Grundschule Pannesheide: Drei neue Außentreppen wären nötig

Von: Beatrix Oprée
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4500 Euro monatlich: Das kostet das aufwendige Rettungstreppenprovisorium an der Grundschule Pannesheide derzeit. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Prompt war im Bau- und Verkehrsausschuss von „Nachfolgenutzungen“ die Rede: Auch die Schullandschaft soll im Zuge der beschlossenen Prüfaufträge durchforstet werden – nach Einsparpotenzial, um Herzogenraths Haushalt wieder auf Kurs zu bringen.

Und genau das treibt Eltern aus gleich zwei Grundschulen derzeit die Sorgenfalten auf die Stirn: in Bierstraß und in Pannesheide. Erstere ist längst im Verbund mit der Regenbogenschule an der Leonhardstraße und nur noch einzügig. Bei Letzterer hatte die jüngste Brandschau erheblichen Nachbesserungsbedarf in Sachen Brandschutz erbracht, vor allem zweite Fluchtwege fehlten.

Als Sofortmaßnahme waren im vergangenen Jahr in Abstimmung mit Feuerwehr, Bauordnung und dem Fachbereich Bau und Betrieb Gerüste samt Stahltreppen angebaut worden, um den Schulbetrieb weiterhin aufrecht halten zu können. Die Turnhalle indes wurde bis auf Weiteres stillgelegt. Rund 50 000 Euro sind bei der Stadt bisher an Kosten für Aufbau und Miete der provisorischen Treppen angefallen, mit rund 4500 Euro schlägt alleine die Miete monatlich zu Buche, wie der Technische Beigeordnete Ragnar Migenda jetzt in der Fachausschusssitzung erläuterte.

Der Antrag der großen Koalition, die notwendigen brandschutztechnischen Maßnahmen der Schule „grundsätzlich an dem Genehmigungszustand aus den Jahren 1995/96 auszurichten“, jedoch auch die Veränderungen für die seither eingerichteten neuen Schulbestandteile „offene Ganztagsschule“, „Übermittagsbetreuung 8-1“ und „Schulsozialarbeit“ miteinzubeziehen, stand auf der Tagesordnung.

Und fand entsprechendes Interesse in der Elternschaft. Denn die sieht zum einen das von ihr so geschätzte jahrgangsübergreifende Unterrichtskonzept mit seinen reformpädagogischen Elementen gefährdet, falls die Schulgebäude nicht mehr in dem räumlichen Umfang genutzt werden können wie in all den Jahren vor der Brandschau. Und zum anderen sorgen sich die Eltern genau deswegen um den Bestand der Schule überhaupt.

So verfolgten sie gespannt die Ausführungen des nach Errichtung der Rettungsweg-Provisorien von der Stadt beauftragten Brandschutzsachverständigen, Diplom-Ingenieur Bernhard Grawe.

Der stellte zunächst klar: „Man muss alte Schulgebäude nicht immer an neue Richtlinien anpassen, das verlangt der Gesetzgeber nicht. Aber man muss betrachten, ob die Dinge insgesamt noch genehmigungsfähig sind.“ Die Pannesheider Schule wurde Ende des 19. Jahrhunderts gegründet und 1963 die Turnhalle gebaut, mit Duschen und Umkleiden im Parterre und der eigentlichen Halle im Geschoss darüber. Mitte der 90er Jahre wurde der Altbau durch einen Anbau erweitert. 1997/98 folgte ein Erweiterungsbau auf der gegenüberliegenden Seite des Schulhofs. Und 2005 schließlich ein quadratischer Mobilbau im Karrée zwischen Altbau und Turnhalle in Richtung Haus-Heyden-Straße.

Im Wesentlichen drei zu ergänzende Außentreppen sind aus Sicht des Experten nötig, um die Schule wieder gemäß ihrem besonderen Lernkonzept komplett mit Leben füllen zu können. Auch unter Einbeziehung des Neubau-Foyers, das zuvor als Spiel- und Lernflur sowie Garderobe genutzt worden war. Ohne zweite Rettungstreppe sei dies jedoch nicht zulässig, erklärte der Brandschutzsachverständige mit Blick auf die „Brandlast“ durch aufgehängte Kleidung, Wandbehänge oder Möblierung. Denn das Foyer ist in diesem Falle baurechtlich ein Treppenhaus und damit ein Fluchtweg, der freigehalten werden muss.

Eine Steilvorlage, die SPD-Fraktionschef Gerhard Neitzke nutzte, um für die Politik festzustellen, dass „diese erheblichen Veränderungen mit uns in keinster Weise abgestimmt worden sind. Hier werden Kinder gefährdet!“ Eine Kerbe, in die auch CDU-Fraktionschef Reimund Billmann schlug: „Wer hat sich erdreistet, die Schule ohne Zustimmung der Bauaufsicht zweckzuentfremden?“ Von einem besonderen Lernkonzept, so bekundete er zudem, wolle er sich keinesfalls unter Zugzwang setzen lassen. Zuerst müsse grundsätzlich abgeklärt werden: „Brauchen wir die Gebäude in Zukunft noch?“

Eine Frage, die bei den Eltern im Saal genauso die Nervosität wachsen ließ wie die eingangs erwähnten Verweise in Redebeiträgen über eine mögliche Nutzungsänderung der Schule.

Grünen-Fraktionschef Dr. Bernd Fasel zeigte sich denn auch „entsetzt“ darüber, dass bereits „öffentlich über eine Folgenutzung der Gebäude nachgedacht“ werde: „Jeder, der das tut, fügt der Schule Schaden zu!“, warnte er vor einer „selbsterfüllenden Prophezeiung“ durch sinkende Anmeldezahlen aufgrund von Verunsicherungen bei Eltern. Auch Norbert Voß, sachkundiger Bürger der FDP, äußerte sein Missfallen darüber, „wie mit der Schule umgegangen wird“ und verwies auf den Bestandsschutz in Sachen Brandschutzauflagen. Thomas Kosel von den Piraten ergänzte mit Blick auf das Unterrichtsmodell, dass die Schule eigentlich noch mehr Platz benötige, „darüber hätte die Stadt schon länger nachdenken müssen“. Und auch Linke-Fraktionschef Toni Ameis befürchtete, die Schule werde durch die laufende Diskussion totgeredet.

„Noch ist ja gar nichts entschieden“, betont Gerhard Neitzke im Nachgang der Sitzung auf Anfrage unserer Zeitung. Die Verwaltung müsse nun erst „Zahlen, Daten und Fakten“ auf den Tisch legen. „Es geht um Kinder und ihre Eltern“, betont Neitzke, dass „mit Ernst“ an die Sache herangegangen werden müsse. Um zu sehen, was zu machen sei, um die Dinge wieder zu legalisieren, und um zu eruieren, was dies dann koste.

Unter anderem den Anbau einer Stahltreppe in Leichtbauweise an der rückwärtigen Seite des Erweiterungsbaus schlägt Ingenieur Grawe vor, um dessen Foyer auch wieder zum Spielen und Lernen nutzen zu können. Die Turnhalle bedarf generell einer zweiten Treppe, um überhaupt wieder nutzbar zu sein, etwa zum Katzer Feldchen hin, das gut von der Feuerwehr zu erreichen ist. Und für den Altbau wäre eine Außentreppe direkt auf den Schulhof denkbar.

Die Kleine Kommission des Bauausschusses trifft sich am Montag, um alles vor Ort in Augenschein zu nehmen. Alle Mittel für eventuelle bauliche Maßnahmen sind so lange gesperrt, bis die Politik entschieden hat.

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