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Graupapagei Albert plappert wieder

Von: Stefan Schaum
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Froh, dass Albert wieder da is
Froh, dass Albert wieder da ist: Auch Sohn Justin hat ein sehr vertrautes Verhältnis zu dem gefiederten Familienmitglied der im Hause Wissler. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Albert kann sogar wieder telefonieren. Jedenfalls so, wie er als Papagei gern telefoniert. Indem er kurz das Klingeln eines Handys imitiert und mit seiner hohen Stimme kleine Sätze raus haut wie: „Hallo, wie gehts?”, „Danke, gut”, „Echt wahr?” und „Tschüss dann.”

Das, so findet seine Besitzerfamilie, ist ein richtig gutes Zeichen. Denn in den vergangenen Tagen hat der Kongo-Graupapagei oft geschwiegen und dabei wohl das verarbeitet, was er während einer wilden Odyssee erlebt hatte...

Wie Albert die große Flatter machte

Es war ein warmer Tag, als der große Irrflug des dreijährigen Vogels begann. „Wir hatten im Garten gearbeitet und vergessen, die Tür zum Wohnzimmer zu schließen”, erinnert sich Melanie Wissler. Dort stand auch der Käfig offen - und Albert machte die große Flatter. „Wir hätten gar nicht gedacht, dass er überhaupt so gut fliegen kann.” Jedenfalls: Da war er weg. Und zwar war er nicht bloß auf eines der Nachbargrundstücke Auf dem Kamp entkommen, wo Mutter Melanie, Vater Ralph und die Kinder Melanie und Justin zuerst nachschauten.

Später dehnte sie die Suche aus, auf nahe gelegene Felder, den Burgpark. Und sahen Albert nicht, weil der nicht gerade ein bunter Papagei ist. Einzig seine Schwanzfedern sind kräftig rot, „ansonsten ist er komplett grau, den hält man schnell für eine Taube oder sieht ihn im Baum erst gar nicht”, sagt Ralph Wissler. Gehört worden aber ist er, der Albert. Von Arbeitern im Burgpark, die sein Plappern bemerkten und bei der Familie anriefen, die überall in der Stadt Vermisstenmeldungen aufgehängt und bekanntlich auch den „Naseweis” um Hilfe gebeten hatte. Doch wirklich zu sehen, war nichts von ihm.

Zwischenstopp Castorhaus

Bis zu der Begegnung im St.-Castor-Haus, an die Klaus Mingers, Sprecher der Stadt Alsdorf, sich erinnert. Es war nach einer Versammlung der Kolpingfamilie, als Albert plötzlich in den Innenhof geflattert kam. „Da saß plötzlich dieses Tier, und wir dachten: Was machen wir damit?” Während einer die Feuerwehr anrief, versuchten andere, den Papagei anzulocken, boten ihm eine Schale mit Wasser an, an der er auch trank.

Bis ihm dann jemand zu nahe kam und Albert abhob. Mingers: „Der ist richtig schön hoch geflogen.” Und richtig weit offenbar auch. Denn letztlich wurde der Ausreißer im IGA-Park gepackt. Dort hing er sechs Tage nach Beginn seiner Reise kopfüber vor einem Fenster des Architekturbüros Wilfried Schunk und schaute Architektin Claudia Krause offenbar sehr interessiert bei ihrer Arbeit zu. So gebannt war das Tier, dass ihre Kollegin Yvonne Bednarek das Tier an sich nehmen konnte. „Ich hatte auch mal kleine Papageien”, sagt sie, daher kennt sie den Trick, wie man sie packt: Mit einem Fuß auf den Finger locken, dann mit der Hand die Füße umgreifen.

Büro erkundet

Nachdem Fenster und Bürotür verschlossen waren, blieb Albert Zeit, über Bürotische zu wandern und sich neugierig die Schüsseln und Drucker anzuschauen. „Er versuchte sogar, Wasser aus einer Kaffeetasse zu trinken”, sagt Firmenchef Wilfried Schunk. Weil Albert einen Ring mit Erkennungsnummer trug, ging alles schnell.

Ein paar Telefonate - und Besitzerin Melanie Wissler konnte sich freuen: „Das Tierheim Aachen rief an und sagte mir, dass er gefunden worden ist. Ich war einfach nur überglücklich, ein unglaubliches Gefühl.” Wieder daheim, hat Albert erstmal ordentlich gefressen, viel getrunken und dann ziemlich lange geschlafen. Melanie Wissler: „Man hat schon gemerkt, dass er richtig erschöpft war.” Zu müde war er wohl auch, um zu sprechen. Von den gut 140 Wörtern, mit denen er die Familie bisher erfreut hatte, sagte er nämlich erstmal kein einziges mehr.

Als er dann wieder begann, Telefonate zu imitieren - wobei er gar nicht krächzend klingt, sondern eher wie ein kleines Mädchen - wusste die Familie: Jetzt ist er wieder richtig angekommen. So soll es bleiben. Die Tür zum Garten steht nicht mehr offen. Damit Albert nicht eines Tages wieder auf die Idee kommt, ein „Ferngespräch” führen zu wollen.
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