„Grüne Damen”: Die guten Geister im MZ Marienhöhe

Von: Andrea Thomas
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Engagiert: Krankenhausseelsorg
Engagiert: Krankenhausseelsorger Theodor Maas (r.) mit drei seiner „Grünen Damen” an der Info-Theke im Eingangsbereich des MZ Marienhöhe. Hinter der Theke engagieren sich Helga Commerscheidt (l.) und Karin Geiger, am Kaffeewägelchen Marlene Kuckelkorn. Foto: Andrea Thomas

Würselen. Sie sind die guten, grünen Geister auf den Stationen und im Eingangsbereich des Medizinischen Zentrums Marienhöhe, die 16 Damen und zwei Herren der ehrenamtlichen Patientenhilfe. Die „Grünen Damen”, wegen ihrer grünen Kittel so genannt, kümmern sich besonders um alleinstehende, ortsfremde und ältere Patienten.

Sie erledigen kleine Besorgungen von der vergessenen Zahnbürste bis zur Zeitschrift, verlängern Telefonkarten und begleiten in den Park oder die Krankenhauskapelle. Vor allem aber setzten sie sich an die Betten und hören zu.

„Zuhören, trösten, Gespräche führen, das macht 95 Prozent meiner Tätigkeit aus”, erzählt Helga Commerscheidt, eine der Grünen Damen der ersten Stunde. Sie hat sich vor zehn Jahren bei Pfarrer Theodor Maas, der die ehrenamtliche Patientenhilfe am MZ koordiniert, beworben, weil sie Kinder betreuen wollte.

Der hatte sie gleich gefragt, ob sie sich vorstellen könne, beides zu machen: Kinder und Erwachsene betreuen. Die Kinder sind der 72-Jährigen inzwischen etwas zu anstrengend, so dass sie sich mittlerweile einmal in der Woche um Patienten der Orthopädie kümmert. Gerade bei älteren Menschen habe sich oft so viel an Leid und Schicksalsschlägen angesammelt, worüber diese mit niemand reden könnten. „Da gibt es beispielsweise Frauen, die ihren Mann gepflegt und sich jedoch selbst darüber vernachlässigt haben. Jetzt sind sie selbst krank und haben niemanden mehr.”

Erschreckend sei auch zu hören, wie viele Kinder vor den Eltern stürben, sagt Helga Commerscheidt. In solchen Situationen seien die Menschen sehr froh über ein offenes Ohr. Das Vertrauen, das ihr - eigentlich einer Fremden - entgegengebracht werde, rühre sie und mache sie dankbar. Es sei manchmal hart, aber man bekomme auch so viel zurück. „Wenn jemand zum Abschied meine Hand drückt, fragt, ob ich nächste Woche wiederkomme, oder ich in glückliche Augen blicke, die vorher geweint haben, dann ist das mein größter Lohn.”

Etwas zurückgeben

Auch Karin Geiger, die als „Grüne Dame” auf der Gynäkologie und Unfallchirurgie tätig ist, empfindet ihr Tun als sehr bereichernd. „Bei mir hat sich vor fünf Jahren eine zunächst schlechte Nachricht zum Guten verwandelt. Danach wollte ich gerne etwas zurückgeben”, beschreibt sie ihre Motivation. Sie versuche immer ein Lächeln und - wo angebracht - gute Laune mit ins Krankenzimmer zu bringen. Berührungsängste dürfe man keine haben. Sicher sei es nicht immer leicht zu verarbeiten, was sie erlebe und erfahre. Doch das versucht Karin Geiger nach Möglichkeit nicht mit nach Hause zu nehmen.

„Liebe zum Menschen” beschreibt Theodor Maas das Hauptmerkmal seiner „Grünen Damen und Herren”. Die mitmenschliche Nähe und Aufmerksamkeit für die Sorgen und Nöte der Patienten, so sagt er, tragen viel zu deren Wohlbefinden bei in der belastenden und verunsichernden Situation, im Krankenhaus zu liegen. „Die ehrenamtliche Patientenhilfe ist eine wichtige Einrichtung des Krankenhauses, das sonst immer wirtschaftlicher wird”, betont auch MZ-Geschäftsführer Falko Rapp. Zwar sei das MZ kein Unternehmen, das etwas produziere. Sondern es gehe immer auch um Menschlichkeit. Deshalb seien die Ehrenamtlichen und Freiwilligen auch so wertvoll - weil sie mitbringen, wovon die Hauptamtlichen oft zu wenig haben: Zeit.

2009 expandierten die „Grünen Damen”. Seitdem gibt es im Eingang die Info-Theke. Die Damen erklären, wo die Stationen sind, bringen Gepäck aufs Zimmer, helfen bei der Telefonkarte oder begleiten zum Taxi. Außerdem besuchen sie mit ihrem Kaffeewägelchen die Ambulanzen, wo sie den wartenden Patienten und Angehörigen Kaffee und Wasser anbieten. „Die Leute reagieren dankbar und freundlich und nehmen unsere Hilfe gerne in Anspruch”, erzählt Marlene Kuckelkorn. Sie war über 30 Jahre lang die „gute Seele” der Krankenhauscafeteria und ist froh, hier eine ehrenamtliche Aufgabe gefunden zu haben, bei der sie mit Menschen in Kontakt kommt. „Es ist ein Geben und Nehmen.”

Ehrenamtler für Projekt auch in Bardenberg gesucht

Nach dem MZ Marienhöhe soll auch Bardenberg seine „Grünen Damen” bekommen. Geplant ist, wenn sich genügend Ehrenamtliche melden, ein Dienst auf den Stationen sowie eine Info-Theke im Eingangsbereich.

Besondere Qualifikationen brauche man nicht, so Theodor Maas: „Gerne mit Menschen umgehen, zuhören können und ein bisschen Zeit in der Woche. Wir sind dankbar, für jede Stunde, die jemand zur Verfügung steht.”

Kontakt: Geschäftsführung des Medizinischen Zentrums, Tel. 02405/ 6238-26 oder -21.
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