Gute Noten, aber Sprachdefizite

Von: Daniel Gerhards
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Gute Fortschritte: Die zwölfjährige Merve (vorne) ließt ihre Texte schon ganz flüssig. Gibt es doch noch Probleme beim Verständnis, hilft Klaus Peschke aus. Foto: Daniel Gerhards

Baesweiler. Wenn die zwölfjährige Merve zum Settericher Nachbarschaftstreff geht, freut sie sich auf die beiden Stunden, die vor ihr liegen. Und das, obwohl die Schülerin der sechsten Klasse der Alsdorfer Gesamtschule dort gemeinsam mit anderen Settericher Kindern ihre Hausaufgaben macht.

„Das macht hier sehr viel Spaß. Man kann hier besser lernen als zu Hause”, sagt Merve, „die Betreuer können alles nochmal genau erklären”.

Das Projekt „Hausaufgabenbetreuung und Sprachförderung” der Gruppe für Ausländerfreundlichkeit besteht mittlerweile seit zehn Jahren. Für Jorge Trigoso, Vertreter der Gruppe, befasst sich das Projekt auch nach zehn Jahren noch mit brandaktuellen Problemen. „Viele Kinder haben zwar gute Noten, aber es gibt trotzdem Defizite bei der Sprache”, erklärt er.

Das liege nicht selten daran, dass auch deren Eltern nicht perfekt deutsch sprechen. Oft sind die Sprachprobleme innerhalb der Familie nicht zu überwinden - dann helfen die Betreuer im Nachbarschaftstreff. Spätestens wenn die Kinder den Sprung von der Grundschule zur weiterführenden Schule nehmen, reichen die Kenntnisse vieler Eltern nicht mehr aus.

An vier Tagen in der Woche können die Kinder zur Hausaufgabenbetreuung kommen. Die größten Defizite der Kinder mit Migrationshintergrund sieht Betreuerin Karina Finken im „verstehenden Lesen”. „Im normalen Sprachgebrauch sind oft gar keine Probleme festzustellen”, erklärt sie, die seit der ersten Stunde dabei ist. Komplizierte Formulierungen seien für viele Kinder unverständlich, so dass die Schüler etwa längere Mathe-Aufgaben nicht richtig verstehen - und lösen können.

Zeitunglesen übt

„Zu den Wörtern fehlen den Kindern oft die Bilder”, sagt Karina Finken. Und das oft schon bei einfachen Ausdrücken: „Deshalb müssen wir die Mimik beim Lesen beachten.” Übungen wie gemeinsames Zeitunglesen oder Kochen nach einem Rezept, das ja erst mal verstanden werden muss, helfen den Kindern, sich besser in anspruchsvollen Texten zurechtzufinden.

Das hilft den Schülern auch bei ihren Mathe-Aufgaben. „Oft fehlen einfach die Grundlagen”, sagt Klaus Peschke, Fachbetreuer für Mathematik: „Mathe ist ja eigentlich leicht, vielen fehlen einfache die Begriffe um alles zu verstehen.” Oft bringen schon kleine Dinge den Lernerfolg. „Die Kinder haben hier mal Ruhe zum Lernen. Zu Hause fehlt oft schon der eigene Arbeitsplatz”, sagt Peschke, früherer Leiter der Volkshochschule Alsdorf/Baesweiler.

Der Fokus der Arbeit der Betreuer liegt allerdings zunächst auf den Hausaufgaben. „Die Kinder müssen lernen, dass man die Aufgaben einfach machen muss”, sagt Karina Finken. Dabei bringen Erfolgserlebnisse den Spaß am Lernen. Nach einiger Zeit in der Hausaufgabenhilfe „steigert sich das Selbstvertrauen der Kinder enorm”, sagt Finken.

„Schon die Körpersprache spricht Bände.” Dann gehen die Kinder auch im Unterricht offensiver zur Sache. „Das ist schön zu sehen, wenn sich die Kinder über ihre Erfolge freuen”, sagt auch Klaus Peschke: „Das ist unser Lohn.”

Neben ehrenamtlichen Helfern wie Klaus Peschke kümmern sich Honorarkräfte um die Kinder. Das will erst mal bezahlt werden. 36 Kinder werden im Nachbarschaftstreff betreut, das kostet zwischen 9500 und 10.000 Euro jährlich. Träger der Aktion ist die Katholische Arbeitnehmerbewegung der Diözese Aachen (KAB)

So kommen 60 Prozent der Mittel vom Bistum Aachen. Den Rest finanzieren die Städteregion, die Stadt Baesweiler sowie Spender.
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