Grabkammern sollen bei Starkregen das Wasser abhalten

Von: Karl Stüber
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Noch vor kurzem eher ein See mit reichlich Treibgut: Jetzt wird an der Leichenhalle des Mariadorfer Friedhofs eine Drainage installiert, von der aus Oberflächenwasser (Regen) in den Kanal der Feldstraße geleitet werden soll. Foto: Karl Stüber
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Schwieriger Grabaushub: Teilweise müssen Spundwände aufwendig gesetzt werden, damit beim Ausheben von Gräbern – wie hier auf dem Nordfriedhof – die Erde nicht nachrutscht. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Friedhöfe stehen für Trauer, Stille, Frieden, letzte Ruhestätte. In Alsdorf ist das leider anders. Im Zuge der schlimmen Regenfälle in der letzten Zeit sind die (offensichtlichen) Missstände dort erneut „hochgekocht“. Vor allem auf dem Friedhof in Mariadorf mussten Angehörige schon Gummistiefel anziehen, wollten sie die Gräber ihrer Verstorbenen aufsuchen.

Es gab und gibt heftige Kritik aus Reihen der Bürgerschaft an der Stadt Alsdorf. Das Thema war bereits 2012 und 2013 zum Politikum geworden. Jetzt endlich hat die Friedhofskommission (besetzt aus Vertretern der Parteien, der Verwaltung bzw. Fachleuten) in ihrer jüngsten Zusammenkunft beschlossen, dem Hauptausschuss des Stadtrates mehrere Maßnahmen zu empfehlen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung berichtete Erster Beigeordneter Ralf Kahlen. Demnach sollen auf den besonders betroffenen Friedhöfen Nord und Mariadorf alle Hauptwege neu angelegt werden. Das heißt: Diese werden ausgekoffert und neu mit wasserdurchlässigem Material aufgefüllt. Obenauf wird Split liegen. Die Idee, die Hauptwege zu asphaltieren, wurde laut Kahlen verworfen, weil es bei starkem Regen ansonsten mit dem von dieser versiegelten Fläche ins Umfeld abfließenden Niederschlagswasser Probleme gegeben hätte. Kahlen sagte: „Die Kosten müssen auf die Gebühren umgelegt werden.“

Aber: Da es sich nicht um eine bloße Reparatur, sondern Neuanlage handle, können die Aufwendungen auf 20 Jahre verteilt werden. Pro Jahr seien so 40.000 Euro rechnerisch an Mehr zu berücksichtigen bzw. abzuschreiben. Ausgehend von bislang knapp 800.000 Euro, die jährlich der GSG GS für die Betreuung der Friedhöfe zur Verfügung gestellt werden, gehe es um ein Mehr von fünf Prozent pro Jahr.

Drainagering an Leichenhalle

Zudem sollen auf weiteren Friedhöfen Hauptwege teilweise ausgebessert werden. Reparaturen müssten jedoch umgehend in die Gebührenberechnung des darauffolgenden Jahres einfließen und könnten nicht auf einen längeren Zeitraum verteilt werden.

Weiterhin soll auf den Nordfriedhof eine neue Bestattungstechnik angeboten werden. Kahlen sprach von einem Feld von 50 bis 80 Gräbern. Dort soll ein so genanntes Grabkammersystem angelegt werden. Salopp formuliert, handelt es sich dabei um eine in die Erde betonierte große „Kompostierungsanlage“ für Verstorbene. Nach 15 Jahren – so die von Alsdorf anvisierte „Liegezeit“ – sind in der Regel die sterblichen Überreste verwest. „Dann können die Grabkammern erneut verwendet werden“, sagte Kahlen.

