Golfplatz macht vor der Grenze Halt: Neuer Plan sorgt für Unmut

Von: Beatrix Oprée
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Neben der Heyendallaan, wo heute Kühe grasen, ist Loch 9 vorgesehen: Die Grüns sollen auf Landwirtschaftsflächen entstehen. Montage: H. Thomas
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In diesen Nebengebäuden der Abtei soll das Clubhaus eingerichtet werden: Zurzeit ist hier eine Kunstinitiative beheimatet. Foto: B. Oprée
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Fred Sochacki

Kerkrade. Bruno Barth (SPD) ist not amused: Der rund um den Abteikomplex Rolduc herum geplante Golfplatz soll nun nicht mehr, wie ursprünglich vorgesehen, auch ein Eckchen (2,3 Hektar) deutsches Land umfassen, sondern komplett auf Kerkrader Grund und Boden entstehen.

„Eine Unverschämtheit“, schimpft Barth: Offenbar solle eine verbindliche Beteiligung der Herzogenrather Seite samt Umweltverträglichkeitsprüfung umgangen werden. Grundsätzlich befürchtet er, dass für das Golfprojekt ein Teil des Waldes geopfert werde, was auch Einschränkungen für Spaziergänger im rege genutzten Naherholungsgebiet mit sich bringe.

Dass die Planänderung in der jüngsten Eurode-Zweckverbandsversammlung nicht erwähnt worden sei, er vielmehr am Rande davon erfahren habe, ärgert den Politiker und darüber hinaus unmittelbar Betroffenen. Die Anwohner auf deutscher Seite würden vor vollendete Tatsachen gestellt: „Das soll Eurode sein?“

Ein wenig mehr eurodiale Kommunikation hätte sich auch Dr. Bernd Fasel gewünscht, Fraktionschef der Grünen: Infos über das Projekt flössen nur tröpfchenweise. Grundsätzlich hätte er gegen einen Golfplatz nichts einzuwenden, allerdings, so mahnt er, sei abzuklären, ob nicht etwa Herbizide eingesetzt würden. Zudem stelle sich die Frage, inwieweit die Landschaft verändert werde. Und ob der Platz nicht etwa nur einem elitären Publikum zugänglich sei.

Fred Sochacki von der Stiftung „Le Golf de Rode le Duc“ schüttelt da nur den Kopf: „Es soll ein Platz für jedermann werden“, betont der Mitinitiator der Golfplatz-Pläne beim Ortstermin mit unserer Zeitung. Kein Club mit hohen Gebühren oder gar vererbten Mitgliedschaften also. Genauso wenig wie ein flächendeckend homogen grüner Grasteppich mit Sandlöchern. Golfspieler, so legt er dar, bewegen sich gerne in der freien Natur und seien deswegen auch am Erhalt derselben interessiert.

Unzählige Male schon hat Sochacki die Felder und Wege der in Rede stehenden rund 60 Hektar Land abgeschritten, jeden Baum, jede Fläche begutachtet und vor seinem geistigen Auge einen Parcours geformt. Nur rund 20 Hektar sollen Abschläge, Fairways (kurz gemähter Bereich einer Spielbahn zwischen Abschlag und Zielbereich mit Loch, dem Grün) und Grüns umfassen.

Da der Großteil der in Rede stehenden Restflächen zurzeit aus Ackerland besteht, stellt Sochacki selbstbewusst fest: „Auf 40 Hektar entsteht neue Natur.“ Wobei die Waldbestände unangetastet bleiben sollen, wo nötig aus Sicherheitsgründen allenfalls ein abgestorbener Baum entnommen werde, damit niemand durch Totholz gefährdet werden könne.

Angesichts der momentanen unkrautfreien landwirtschaftlichen Monokultur ergänzt er: „Es leuchtet ein, dass ein Golfplatz, dessen Fairways mit natürlich wachsenden Gräsern, Sträuchern und Bäumen bepflanzt sind, viel wertvoller ist als ein Maisfeld.“ Die Erkenntnis, dass Golfplätze heutzutage erheblich umweltfreundlicher sind, als man gemeinhin denken mag, sei mit der Grund dafür, dass es in den Niederlanden keiner Umweltverträglichkeitsprüfung mehr für solch ein Projekt bedarf, sagt Sochacki.

Er betont auch, mit dem örtlichen Umweltverband in gutem Einvernehmen zu sein, vor allem, da sich in großen Teilen des Terrains die Natur völlig frei werde entfalten können und so seltenen Arten der Fauna und Flora Raum biete. Der Einsatz von Pestiziden sei deswegen gar kein Thema.

Das Grundwasser solle zudem durch die Anlage eines großflächigen Teichs am Fuße des Hanges zur Grensstraat hin geschont werden. Womit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden könnten. Sochacki: „Wir vermuten hier größere Sandvorkommen, die wir herausholen wollen, um den lehmhaltigen Boden auf den 20 Hektar Fairways zu durchmischen und somit luft- und wasserdurchlässiger zu machen.“

Das bewahrt den Boden vor Verdichtung, schont folglich den Rasen und macht den Platz fast ganzjährig bespielbar. Das Wasser, das sich via Drainage in besagtem Teich sammelt, soll wiederum hochgepumpt werden, um die Grünflächen zu bewässern. „Wir versuchen, eine geschlossene Wasserbilanz hinzubekommen.“

Über zehn Jahre dauert der Versuch bereits an, Abschlag, Bunker und Holes rund um Rolduc zu etablieren. Für Sochacki fast eine Lebensaufgabe. Wobei es gar nicht ums Golfspielen per se gehe, vielmehr darum, der historischen Abtei eine wichtige Existenzgrundlage zu verschaffen: „Rolduc besteht seit 900 Jahren. Wir sind nur kurz auf der Erde und sehen es deswegen als unsere Aufgabe an, dieses kulturelle Erbe zu bewahren – und hoffen, dass es die Menschen nach uns ebenfalls tun“, spricht Sochacki auch für seine Mitstreiter in der Stiftung.

Das große Potenzial an Golfspielern in der Grenzregion sei ausschlaggebend für die Idee gewesen, eine 18-Loch-Anlage zu bauen. „Alleine in Kerkrade, Herzogenrath und Umland leben rund 100.000 Einwohner, von denen statistisch 0,5 bis 0,75 Prozent Golf spielen. Das macht rund 500 potenzielle Gäste.“

Eine Rechnung, in der das Oberzentrum Aachen und der Rest der Städteregion noch nicht enthalten seien. Dem stünden zurzeit nur vier adäquate Golfplätze im Dreiländereck gegenüber. Beachtliches Potenzial berge auch die Entwicklung des RWTH-Campus mit avisierten 10.000 Arbeitsplätzen.

Auch Kerkrade arbeite zurzeit daran, ein attraktiver Wohnstandort zu sein, mit wichtigen weichen Standortfaktoren in den Bereichen Kultur, Bildung, Freizeit und Sport. „Wir möchten mit unserem Golfplatz ein Teil davon sein“, sagt Sochacki. Ein Beitrag zum Aufschwung, der im Rathaus sehr wohl goutiert werde.

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