„Goedendag”-Besuchsprojekt fördert grenzenlose Freundschaft

Von: Stefan Schaum
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Völkerverständigung fängt b
Völkerverständigung fängt bei den Kleinsten an: Freude am gemeinsamen Lernen und Spielen haben diese Vorschulkinder aus Eurode. Foto: Stefan Schaum

Eurode. Freundschaft kann bei einem Eimer Sand und einem Schäufelchen beginnen. Oder beim Spielen mit ein paar Bauklötzen. Viele Worte braucht es hingegen nicht, wenn Kinder sich begegnen.

Sprachbarrieren werden von den Knirpsen locker weggefegt. Deshalb haben die Städte Herzogenrath und Kerkrade auf dem Weg zum grenzenlosen Miteinander jetzt den Blick auf die Jüngsten gelegt und ein besonderes Projekt in die Kindergärten hineingetragen.

„Goedendag” heißt das Projekt für Vorschulkinder, „Guten Tag”. Jeweils zwei Kitas auf deutscher und niederländischer Seite pflegen dabei seit November einen regen Austausch. Einmal pro Monat fahren je fünf Kinder aus dem Familienzentrum Villa Kunterbunt und der katholischen Kita St. Mariä Heimsuchung nach Kerkrade. Dort sind sie für einen Vormittag zu Gast in den Kindertagesstätten „Woelwaters” und „Steltloper”. Zur selben Zeit spielen je fünf Kinder von dort in den beiden Einrichtungen in Herzogenrath.

Kleiner Grenzverkehr

Dieser kleine Grenzverkehr ist ein großer Erfolg. „Die Kinder können ganz spielerisch in die Sprache und die Kultur der Kinder aus dem Nachbarland eintauchen”, sagt Silke Peters-Grudda, stellvertretende Leiterin der Kita St. Mariä Heimsuchung. Und zwar nicht bloß die Kinder, die am Projekt teilnehmen. „Die kleinen Besucher bringen insgesamt einen frischen Wind in die Einrichtungen. Alle Kinder sind immer ganz neugierig, wenn sie kommen.” Und kleine „Souvenirs” haben die Kinder automatisch im Gepäck: Lieder, Abzählreime, kleine Gedichte. Mit Wörtern in ihrer Sprache, deren Klang die anderen Kinder somit ganz nebenbei kennenlernen können.

Systeme sind unterschiedlich

Spracherwerb ist dabei nicht einmal das Ziel des Projektes, das von den Jugendämtern der beiden Gemeinden, der Kitas und der Stichting „Kinderopvang Kerkrade” realisiert wurde. Es geht einfach um ein Kennenlernen. Um das Entdecken der Unterschiede und der Gemeinsamkeiten. Um das Entstehen des Miteinanders.

Nicht nur für die Kinder ist das neu. Denn auch die Erzieherinnen entdecken derzeit so einiges. „Die Systeme in den Kindertagesstätten sind schon unterschiedlich”, sagt Sylvia Nogayski, Erzieherin in der Villa Kunterbunt. Da staunen die Fachkräfte beizeiten. Die Deutschen etwa darüber, dass es in den Niederlanden viel mehr Kapazitäten für die Betreuung Unter Dreijähriger gibt, längere tägliche Betreuungszeiten - und ganz allgemein mehr Personal für kleinere Gruppen.

Andererseits finden es die Besucherinnen aus Kerkrade erstaunlich, „wie viel Freiräume die Kinder in Deutschland haben, um sich zu entfalten”, sagt Sily Pelzer, Erzieherin in der Kita „Woelwaters”. Im Gegensatz zu den niederländischen Einrichtungen, die eher Vorschulen ähneln und in denen die frühkindliche Bildung stärker im Fokus ist, „ist der Tagesablauf in Deutschland viel flexibler, das gefällt mir gut”.

So tauschen sich nicht bloß die Kinder munter aus. „Beide Systeme haben ihre Berechtigung”, sagt Bernd Krott, Jugendamtsleiter in Roda. Doch wer weiß: Vielleicht bildet sich durch die Besuche auch eine Schnittmenge? Die Nachfrage ist jedenfalls groß. Je zwei Kitas in beiden Städten sollen bald zum Projekt stoßen, das aus Einnahmen der Eurodetickets des Zweckverbands Eurode finanziert wird.

Besonderes Wiedersehen

Jüngst gab es ein besonderes Wiedersehen. Auf dem Spielplatz Beerenbos in Kerkrade haben sich alle Projektkinder mit ihren jeweiligen Kita-Gruppen getroffen. Haben sich munter in ihren jeweiligen Landessprachen begrüßt und dann einfach losgelegt. Beim spielerischen Beginn eines grenzenlosen Miteinanders.
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