GSG Alsdorf bewegt Millionen von Euro

Von: Karl Stüber
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Die ehemalige Kraftzentrale auf dem Annagelände (Bild) wird zur Begegnungsstätte: Neben Gemeinschaftsräumen und der Jugendkunstschule „Aber Hallo“ wird dieses Langhaus nebenbei auch Funktionen für die noch zu bauenden Realschule und und Gymnasium aufnehmen. Fotos (2): Karl Stüber Foto: Karl Stüber
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Im Modell schon fertig: Mit der Realisierung des Kultur- und Bildungszentrums auf dem Annagelände hat der GSG GS-Geschäftsführer Günter Jansen einen „großen Brocken“ vor der Brust.

Alsdorf. Die beste Form von Denkmalschutz für alte Gebäude ist die sinnvolle Nutzung. Das zeigt sich auch in der Alsdorfer Burg. Nach der aufwendigen Sanierung sind dort das Standesamt der Stadt Alsdorf untergebracht und Räume bzw. Lager für verschiedene Vereine eingerichtet worden. Ein kleines Schild am Eingang verrät zudem, wer dort noch „wohnt“ und seine Zentrale hat: die GSG Grund- und Stadtentwicklung Alsdorf GmbH, eine „Tochterfirma“ der Kommune.

In einem netten Turmzimmer residiert der GSG-GS-Geschäftsführer: Günter Jansen. Zum 1. Oktober wird die Geschäftsführung verstärkt. An die Seite von Jansen wird als Technische Geschäftsführerin Kathrin Koppe gestellt, die zuvor bei der Städteregion Aachen im Bereich Gebäudewirtschaft tätig war.

Sichtlich mit Stolz führt der ehemalige Alsdorfer Kämmerer Jansen durch den Gebäudekomplex. Im Trauzimmer steht eine Art „König-Artus-Ritter-Runden-Tisch“, den Jansen für kleines Geld aufgetrieben hat. Kostenbewusstsein ist auch an der Beschaffung des Mobiliars für die Büros zu erkennen. Kein teurer Ausstatter hat geliefert – was man brauchte, wurde aus einem skandinavischen Möbelhaus herangeschafft. Fahrzeugpark und Gerätschaften der GSG GS sind in einem Gebäude an der Carl-Zeiss-Straße untergebracht.

„Instrument“ der Kommune

Die Gesellschaft bewegt im Auftrag der Stadt Alsdorf Millionen von Euro. Gegründet wurde sie in Absprache mit dem Land NRW mit dem speziellen Auftrag, im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt“ das Kultur- und Bildungszentrum (Kubiz) auf dem Annagelände zu realisieren und anschließend zur Nutzung durch städtisches Gymnasium und Realschule, die derzeit noch in Ofden untergebracht sind, an die Stadt zu vermieten, erzählt Jansen. Das kann und darf unter rechtlichen Aspekten die Schwestergesellschaft, die Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Alsdorf GmbH, nicht leisten.

Aber mit dem neuen Instrument GSG GS lässt sich noch anderes deichseln, hat die Stadt Alsdorf erkannt – auch um den eigenen Haushalt möglichst zu entlasten und den engen Kreditrahmen nicht zu sprengen. Seit 1. Januar 2012 hat die Gesellschaft die Bewirtschaftung und die bauliche Unterhaltung der städtischen Immobilien aus den anderen Gesellschaften, so der Industrie- und Gewerbepark GmbH Alsdorf (IGA), sowie der gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft übernommen. Das Geld aus dem Deal mit der IGA fließt in die Finanzierung des städtischen Eigenanteils am Kubiz ein.

Personal wurde „im Rahmen des bestehenden Haustarifvertrags“ übernommen, wie Jansen sagt. Aber nicht genug damit: Neben der Gebäudeverwaltung hat sich die GSG GS auch noch um die Spielplätze und die Friedhöfe in Alsdorf zu kümmern. Vor allem Letzteres hat sich als eine undankbare Aufgabe erwiesen, muss die GSG GS doch „treuhänderisch“ für den Eigentümer Stadt Alsdorf nun Pflege- und Wartungsrückstände etwa bei der Wasserhaltung von Gräberfeldern oder maroden Leichenhallen nacharbeiten (siehe Info).

Kosten für Friedhöfe steigen

Die geschätzten Sanierungskosten allein für die Trauerhalle in Mariadorf belaufen sich auf rund 140.000 Euro, die letztlich die Kommune bzw. die Gebührenzahler aufbringen müssen. Die GSG GS wird für ihre Dienstleistung von der Kommune bezahlt – aber nicht gewinnorientiert.

Mit Hochdruck läuft derzeit die Feinabstimmung in Sachen Kultur- und Bildungszentrum mit der Generalplanungsgesellschaft GMP, also Architekten von Gerkan, Marg und Partner in Hamburg. „Mit den umfangreichen Baumaßnahmen ist auch ein nicht unerhebliches Risiko der Kostensteigerung verbunden“, erklärt hierzu schriftlich die GMP. Zur Risikominimierung seien eine fachgerechte Begleitung der Baumaßnahme und eine zeitnahe Überwachung der Kostenentwicklungen unverzichtbar. Dazu Jansen: „Wenn wir das nicht machen, dann werden wir Verhältnisse wie auf dem neuen Berliner Flughafen haben.“ Das Problem dort ist, dass während der Bauphase die Anforderungen und die Detailausführungen laufend verändert wurden und werden, nennt Jansen das zentrale Problem.

Bevor der Bau des Kubiz beginnt, soll alles genau festgelegt sein. „Das braucht Zeit“, wirbt Jansen um Verständnis. Die in Rede stehenden 37,5 Millionen Euro Investitionskosten beruhen auf dem Grundsatzbeschluss des Stadtrates im Jahre 2011 und auf einer Machbarkeitsstudie, „die die Anforderungen der beteiligten Schulen noch nicht erfasste“, betont die GSG GS. Zudem war seinerzeit zwar die Beteiligung des Landes zur Finanzierung der außerschulischen Nutzung (Begegnungsstätte Langhaus bzw. Kraftzentrale) zugesichert, aber die Details der Umsetzung noch nicht erkennbar, heißt es weiter. Klar ist nun: Hier wird eine Landesförderung in Höhe von gut 11,5 Millionen Euro erwartet. Mittlerweile sind die Vorplanungen unter Beteiligung der Schulen abgeschlossen. Die darauf fußende Kostenberechnung wird von allen beteiligten Gesellschaften derzeit auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft, der Ausstattungsstandard mit Gymnasium und Realschule festgelegt, beschreibt Jansen die Situation. Das Unternehmen Ernst&Young Real Estate GmbH wurde mit der Projektsteuerung beauftragt – eine wichtige Controller-Funktion.

Im Dezember soll der Stadtrat dann nochmals informiert werden. Gibt der grünes Licht, wird der Bau der Kubiz ausgeschrieben. Werden besagte 37,5 Millionen Euro als Kostenrahmen auch eingehalten? Jansen kann und will sich da nicht festlegen. Zwischenzeitlich seien die Baukosten, beispielsweise für Stahl und Beton, weiter gestiegen. Ende des Jahres soll der Rat auch hier Klarheit haben. Gegebenenfalls müsste – abhängig vom politischen Willen – später die Vergütung für die Nutzung durch die beiden Schulen höher ausfallen, wenn der Bau teurer wird.

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