Große Politik auf dem Rücken der kleinen Ortsumgehung

Von: vm
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Der „ungewöhnlichste Spatenstich in der Amtszeit“ des NRW-Verkehrsministers Michael Groschek – mit Aldenhovens Bürgermeister Ralf Claßen (v.l.), Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens, Straßen-NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek, den Landtagsabgeordneten Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) und Hendrik Schmitz (CDU) sowie dem Baesweiler Bauausschussvorsitzenden Wolfgang Lankow (CDU). Foto: V. Müller

Baesweiler. Als er sich dem Zielpunkt seiner Fahrt, Setterich, genähert habe, habe er sich gedacht: „Entweder ist mein Navi kaputt, oder wir werden große Probleme mit dem Straßenbau bekommen“, meinte der NRW-Verkehrsminister in Haus Setterich. Dorthin war der ursprünglich als Außentermin geplante Spatenstich für die L50n wegen unsteten Wetters verlegt worden.

Fast habe er sich das Parkett aufhacken sehen, witzelte Michael Groschek (SPD) weiter. Und legte noch einen drauf: Man sei doch näher an Köln als an Düsseldorf dran. „Also beim nächsten Mal Hacke, Schüppe, eins, zwei, drei“, das Regencape an und nach draußen – in Anspielung auf den wegen drohenden Unwetters abgesagten Rosenmontagszug im vergangenen Jahr.

Wenn man an der Stelle befürchtete, Groschek hätte vielleicht die Zettel vertauscht, wie er kurz vorm Gang zum Mikrofon in Richtung Bürgermeister und Landtagsabgeordnete gejuxt hatte, und seine Aschermittwochsrede vor sich liegen, irrte. Der Minister kam doch noch zur Sache.

Kurz wenigstens.

Den Hinweis seiner Vorrednerin, der Straßen-NRW-Direktorin Elfriede Sauerwein-Braksiek, auf die in der Nähe verlaufende Römerstraße Via Belgica aufgreifend, meinte er sinngemäß, die Wertschätzung einer Straße steige proportional zu ihrem Alter. Der Gedanke, die heutigen Straßen könnten eines Tages zu Bodendenkmälern erklärt werden, erhöhe vielleicht die Akzeptanz – so seine halb im Scherz gemeinte Überlegung.

Die lange Wartezeit auf die Ortsumgehung Setterich erklärte er mit „unterschiedlicher Prioritätensetzung in der Politik“ und gelangte daran anknüpfend recht schnell vom kleinen Setterich zur großen Landes- und Bundespolitik. Ohne Witz. Mit Parolen wie „Ohne Bau bleibt Stau“ und den „Lügen der Verkehrspolitik“ war klar: Der Wahlkampf hatte Einzug gehalten.

Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens blieb dagegen im Kleinen, dankte den Beteiligten, wünschte Erfolg beim Bau und verlieh seiner Zufriedenheit über dessen Start Ausdruck – um am Ende die Chance zu nutzen, dem Minister ein anderes Anliegen persönlich vorzutragen. Und damit war nicht der Eintrag ins Goldene Buch der Stadt gemeint, der kurz darauf erfolgte. Nein.

„Baesweiler kämpft seit Jahren für einen guten Bahnanschluss“, sagte Linkens. Würde man die alte Trasse Alsdorf – Stolberg wiederbeleben und einen kleinen Abzweig für Baesweiler bauen... Platz wäre da, so Linkens. Der Minister nickte nur.

Im Falle der Ortsumgehung musste Setterich 23 Jahre warten. Dem Minister kam das sogar noch länger vor – gefühlt den Setterichern vermutlich auch: von „43 Jahren“ sprach Groschek.

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