 2012 „explosionsartig zugenommen“ haben, gibt es in der Kleikstraße und noch mehr am Ferdinand-Schmetz-Platz. Viel Kritik gibt es seitens der Einzelhändler auch an dem neu in der Kleik-straße angesiedelten Krankengymnasten und dem Massage-Studio. Als Dienstleistungsanbieter ziehen sie keine Kundschaft in die Straße, im Gegenteil, so der einheitliche Tenor. „Solche Angebote dürften sich eigentlich nicht in der Hauptgeschäftsstraße ansiedeln“, lautet Meyers scharfe Kritik an der Stadt.

Die Attraktivität der Einkaufsstraße hat in den vergangenen Jahren gelitten. Ein Beleuchtungskonzept und Blumen könnten schon helfen, meint Meyers. „Da muss sich die Stadt dringend Gedanken machen.“ Schließlich seien die Anforderungen der Kunden ebenfalls gestiegen. Dem müsse man entgegen kommen.

Barrierefreiheit gewährleisten

Ähnlich gestaltet es sich mit der Barrierefreiheit. Viele Geschäftslokale sind nur über Stufen erreichbar. Dass die Stadt hier keine Gesamtkosten übernehmen kann, versteht der Gewerbevereinsvorsitzende. Doch Unterstützung, etwa bei der Planung, sollte möglich sein.

Dass die einzelnen Stadtteile – Merkstein, Mitte, Kohlscheid – gestärkt und die Kräfte der Einzelhändler gebündelt werden, wünscht sich Jörg Meyers für Herzogenrath. „Die Stadt darf sich nicht auf das Gutachten der BBE verlassen, sondern muss mit den Einzelhändlern sprechen.“ Dies sei von Seiten der Politik bislang nur mit Ausnahme passiert, nachdem das Debetz-Areal zum Gesprächsthema wurde.

Dies ist es auch, was die Händler enttäuscht. Und natürlich die eventuelle, durch die Stadt ermöglichte Konkurrenz. Meyers: „Das geht direkt in das Herz und in die Seele des Einzelhändlers.“

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