Baesweiler - Großpfarrei St. Marien: Gemeinschaftsgefühl soll noch wachsen

Großpfarrei St. Marien: Gemeinschaftsgefühl soll noch wachsen

Von: Stefan Schaum
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Sechs Kirchen, ein Name: Seit Jahresbeginn gehören die Baesweiler Katholiken zur Großpfarrei St. Marien. Foto: Stefan Schaum/Collage: Horst Thomas

Baesweiler. Auf dem Papier ist alles fertig: Seit Jahresbeginn sind die sechs Baesweiler Pfarrgemeinden nur noch eine – offiziell und rechtlich einwandfrei fusioniert zur Großpfarrei St. Marien. Der neue Name steht in kräftigem Blau auf den Schaukästen vor den Kirchen in Beggendorf, Oidtweiler und Loverich, in Baesweiler, Setterich und Puffendorf. Man kann ihn auch auf den neuen Briefköpfen lesen. St. Marien überall. Doch ist die kirchliche Einheit ebenfalls in den Köpfen aller – gut 15.000 – Gemeindemitglieder angekommen?

Pfarrer Ferdi Bruckes ist zuversichtlich. „Das wird sie. Es wird bei dem ein oder anderen vielleicht noch etwas brauchen, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Es wird ganz sicher weiter wachsen.“ Genauer: zusammenwachsen.

„In Baesweiler hat man gut daran getan, den Prozess freiwillig und frühzeitig zu beginnen“, beschreibt Bruckes die Entwicklung, die er seit März 2011 vor Ort begleitet. 2008 hatten sich die Pfarreien bereits zur Gemeinschaft der Gemeinden zusammengeschlossen, 2009 wurde ein Gesamtpfarrgemeinderat gebildet. So haben sich die Gläubigen Schritt für Schritt mit dem eventuell als schmerzlich empfundenen Verlust der Eigenständigkeit der jeweiligen Pfarrgemeinde arrangieren können.

Nur ein Verwaltungsakt

Letzter erforderlicher Schritt war jetzt die Bildung eines einzigen Kirchenvorstandes. „Wir sind schließlich ein Arbeitgeber und müssen Rechtsgeschäfte tätigen können“, benennt Bruckes die Notwendigkeit. Damit will er gleichzeitig sagen, dass der letzte Akt der Fusion eigentlich das ist: ein reiner Verwaltungsakt. „Der Kirchenbesucher spürt davon gar nichts.“ Gleiches gilt für die derzeit 74 Angestellten der Kirche in Baesweiler – von der Erzieherin bis zur Reinigungskraft. „Wir müssen keinen einzigen Arbeitsvertrag ändern.“ Schon vor gut einem Jahr hatte der im Zuge der Zusammenlegung eingerichtete Kirchengemeindeverband die Trägerschaft unter anderem für die drei katholischen Kindergärten übernommen.

Die Zukunft der Gebäude soll das Kirchliche Immobilienmanagement (KIM) sichern. „Es war ein schwieriger Prozess, der aber auch Hoffnung gemacht hat. Ich habe gespürt, dass alle Beteiligten gern über die Grenzen ihrer Gemeinden hinausgedacht haben und Freude empfanden, gemeinsam die Weichen für die Zukunft zu stellen“, beschreibt Iris Tomczak-Pestel, die sich ebenfalls im neuen Kirchenvorstand engagiert.

Jedes Gebäude stand im vergangenen Jahr auf dem Prüfstand, denn 33 Prozent Kosteneinsparung hatte das Bistum bei der Instandhaltung eingefordert. Das bedeutet, dass etwa die Kirchen in Beggendorf oder Loverich vom Bistum künftig keine Mittel mehr erhalten werden. „Doch hier zeigt sich die Stärke der neuen Großpfarrei: Wir sind eine Solidargemeinschaft und setzen finanzielle Mittel auch aus unseren Rücklagen dort ein, wo sie gebraucht werden“, sagt Tomczak-Pestel. „So lange sich in einer Kirche pfarrliches Leben tut und Geld da ist, wird sie unterstützt.“

Offene Fragen

Auf etwa 15 Jahre soll dieses Konzept angelegt sein. Zwischendurch werde immer wieder geprüft, wo Zuwendungen nötig und machbar seien. Offen ist zum Beispiel die Frage, ob aus der Lovericher Kirche eine Grabeskirche wird, die ihren Erhalt aus den dortigen Bestattungen refinanzieren könnte. „Wir prüfen den Bedarf und die Finanzierbarkeit“, fasst Tomczak-Pestel die Entscheidung der jüngsten Kirchenvorstands-Runde zusammen.

Die neue Gemeinsamkeit soll nicht bei den Finanzen enden. „In Baesweiler sind die Menschen in diesem Prozess mitgenommen worden, das hat man deutlich gespürt“, sagt Alfred Mandelartz, Vorsitzender des Kirchenchors St. Martinus Oidtweiler. Lob zollt er dafür Pfarrer Ferdi Bruckes: „Das ist einer, der die Menschen gut miteinander ins Gespräch bringen kann.“ Gleichwohl räumt er ein, dass es Zeit braucht, sich an den Zusammenschluss zu gewöhnen. „Natürlich wünschen sich alle kleinen Gemeinden die Möglichkeit, sonntags in ihren Gemeinden einen Gottesdienst zu haben – aber dafür gibt es keine Perspektive mehr. Es liegt an den Gläubigen selber, wie die Angebote künftig angenommen werden.“

Kirchenvorstandsmitglied Birgit Kremer-Hodok rechnet damit, dass diese Angebote gut angenommen werden. „Es ist in Baesweiler ein großer Vorteil, dass die Stadtgrenzen und die Ausdehnung der neuen Gemeinde identisch sind. Das ist gut für ein Wir-Gefühl. Das kirchliche Leben ist in der Stadt schon richtig gut zusammengewachsen.“

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