Der Erste Beigeordnete sprach aber vorsichtig erst einmal von „versuchsweise“. Es hänge davon ab, wie die Bevölkerung auf dieses Angebot reagieren wird. Möglicherweise ist eine Belegung von nur 15 Jahren manchem Hinterbliebenen eine zu kurze Zeit. Zudem dürfte diese Form der Belegung gerade bei Ehepartnern bzw. Lebensgemeinschaften Skepsis hervorrufen. „Gebührentechnisch“ sollte das Angebot jedenfalls auf Grund der kürzeren Liegezeit und der anschließende Neubelegung nicht teurer als herkömmliche Bestattungen werden – möglicherweise sogar preiswerter.

Des weiteren wird nun nach Sitzung der Friedhofskommission im Umfeld der bereits sanierten Leichenhalle auf dem Mariadorfer Friedhof ein Drainagering zur Entwässerung angelegt. Das so gesammelte Wasser soll per Stichkanal dem Hauptabwasserkanal unter der angrenzenden Feldstraße zugeführt werden.

Bei diesen Beschlüssen sollte es aber nicht bleiben. Die Bevölkerung erwartet mehr, und Verwaltung sowie Stadtrat hatten auch mehr in Aussicht gestellt. Wir erinnern uns: Im Jahre 2012 hatte es immer mehr Alsdorfer Bürgern gereicht. So geht das nicht weiter, teilten sie auch unserer Zeitung mit. Der Zustand der Friedhöfe, vor allem der im Norden Alsdorfs und der in Mariadorf, war nicht mehr akzeptabel. Die Lokalredaktion rollte das Thema in all’ seinen Facetten auf, auch im vergangenen Jahr – und bis heute. Die Stadt, also Bürgermeister Alfred Sonders (SPD) und der Stadtrat, reagierten nach einigem Hin und Her. Der „Wartungsvertrag“ wurde der Privatwirtschaft entzogen und der stadteigenen GSG Grund- und Standentwicklung GmbH übertragen. Und die machte sich flott daran, erhebliche Pflegedefizite aufzuarbeiten und die schlimmsten Schäden zu reparieren.

Es gab eine Rüge

Die Bevölkerung dankte es der Gesellschaft und den GSG-Mitarbeitern. Seitens des „Chefs“, also der Stadt Alsdorf, gab es aber ein paar auf die Finger: Wenn sich Mehrkosten abzeichnen, sollen die gefälligst dem Gesellschafter vorher angezeigt werden, um genehmigt zu werden! Der Grund für die Rüge: Die Kosten für die Pflege und das gesetzeskonforme Herrichten der Friedhöfe liefen davon. Innerhalb von anderthalb Jahren wurden von der GSG GS rund 525.000 Euro mehr ausgegeben, als die Stadt der Gesellschaft an Kostenerstattung zugestanden hatte. Die Stadt musste Geld nachschießen, die – da nicht vorher angezeigt – nicht mehr nachträglich per Gebühr auf die Bürgerschaft umgelegt werden konnte.

Hydrologische Gutachten

Aber: Zugleich wollte die Kommune in enger Kooperation mit der GSG GS „die Kosten in den Griff bekommen und zugleich für einen guten (Pflege-)Zustand der Friedhöfe und der Leichenhallen sorgen. Dazu sollen jetzt eine entsprechende Konzeption und ein Friedhofsentwicklungsplan aufgestellt werden.“ So berichtete unsere Zeitung im Oktober 2013 über eine Sitzung des Stadtrates. Die Rede war von hydrologischen Gutachten, welche die Grundlage für eine fachgerechte Sanierung schaffen sollten, um vor allem die Entwässerungsproblematik in den Griff zu bekommen.

Der Anlass: Es war festgestellt worden, dass auf Grund der Bodenbeschaffenheit die Leichen nicht angemessen verwesten. Das Ergebnis: Wachsleichen! Für die Angehörigen beileibe kein tröstender Gedanke. Das Gelöbnis des Stadtrates von 2013 besagte noch mehr: Eine Friedhofskommission sollte sich des Themas schnell und nachhaltig annehmen – eigentlich. Aber zwischenzeitlich wurde der Gutachter krank, und die Kommunalwahlen kamen ebenfalls dazwischen. Nun hat sie wieder die Arbeit aufgenommen.

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