Giftköder: Hundebesitzer treibt Angst um

Von: Stefan Schaum
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Glücklich, dass Dalmatiner „Lucky“ noch da ist: David Rosen musste um das Leben des Familien-Hundes fürchten. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Ob sein Name ein gutes Omen ist? Passend ist er allemal. Denn Dalmatiner „Lucky“ hat eine Riesenportion Glück gehabt. Der Hund der Familie Rosen ist noch mal mit seinem Leben davongekommen. Zwei Tiere aus der Nachbarschaft der Rosens nicht.

Sie sind gestorben – nach qualvollen Tagen. Verendet sind die Hunde offenbar an Giftködern, die Unbekannte am Straßenrand in Loverich-Floverich und an den Feldwegen nach Setterich auslegt haben. Kaum ein Tag vergeht seit einer Woche, ohne dass jemand beim Gassigehen verdächtige Kügelchen am Wegesrand entdeckt und Freunde alarmiert. Entsprechend groß ist nun die Angst im Dorf.

„Micky“ war das erste Opfer. Der Rauhaardackel wurde acht Jahre alt. Ein gerahmtes Bild von ihm hat Margret Beckers auf die Kommode im Wohnzimmer gestellt. „Ich brauch‘ das jetzt“, sagt die 67-Jährige, „ich muss ihn noch sehen können“. Sie kann es immer noch nicht fassen, dass ihr kleiner Liebling nicht mehr da ist. Nein, sagt sie, sie habe nicht gemerkt, dass der Hund unterwegs etwas gefressen hat. Abends war sie noch mal kurz mit „Micky“ raus, bloß ein paar Meter die Josefstraße rauf und runter.

Und am nächsten Morgen lag er dann da, „ganz teilnahmslos, der war komplett verändert“. Hatte ihr Tierarzt zu Beginn auf eine Infektion getippt, zeigten sich schon bald dunkelrote Flecken auf der Haut des Tieres, die rasch größer wurden. Zwei Tage später war es ganz entkräftet, bloß noch ein Hauch. „Ich war dann noch mal mit ihm beim Arzt und habe beschlossen, sein Leiden zu beenden“, sagt die Frau und schaut dann weg. Es fällt ihr schwer, das auszusprechen.

Es war eine Erlösung

Die Spritze, die das Tier erlösen sollte, war nicht mal richtig in der Vene drin, als „Micky“ bereits tot war. „So schwach war er“, erinnert sich Margret Beckers an die Worte des Arztes. Der habe auf Rattengift getippt. „Mit Sicherheit wurde er vergiftet.“ Anzeige hat sie nicht erstattet. Sie zuckt die Schultern. „Das bringt mir meinen Hund doch auch nicht zurück. . .“

Sven Rosen hat die Giftkörner selbst gesehen, denn die hat sein Dalmatiner erbrochen. Seine Schwiegermutter war zuvor mit dem Tier unterwegs. Als sie nach Haus kam, sagte sie, dass „Lucky“ in ein Käsebrot gebissen hat, das am Boden lag. Sven Rosen war alarmiert. Er wusste von „Micky“ und einem weiteren toten Hund – und sprang sofort mit seinem Tier ins Auto. Ein Arzt hat ihm den Magen ausgepumpt, gerade noch rechtzeitig.

„Eine Scheißwut“ hat der Stuckateurmeister jetzt im Bauch. Dass offenbar jemand hingegangen ist, und Giftkörner in einen für Hunde verlockenden Leckerbissen gelegt hat? Da fehlen ihm glatt die Worte. „Die nächsten Tage sind Garten angesagt“, sagt er, „Lucky“ soll vorerst nicht mehr auf die Straße.

Hilft ein Maulkorb?

Auch Iris Freialdenhoven hat jetzt immer ein mulmiges Gefühl, wenn sie mit ihrem Jack-Russell-Terrier vor die Tür geht. Auf die Feldwege traut sie sich mit „Alfie“ schon gar nicht mehr. Bekannte legen ihrem Hund bereits einen Maulkorb an, sagt sie. Damit er unterwegs nur ja nichts fressen kann. Erst vor zwei Tagen wurden rosafarbene Körner vor einer Scheune entdeckt, die Fundorte häufen sich. Wer auch immer da streut, scheint seinen Hass auf Tiere großflächig verteilen zu wollen. Kann man sich davor überhaupt schützen?

„Nein“, sagt der Baesweiler Tierarzt Andreas Bücken. Höchstens, indem man seinen Hund zu jeder Minute angeleint und einfach immer Blick hat. Das ist kaum machbar. Er selbst lasse seinen Hund ja auch gern frei laufen. „Passieren kann da leider immer was.“ Zwar ließen sich viele Vergiftungen selbst nach ein, zwei Tagen noch erfolgreich behandeln – bei Rattengift hilft etwa Vitamin K – doch muss der Arzt dazu wissen, was das Tier überhaupt gefressen hat. „Das ist leider ganz schwierig“, sagt der Mediziner. „Diese Giftköder sind einfach eine hinterhältige, furchtbare Sache!“

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