Großpfarrei lädt zu Blicken ins Schatzhaus der Geschichte ein

Von: Beatrix Oprée
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Sie wurde vor 100 Jahren geweiht und war die erste neobarocke Kirche im Rheinland: St. Mariä Himmelfahrt in Herzogenrath.
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Über 270 Jahre Baugeschichte vereint der rote Ziegelbaukomplex von St. Gertrud in Afden.
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Wertvolle liturgische Gewänder präsentiert Pastor Dr. Guido Rodheudt, darunter diese rote Kasel aus dem frühen 16. Jahrhundert, bis heute in Gebrauch.
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Auch sie feiert ein Jubiläum: Liesel Lütgens ist seit 25 Jahren Pfarrsekretärin in St. Gertrud. Foto: Beatrix Oprée
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Kirchenvorstand Klaus Puhl lenkt das Augenmerk indes auf die Schäden in der Bausubstanz von St. Gertrud.
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Die Patronin: Holzfigur (Ende 15. Jahrhundert) der heiligen Gertrud, Äbtissin des Augustinerinnen-Klosters Nivelles. Foto: Simons

Herzogenrath. Papst Franziskus hat bislang – überlebensgroß – vom Pfarrzentrum aus auf die stark frequentierte Kreuzung der Schütz-von-Rode-/Erkensstraße gelächelt. Jetzt ist er abgelöst worden durch ein neues wandfüllendes Poster. „Wir sind für Sie da seit 1116!“, kündet es von einem stolzen Jubiläum.

Die Pfarre St. Gertrud feiert ihr 900-jähriges Bestehen. Eigentlich hat es schon viel länger eine Kirche im Stadtteil Afden gegeben. Doch historisch belegt sind eben erst 900 Jahre. Durch – wie soll es anders sein – die Annales Rodenses, jene Jahrbücher des Klosters Rolduc, auf die auch die Ersterwähnung der Burg Rode (1104) zurückgeht.

Für 1116 verzeichnet der Chronist die Existenz einer Kirche in Affeden, „aufgeschrieben wurde das allerdings erst zwei Jahre später“, wie Dr. Frank Pohle weiß, Juniorprofessor für die Geschichte und Kultur der Region Maas/Rhein am Historischen Institut der RWTH Aachen. Intensiv hat sich der Historiker bereits im Jahr 2004 anlässlich des 900-jährigen Jubiläums der Abtei Rolduc mit der örtlichen grenzüberschreitenden Geschichte beschäftigt. Damals inventarisierte er den Kirchenschatz und kuratierte die Ausstellung „Roda sacra“.

Pohle ist zusammen mit Drs. Louis Augustus, dem früheren Archivar von Rolduc, überdies Herausgeber der Publikation „Roda Pastoralis“ mit Beiträgen über 900 Jahre Seelsorge in Kerkrade, Afden und Herzogenrath, die als Band 50 der Veröffentlichungen des Bischöflichen Diözesanarchivs im Einhard-Verlag erschien. So kennt er natürlich auch die wertvollen Dokumente und Kleinodien im Besitz der im Mai 2005 fusionierten Großpfarrei St. Gertrud, die er zu sehenswerten Präsentationen unter dem Titel „Aus dem Schatzhaus der Geschichte“ im Mai kommenden Jahres zusammenstellen wird.

Doch das 900-jährige ist nicht das einzige Jubiläum, das angemessen gefeiert werden soll: Am 4. Oktober jährt sich auch noch die Weihe der Herzogenrather Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt zum 100. Mal, heute der Großpfarrei St. Gertrud zugehörig. Dieser Jahrestag soll Auftakt sein für zahlreiche Veranstaltungen mit geistlichen, kulturellen und musikalischen Schwerpunkten im bis zum 2. Oktober 2016 andauernden Festjahr. Jugend- und Schulprojekte sind flankierend geplant, auch um deutlich zu machen, so sagt Pastor Dr. Guido Rodheudt, wie sehr Pfarr- und Stadtgeschichte über die Jahrhunderte hinweg miteinander verquickt gewesen sind.

Im 19. Jahrhundert schon wieder zu eng geworden war die erst Ende 1781 eingesegnete und seither mehrfach erweiterte Herzogenrather Kirche. 1500 „Seelen“ zählte die Pfarre 1856, so zitiert Frank Pohle in „Roda Pastoralis“ den damaligen Pfarrer Dupont. Platz im Kirchenschiff gab es aber nur für 800 Menschen. Grund für den steten Zuzug waren der Bau der Eisenbahn und die wachsende Industrialisierung vor allem auf dem Glas- und Nadelsektor.

Schon seit Jahren sei ihre Kirche zu klein, die Gemeinde aber auch arm, da ihr viele Land- und Bergarbeiter angehörten, deshalb beantragte der Kirchenvorstand 1856 beim Kölner Generalvikariat, den schlichten Barockbau kostengünstig zu erweitern: indem man den Altbau zum Querbau umfunktionierte, an der Nordseite einen neuen Chor und an der Südseite ein Kirchenschiff ergänzte. Die Baukosten, so beschreibt Pohle, sollten aus Kirchenmitteln getragen werden, dazu das Holz eines Eschenwäldchens veräußert und das gerodete Land als Ackerfläche verpachtet werden.

Die Bauskizze, die Pfarrer Dupont gezeichnet hatte, wurde vom Diözesanbaumeister jedoch abgelehnt, der seinerseits einen Plan für ein anzubauendes neugotisches Querhaus vorlegte. Allerdings muss ihm die angrenzende Eygelshovener Straße entgangen sein, die überbaut worden wäre, wenn seine Ideen zum Tragen gekommen wären. Der Kirchenvorstand ließ daraufhin professionelle Architektenpläne auf Basis der alten Kirche zeichnen – die bei den neogotisch inspirierten Verantwortlichen des Kölner Generalvikariats aber ebenfalls durchfielen. Über Jahrzehnte wurde geplant und verhandelt. Dann starb der Kölner Erzbischof Stuhler – und mit ihm die neogotische Präferenz. Der Weg für ein neobarockes Bauwerk war frei, am 23. November 1913 wurde der Grundstein gelegt, und am 6. Oktober 1915, mitten im Ersten Weltkrieg, die Marienkirche geweiht.

Über 270 Jahre Baugeschichte weist das heutige Gotteshaus St. Gertrud in Afden auf. 1686 war eine Saalkirche aus Ziegelsteinen mit schlankem Turm vollendet worden. Die Mauern des heutigen Langhauses gehörten zu diesem Bau, der im 19. Jahrhundert zu klein wurde. 1835/36 entstanden das östliche Querhaus und ein neuer Chor, beides noch erhalten; der Chor beherbergt heute die Orgelempore. Die Gemeinde wuchs weiter, 1912-14 wurden die Seitenschiffe, das westliche Querhaus und der heutige Chor ergänzt, Turm und Sakristei folgten aus Kostengründen 1959 und 1965. Und heute? Feuchtigkeitsschäden machen sich breit und bereiten Sorgen. Eine grundlegende Sanierung wäre nötig – doch die Kosten ...

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