Baesweiler - Große Vorbilder kommen gut an

Große Vorbilder kommen gut an

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
gymbueins
Was kommt eigentlich in welchen Eimer? Sabina Omeragic und Ali Ounis erklären Kindern aus dem Kindergarten „Ki-Li-Ba” wie Mülltrennung funktioniert. Foto: Daniel Gerhards

Baesweiler. Ein großer Teil des gesellschaftlichen Engagements geht von festen Institutionen aus. Vereine, Wohlfahrtsverbände oder öffentliche Einrichtungen kümmern sich darum, dass es schwächeren Menschen besser geht. Das reicht den Schülern eines Deutsch-Leistungskurses des Baesweiler Gymnasiums nicht aus. Sie wollten selbst handeln.

Darum entwickelten sie ein Projekt, in dem sie Kinder aus dem Kindergarten und der Grundschule besuchten, um schon die jüngsten Bürger für gesellschaftlich relevante Themen zu sensibilisieren.

„Unser Deutsch-Leistungskurs hat sich kritisch mit politischen Themen auseinandergesetzt und ist dabei zu dem Schluss gelangt, dass die Hoffnung auf Politik und die Organisation von Demonstrationen, Plakat- und Spendenaktionen nicht ausreichen”, erklärt Lehrer Melih Tüzem. Wenn sich an den Lebensumständen in der Umgebung etwas ändern soll, müsse man selbst anpacken.

An Ideen mangelte es den Schülern dabei nicht. „Am Anfang hatten wir so etwas wie ein Wunschkonzept”, Schülerin Franziska Theves. Das konnten sie nicht komplett umsetzen. Doch aus den vielen Einfällen kristallisierte sich schnell ein realisierbares Konzept heraus. So planten die Zwölfklässler eine Aktion, bei der sie Kindergartenkinder und Grundschüler für Umweltprobleme sensibilisieren wollten, oder versuchten, deren Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Umweltbewusstes und soziales Verhalten solle schon den Kleinsten mit auf den Weg gegeben werden. „Es fängt alles mit den Kindern an. In ein paar Jahren sind sie die Erwachsen und treffen die Entscheidungen”, sagt Julia Kommer. Die Oberstufenschülerin war dreimal in einer dritten Klasse.

„Wir haben zuerst gefragt, was die Kinder unter Gemeinschaft verstehen. Danach haben wir ihnen spielerisch etwas zu dem Thema beigebracht.” Dabei hat sich bei den Kleinen einiges verfestigt. „Zum Schluss hatten sie ein verändertes Bild von Gemeinschaft”, erklärt Julia Kommer.

Im Kindergarten ging es um gesunde Ernährung und umweltbewusstes Verhalten. „Wir hatten verschiedene Materialien, mit denen wir den Kindern Dinge erklärt haben”, sagt Jaqueline Werther. Die Kleinen konnten sich Äste, Kastanien, Sand aber auch Spülmittel ansehen, daran riechen und testen wie es sich anfühlt. „Wir haben dann auch gezeigt, was passiert, wenn man Spülmittel in den Sand kippt”, sagt Jaqueline Werther. Manche Dinge vertragen sich eben nicht.

Auch in Sachen Mülltrennung haben die Kinder einiges gelernt. „Am Anfang fiel es den Kindern schwer zu verstehen, was in welchen Mülleimer gehört. Am Ende haben sie das viel schneller herausgefunden”, sagt Stefan Faßbinder. „Die Kinder waren wirklich sehr empfänglich dafür. Da ist eine Menge hängengeblieben”, sagt Tim Krüger.

Aber auch die Oberstufenschüler haben aus dem Projekt einiges mitgenommen: „Mir ist erst richtig bewusst geworden, was wir für eine Vorbildfunktion haben. Die Kleinen schauen schon hoch zu uns. Darum müssen wir darauf achten, wie wir uns verhalten”, sagte Jaqueline Werther.

Im Leben klarkommen

Lehrer Melih Tüzem ist überzeugt, dass diese alternative Form der Unterrichtsgestaltung seinen Schülern im Leben nach der Schule weiterhilft. „Mir war wichtig, dass wir etwas Praxisorientiertes machen.” Denn Schule bleibe oft auf bloß der Theorieebene. „Nach dem Abi denken die Schüler nicht mehr in erster Linie an Mathe-Formeln und Grammatik. Dann geht es darum, wie man im Leben klarkommt. Dann müssen sie funktionierende Mitglieder der Gesellschaft werden.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert