Günter Mänz gibt den Dirigentenstab nach 35 Jahren weiter

Von: mas
Letzte Aktualisierung:
7532576.jpg
Souverän in der Stabführung, bescheiden im Auftreten: Günter Mänz will der Klassik auch künftig verbunden bleiben. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Eigentlich war alles wie immer. Günter Mänz stand da, wo er seit 35 Jahren stand. Vor dem Konzert wartete er an Säule links – vom Publikum im Pädagogischen Zentrum des Gymnasiums aus betrachtet. Dorthin huschte der Dirigent dann auch in den Pausen, während sich das Orchester feiern ließ.

Wie immer war Mänz mit der mattschwarzen Samtweste und der kleinen Fliege gekleidet. Das Schulorchester des Gymnasiums spielte exzellent. Auch dieser hohe Qualitätsstandard war ganz normal. Und doch war trotz der heiteren und leichten Atmosphäre im Pädagogischen Zentrum des Gymnasiums etwas anders. Denn es war das letzte Mal als Dirigent für Günter Mänz.

Eine Institution

Wenn er auch die Schule nicht sofort verlässt, sondern noch ein paar Monate im Dienst bleiben wird, trennte er sich schon jetzt von den Musikern. Während sich das Publikum, die Kollegen, die Freunde und alle anderen von der Musik tragen ließen, spürte man kaum, dass ein Abschied bevorstand. Dass eine Institution abtritt, die etwa 350 Orchestermusikern den Schliff, die Qualifikation gegeben hat.

Viele ehemalige „Schüler“ aus dreieinhalb Jahrzehnten waren gekommen, um dem großen Dirigenten die Ehre zu erweisen und noch einmal vor ihm spielen zu dürfen. Irgendwie ging ein Zauber durchs PZ, der Abschied schien noch weit zu sein. Günter Mänz selbst fand es „toll“, dass er den Dirigentenstab nun ablegt, wie er hinter der Bühne bekannte. Denn Rentner wird der Jungpensionär in absehbarer Zeit nicht sein. „Ich habe so viele Projekte vor Augen, mit denen ich mich befassen will“, freute er sich auf die Zukunft mit der Musik. Nein, kein Rock, Jazz oder Pop – „ich werde der Klassik immer treu bleiben“.

Dann ließ er beim letzten Auftritt mit vielen Ehemaligen doch kurz seine Gefühle heraus. „Mein Herz schlägt schneller, ich spüre nun doch Wehmut.“ Das Gefühl steigerte sich noch, als gute zwei Stunden später Mänz‘ Vorgesetzter und Freund, Gymnasialdirektor Wilhelm Merschen, Worte fand, die jedem im PZ unter die Haut gingen. Da sprach kein Chef: Der Wegbegleiter kam zu Wort, als er von einem Konzert sprach, dass „allen immer in Erinnerung bleiben wird“. Merschen applaudierte angesichts einer „außergewöhnlichen Leistung“ des Orchestervaters, der „nicht gerne im Mittelpunkt steht“. Eines Kollegen, der es geschafft habe, dem Orchester Begeisterungsfähigkeit einzuhauchen. Wilhelm Merschen: „Manchmal muss man ein Schulorchester auch mal zu seinem Glück zwingen und ihm und dem Publikum verdeutlichen, dass es nicht immer das Musical-Medley sein muss, sondern auch die große Welt der Klassik die Spieler und Zuhörer begeistern kann.“

Jetzt ist er Ehrendirigent

In diesen Momenten musste Günter Mänz über sich „ergehen“ lassen, dass ganz alleine er im Mittelpunkt stand. Denn wenige Minuten später durfte er eine neue Position verkörpern. Den Ehrendirigenten. Nun war nichts mehr wie immer. Vor allem, als Willi Merschen betonte: „Du bist das Orchester!“ Auch Bürgermeister Willi Linkens bescheinite dem „Bosswiller Jung“ und Studiendirektor Günter Mänz, dass er das Schulorchester Jahrzehnte lang geprägt und ihm seinen Stempel aufgedrückt habe.

„Sich der Bildung und Erziehung junger Menschen zu widmen, dazu beizutragen, dass diese ihren eigenen Weg finden, ist eine dankbare, aber auch mit großer Verantwortung und erheblichen Belastungen verbundene Aufgabe“, sagte Linkens.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert