Grundschulkinder treten mit Flashmob selbst für ihre Belange ein

Von: ny
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Flashmob: Zu „Can´t stop the feeling“ von Justin Timberlake tanzten rund 100 Schüler von fünf Würselener OGS. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. Punkt 14 Uhr. Auf den Morlaix-Platz strömen Grundschulkinder, die nachmittags alle in Offenen Ganztagsgrundschulen gefördert werden. Sie kommen aus den Richtungen Neuhäuser Straße, Kaiserstraße und Klosterstraße. Sie reihen sich vor dem Rathaus auf und tanzen. 100 Kinder der OGS Morsbach, Scherberg, Sebastianus, Bardenberg und Linden-Neusen.

Sie tanzen drei Minuten lang vor dem Rathaus zu „Can´t stop the feeling“ von Justin Timerberlake. „Das ist der erste Flashmob vor unserem Rathaus“, staunt Bürgermeister Arno Nelles, „dass mit so guter Laune und so nett solch eine wichtige Botschaft Gehör findet.“

Wichtige Botschaft? „Wir wollen, dass die Rahmenbedingungen für die Offenen Ganztagsgrundschulen besser werden“, erklärt Simone Siemons, Fachberaterin für Offene Ganztagsgrundschulen. „Wir wollten den Kindern eine Stimme geben. Was nutzt es, wenn die Erwachsenen mit Plakaten auf ihre Forderungen aufmerksam machen? Die Kinder treten für sich selbst ein.“

Aktuelle Kampagne

Auslöser ist die aktuelle Kampagne „Gute OGS darf keine Glücksache sein“, mit der die Freie Wohlfahrtspflege auf die Missstände in den OGS aufmerksam machen will. „Wir haben zu wenig Personal. Oft hat dieses Personal keine volle Stelle. Wir haben zu wenig Räume. Wir haben zu wenig Materialien“, fasst Simone Siemons zusammen.

Dabei bieten die Offenen Ganztagsschulen ein umfassendes und ganzheitliches Bildungs-, Erziehungs-, Betreuungs- und Förderangebot für alle Schüler. Zentral für das Gelingen eines qualitativ hochwertigen Angebotes an Offenen Ganztagsschulen ist die intensive Zusammenarbeit zwischen Schulen und Partner aus der Kinder- und Jugendhilfe. Wegen dieser Partnerschaft funktionieren die Offenen Grundschulen erst. „Damit wir aber den Anforderungen gerecht werden können, müsste eine permanente Angleichung der Einnahmen an die Ausgaben erfolgen“, sagt Simone Siemons.

Deshalb sei die Forderung: „Wir wollen bessere Rahmenbedingungen. Analog zum Kibiz wünschen wir uns festgelegte Rahmen und Standards.“ So seien die Pauschalen, die für jeden Schüler gezahlt werden, unzureichend, um ein qualitativ und fachlich angemessenes Angebot vorzuhalten. „Die Erhöhung der Pauschalen vor zwei Jahren fing weder die Tarifsteigerungen der letzten Jahre für unser Personal auf, noch war sie dazu geeignet, die stetig gewachsene strukturelle Unterfinanzierung der OGS auszugleichen“, redet die Fachberaterin Tacheles.

Große regionale Ungleichheiten

So hänge die Qualität der Ganztagsschulen vorrangig von den freiwilligen Leistungen der einzelnen Kommunen ab. Große regionale Ungleichheiten im Hinblick auf die Finanzierung, auf die Standards und die Strukturen seien die Folge, die durch die pauschale Erhöhung der kommunalen Pflichtanteile nicht ausgeglichen werden. „Deshalb ist das Land NRW gefordert, eine angemessene Finanzierungsgrundlage für Ganztagsschulen, unabhängig vom Finanzstatus der Kommunen, zu gewähren“, sagt dazu Simone Siemons.

Den Kindern machte es Spaß, zu tanzen. „Wir treten für uns ein. Da müssen sich die Politiker doch mal was überlegen“, meint Julia (9). Um 14.15 Uhr war der Morlaix-Platz wieder leer. Als sei nichts gewesen. Aber am Rand standen noch Arno Nelles und Simone Siemons, die schon überlegten, wie eine Finanzierung geändert werden könnte.

Der nächste Flashmob findet statt am Samstag, 1. Juli, um 12 Uhr im Aachener Elisengarten.

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