Grundschule Pannesheide seit zehn Jahren „Schule ohne Rassismus“

Von: mabie
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Zusammenhalt: Erik, Sophie und Stella (v.l.) erklärten sehr eindringlich die schuleigenen zehn Gebote gegen Rassismus und Ausgrenzung und für ein Miteinander an der Grundschule Pannesheide. Foto: Markus Bienwald
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Mit viel Freude und Überzeugungskraft: Anhand von Theater und Tänzen zeigten die Kinder, warum es so wichtig ist, gegen Rassismus und Diskriminierung aufzustehen. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Was die Abkürzungen SOR und SMC bedeuten, weiß doch jedes Kind. Zumindest jedes, das die Grundschule Pannesheide besucht. Dort wurde das Zehnjährige von Schule ohne Rassismus (SOR) und Schule mit Courage (SMC) gefeiert.

Die festlich hergerichtete Turnhalle war aber nur ein Teil des großen Schulfestes, das mit den Feiern zu dieser Dekade des Miteinanders einherging. Denn auf dem gesamten Schulgelände gab es interessante Infotheken zu Themen zu bestaunen, mit denen die Schüler sich hier vor Ort immer wieder beschäftigen. Ein Komplex waren etwa Projekttage zum Zweiten Weltkrieg, die aufzeigten, wie sich die Ideen des Despoten Adolf Hitler zu einer abartigen und menschenverachtenden Maschinerie entwickeln konnten.

„Irgendwie anders“

Ein Ansatz, wie es auch geht, war im Projekt „Irgendwie anders“ zu sehen. Bestandteil dieser Infothek waren Mappen mit Steckbriefen von Schülern und jeder Menge Raum für ihre individuellen Dinge, beispielsweise die Beschreibung des Sofas als persönlichem Lieblingsplatz oder auch die Fertigung von Knetfiguren, die immer ein wenig anders aussahen.

Ein anderes Projekt hatte die Migration in Deutschland zum Thema und machte deutlich, wie Deutschland sich durch Migration immer auch weiterentwickelt hat.

Wie sich SOR und SMC an der Schule entwickelt haben, bedurfte nicht vieler Worte. Schulleiterin Monika Wallbrecht brauchte als Moderatorin der tollen Veranstaltung im Prinzip immer nur kleine Anstöße zu geben, für den Rest sorgten die Kinder und auch Schirmherr Erik Meijer, der gerne den Weg nach Pannesheide auf sich nahm. Von Schülerseite erklärten beispielsweise Erik, Sophie und Stella sehr anschaulich die zehn Gebote der Schule. Dort sind beispielsweise die Leitsätze, dass kein Kind in irgendeiner Form diskriminiert wird oder dass aktiv dafür gesorgt wird, dass alle Menschen verschieden und gleichberechtigt zugleich sind, wesentliche Punkte. „Und wenn sich einer nicht an die zehn Gebote hält, bekommt er gleich richtig Ärger“, sagt Sophie mit fester Stimme.

Der Tanz „Im Land der Blaukarierten“ und das Theaterstück „Es klopft bei Anja an der Tür“ machten auch spielerisch deutlich, wie wenig Sinn Ausgrenzung und Vorurteile machen, und dass ein gemeinsames Zusammenleben viel entspannter und schöner ist.

Wie schnell die Jahre dann ins Land ziehen können, merkte auch Bürgermeister Christoph von den Driesch bei seinen Grußworten. Vor zehn Jahren war er noch Schuldezernent, als das Schild für SOR und SMC am Schulgebäude angebracht wurde. Dass es damit nicht getan war, zeigte nicht nur der Rückblick des Verwaltungschefs, der natürlich auch die 2012 erfolgte Auszeichnung der Schule mit dem Integrationspreis der Stadt Herzogenrath hervorhob.

„Bunt statt Braun“

Wie viel mehr die kleine Schule in Pannesheide in Sachen Integration, Aufstehen gegen Rassismus und Diskriminierung und für Integration aller Kinder getan hat, zeigten eine kleine Mauer aus vielen Bausteinen, die innerhalb von zehn Jahren die Arbeit an der Schule in Pannesheide ausmachten. Los ging es mit der Idee von der Gemeinschaftsgrundschule 1995 und der integrativen Schulgemeinschaft. 2001 folgte die erste Schüler-Demo unter der Überschrift „Bunt statt Braun“, seit dem 30. April 2005 ist die Grundschule Pannesheide Mitglied im Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule ohne Courage“, konnte Alemannia-Aachen-Legende Erik Meijer als Dauer-Schirmherrn gewinnen und erarbeitete im gleichen Jahr die heute noch aktuellen „zehn Gebote“. Projektwochen zu den Themen Nationalsozialismus und Widerstand, Weltreligionen, Handicaps, Infotheken, die Teilnahme an der Rathausverhüllung gegen Rechts in Herzogenrath 2009 oder die Unterstützung der Aktion „Stolpersteine“ sind nur einige Punkte dieser aktiven Arbeit.

Zukunft gestalten

Und was diese intensive Auseinandersetzung mit dem Thema bringt, brachte Bürgermeister Christoph von den Driesch auf den Punkt: Er sah es als das Wichtigste an, sich gegenseitig zu tolerieren, aufeinander zuzugehen und miteinander Zukunft zu gestalten: „Und ich weiß, dass Kinder, die durch die Grundschule Pannesheide gegangen sind, wohl niemals eine Pegida-Demonstration besuchen werden!“

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