Würselen - Greenpeace-Fotograf Markus Mauthe: Welt-Retten ist ein harter Job

Greenpeace-Fotograf Markus Mauthe: Welt-Retten ist ein harter Job

Von: Elena Stiebler
Letzte Aktualisierung:
Seltene Motive von teils spekt
Seltene Motive von teils spektakulären Schauplätzen: Markus Mauthe ist auf dem ganzen Erdball der Natur und ihren Spielarten auf der Spur.

Würselen. Zwei Eulen fliegen wie bestellt aus dem Gemäuer der alten Burg Wilhelmstein hervor, schweben unter das Bühnen-Zeltdach und verschwinden in der Nacht. Viele Gäste sind an diesem Abend auf der Burg, doch nur wenige haben die beiden Tiere gesehen. Wie zum Ausgleich zeigt der Fotograf Markus Mauthe Aufnahmen einer Eule aus Finnland.

„Da sitzt man neun Tage im nordischen Winterwald in seinem Fotoversteck, und plötzlich kommt ein Bartkauz auf die Lichtung. Die haben ein so gutes Gehör, dass sie die Mäuse unter dem meterhohen Schnee laufen hören, aber das nützt ihnen nichts, wenn keine nach oben kommt. Und deshalb sind die Raubvögel gezwungen auch tagsüber auf andere Kleintiere Jagd zu machen.”

Der Fotograf arbeitet für Greenpeace und tourt mit seiner Multivisionsshow durchs Land. Zwischen den Vorträgen ist er weltweit auf Reisen, auf der Suche nach neuen Motiven.

„Nach neun Tagen Warten hat man endlich mal eine Eule vor der Kamera. Mein finnischer Kollege hat sofort sein Handy gezückt und einen Freund angerufen. Innerhalb von zwei Stunden standen 13 Fotografen auf dieser einsamen Waldlichtung. Finnen scheinen da sehr kollegial zu sein.” Er lacht.

Bei einer anderen Foto-Tour wurde ein auf der Straße gefundener überfahrener Hase als Lockmittel genutzt „Wieder stundenlanges Warten. Gähnende Langeweile macht sich breit, auf einmal merkt man die Unruhe im Wald. Man wartet und fragt sich Kommt er nun, oder kommt er nicht? und dann...” - im Hintergrund erscheint das Foto von einem Eichhörnchen, das interessiert von der Leinwand auf die Besucher guckt - „... kommt er nicht.” Das Publikum ist begeistert.

Die lockere Art Mauthes kommt an. „Das Tier, das ich eigentlich vor die Linse bekommen wollte, war ein Steinadler, den man mit 2,50 Metern Spannweite eigentlich nicht übersehen kann. Wenn sich dann doch eines dieser seltenen Tiere vor die Kamera wagt, hat man zwei bis drei Sekunden, um den Auslöser zu drücken. Das ist eigentlich nicht schwierig, man darf in diesem Moment nur nicht abgelenkt sein.”

Seit seinem zehnten Lebensjahr beschäftige sich Mauthe mit Fotografie. „Da die Schule für mich nicht so der Bringer war, bin ich nach der zehnten Klasse ab und habe eine dreijährige Ausbildung zum Fotograf gemacht.” Da beide Eltern Fotografen waren, war ihm die Begeisterung quasi in die Wiege gelegt.

Der gebürtige Friedrichshafener machte sich nach Ausbildungsende auf zu einer sechsmonatigen Radreise durch Neuseeland. „Die hier entstandenen Fotos habe ich in einem Dia-Vortrag präsentiert.” Die sehr gute Resonanz war Ansporn zum Weitermachen. Mauthe: „Wenn man 15 Jahre auf Reisen ist, sieht man nicht nur die schönen Seiten der Natur, sondern auch, was der Mensch mit der Natur macht. Unser Planet verkraftet unsere Art zu leben einfach nicht mehr.”

So führte ihn sein Weg zu „Greenpeace”. Aber: „Bis man sich damit seine Brötchen verdienen kann, braucht es Geduld und unermüdlichen Einsatz. Welt-Retten ist nun mal ein harter Job.” Er lacht.

Die Tour „Europas wilde Wälder” geht über zwei Jahre und zwei Monate und wird 250 Vorträge beinhalten. „Morgen wird der Fotograf schon in Süddeutschland sein,” erklärt Karl Wehrens, Pressesprecher der Greenpeace-Gruppe Aachen.

Am Rand der Zuschauer-Tribüne der Burg Wilhelmstein haben Greenpeace-Aktivisten ihren Stand aufgebaut, verteilen Flyer, diskutieren und informieren. Je mehr Menschen sich über ihr Konsumverhalten bewusst werden, desto mehr kann für den Umweltschutz getan werden. „Seit 13 Jahren helfe ich aktiv mit”, berichtet etwa Sabine Rosenbrock. „Als in den 80ern ein Greenpeace-Schiff vor Neuseeland vom französischen Geheimdienst in die Luft gesprengt wurde, saß ich mit meinen Kindern vorm Fernseher. Das war mein Aha-Erlebnis.”

Die 69-Jährige hilft heute bei der Gruppe „Team 55+” mit und widmet sich, neben vielem anderen, vor allem dem Thema „Papier”: „Es ist erschreckend, wie viele Bäume gefällt werden, obwohl dies überhaupt nicht nötig ist.” Jeder dritte Baum stirbt für Papier, obwohl Recycling-Papier heutzutage in Aussehen und Qualität dem „frischen” Zellstoff in nichts nachstehe. Egal, ob bei Kopapier oder Schulheften. Doch beim Ökosiegel gebe es auch „Vermarktungstricks”, warnt sie. Und verweist auf Erfolge, nämlich Firmen und Institutionen, die auf „Öko” umgestellt haben.

Im September feiert die Ortsgruppe Aachen 30-jähriges Bestehen mit einem Fest auf Burg Frankenberg.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert