Nordkreis - Güterverkehr: Anwohner und Politiker reiben sich die Augen

Güterverkehr: Anwohner und Politiker reiben sich die Augen

Von: Karl Stüber
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Wohnen mit Ausblick in Alsdorf: Die Trasse der Euregiobahn – hier noch in der Sanierungsphase – führt direkt an Häusern vorbei. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Sag niemals nie, sag höchstens vielleicht oder besser: derzeit nicht. Dann legst Du Dich nicht fest. Diese von Taktik geprägte Weisheit kommt jetzt wieder einmal zum Tragen – bei der Trasse der Euregiobahn. Nie wieder sollten Güterzüge nah an Häusern vorbeifahren!

Die das Wohnumfeld strapazierenden Güterzüge zu Zeiten des Steinkohlenbergbaus hatten sich im Gedächtnis der genervten Bürger „festgefahren“. Besonders in Busch, aber auch in Mariadorf wären die Anlieger den Herren und Damen im Stadtrat aufs Dach gestiegen, hätten die bei der Diskussion um die Reaktivierung der Strecke zur Nutzung durch die Euregiobahn sich einverstanden erklärt, auch Güterverkehr wieder rollen zu lassen.

Der Schnee von gestern ist längst geschmolzen. Jetzt hatte Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), angesichts der Überlegung, am Stolberger Bahnhof ein Güterverteilzentrum einzurichten, gegenüber unserer Zeitung eingeräumt, dass mit Blick auf die Gesetzeslage und den „diskriminierungsfreien Zugang zur Eisenbahninfrastruktur“, Eisenbahnverkehrsunternehmen die Nutzung auch für Güterverkehr (Cargo) nicht verwehrt werden kann. Die EVS reaktiviert Stück um Stück die alte Bahntrasse, die zum Ringschluss um Aachen via Stolberg führen soll, und „betreibt“ sie. Derzeit rollen nur Personenzüge der DB Regio durch Alsdorf.

Das Zurückblättern und Lesen von Beiträgen über die alte Debatte scheint auf den ersten Blick Aussagen zu Tage zu fördern, die die Option Güterverkehr nicht in Aussicht stellten – mal vorsichtig formuliert. Im Jahre 2008 hatten die Herzogenrather Nachbarn die Idee, im Zuge der Diskussion um den Ausbau des Gewerbegebiets Nordstern/Am Wasserturm Güter über die Schiene rollen zu lassen. Der damalige Alsdorfer SPD-Fraktionsvorsitzende Gustl Rinkens schaltete sich ein und hakte nach, ob die EVS solche Transporte zulassen werde. Rinkens schäumte, dass ein solches Ansinnen einen „Wortbruch“ gegenüber den betroffenen Anwohnern bedeuten würde. „Auf keinen Fall“, betonte seinerzeit Geschäftsführer Fürpeil gegenüber unserer Zeitung. Die Euregiobahn-Strecke sei „uneingeschränkt dem ÖPNV“ gewidmet. Dies habe er bereits dem (damaligen) Bürgermeister Helmut Klein mitgeteilt. Fürpeil weiter: Schon aus technischen Gründen sei der Güterverkehr auf der Strecke schier unmöglich. Aber der EVS-Mann – das darf zu seiner „Ehrenrettung“ nicht verschwiegen werden – sagte auch: Sinnvoller Weise müsste die Strecke elektrifiziert werden; ein solcher Ausbau aber sei ohne öffentliche Förderung nicht möglich.

Jetzt sind wir ein paar Jahre weiter, Rinkens nicht mehr im Stadtrat und alle etwas schlauer: Anfang nächsten Jahres soll der Antrag zur Förderung der Elektrifizierung beim Bund gestellt werden. Die Karten werden neu gemischt. Das gilt auch für die Nutzung der Strecke. Im Zuge der Elektrifizierung wird der Betrieb neu ausgeschrieben. Wer den Zuschlag bekommt, muss einen Fahrzeugpark stellen. Der Gewinner der Ausschreibung könnte auch Güterverkehrsdienstleistungen anbieten. Das Recht dazu hat er ja, womit wir wieder beim „diskriminierungsfreien Zugang“ zur Schiene sind. Bernd Mortimer – früher CDU, nun Alsdorfer Bürger Union – will in der Ratssitzung am Donnerstag nachhaken, Beginn 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses.

Schreiben Sie unter www.leser-meinung.de, was Sie von Güterverkehr auf der Euregiobahntrasse halten.

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