Baesweiler - Gift in Erde: Baustopp am Feuerwehrturm

Gift in Erde: Baustopp am Feuerwehrturm

Von: Stefan Schaum
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Still ruht der See, beziehungsweise: die Pfützen. Nichts geht mehr auf der Großbaustelle Am Feuerwehrturm. Denn hinterm Flatterband lagert belastetes Material. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Die Arbeit ruht. Kein Mensch hantiert derzeit in der Baugrube am Feuerwehrturm, wo eigentlich mit Volldampf der Wohn- und Einkaufskomplex vorangebracht werden soll. Bloß neben dem Zaun tut sich am Mittwoch noch was.

Dort wird das Festzelt für die Karnevalstage errichtet. Ist freilich eine ganz andere Baustelle. Dass es mit dem Großprojekt für die City nicht weitergeht, liegt an dem, was sich jüngst bei Erdarbeiten fand. Dass dort womöglich noch einige Reste des 1971 geschlossenen Freibades schlummern, war bekannt. Dass diese Reste giftig sind, allerdings nicht.

Belastet ist nicht der komplette Beton, der mal die Umrandung des Schwimmbeckens war. Aber dessen Aufstrich hat es in sich. Über die abdichtende Farbschicht wurde eine spezielle hellblaue Farbe aufgetragen, die damals durchaus üblich war in solchen Bädern. Die gab dem Wasser ein besonders sattes Blau. Dass die in der Farbe darin enthaltenen Polychlorierten Biphenyle (PCB) gesundheitsgefährdend sind, war seinerzeit nicht bekannt. Heute weiß man mehr. PCB gelten als langlebige Umweltschadstoffe, die sich im Körper anreichern können. Beim Menschen können sie wahrscheinlich Krebs hervorrufen. Eine toxische Hinterlassenschaft also, die nun große Probleme bedeutet.

Dass man von diesem nicht unerheblichen Detail in keinster Weise geahnt habe, sagt auf Anfrage unserer Zeitung Baesweilers Bürgermeister Dr. Willi Linkens. In der Sache wolle man aber mit komplett offenen Karten spielen, auch dem Investor gegenüber, der das Gelände im November gekauft und damit nicht zuletzt den Haushalt im vergangenen Jahr „saniert“ hatte.

„Es ist klar, dass uns das total ärgert“, sagt Linkens. Zwar habe man den Investor – die „List + Wilbers“ Projektentwicklungsgesellschaft aus Nordhorn – darauf hingewiesen, dass es an der Stelle das Freiband und einen Aschenplatz gegeben hatte. Und der Käufer habe zudem Gelegenheit gehabt, das Grundstück vorm Kauf gründlich zu untersuchen. Doch ob er dabei je auf die Farbe gestoßen wäre? Fraglich. Zumal diese nicht mehr an allen Stellen auf der Umrandung gleichmäßig zu finden ist.

Ungefähr ein Meter der Umrandung wurde bei der Schließung des Bades von oben abgetragen, der Beton wurde offenbar ins Becken geworfen. Dann wurde alles mit Erdreich aufgefüllt und abgedeckt.

1800 Tonnen Sondermüll?

Nun ist alles Sondermüll und es gibt genau zwei Möglichkeiten: Entweder entsorgt man gut 1800 Tonnen Beton als Sondermüll, was horrende Kosten bedeuten würde, oder man kratzt die Farbschicht großflächig ab, entsorgt nur die – und bringt den Restbeton zerkleinert unters neue Fundament. Diese Lösung sei kurzfristig bereits mit dem Umweltamt der Städteregion Aachen abgestimmt. Auch die Preisermittlung läuft. In der Hoffnung, dass sie günstiger ausfällt. Wie hoch die Kosten sind, und vor allem, wer sie trägt, bleibt vorerst offen. „Wir sind in Gesprächen mit dem Investor, der natürlich nicht glücklich darüber ist“, sagt Linkens.

Eine Anfrage unserer Zeitung blieb am Mittwoch seitens des Investors unbeantwortet. Im Rathaus hofft man, sich gut einigen zu können. Sollte die Stadt zahlen müssen, wird sich zeigen, welche Auswirkung die Summe nachträglich auf den Verkaufserlös – und den Haushalt – hat. Dass es Zeit kostet, steht fest. Noch ist keine Firma gefunden. Und wenn es eine gibt, wird die reine Entsorgung der Deckschicht gut vier bis sechs Wochen dauern, kalkuliert der Technische Beigeordnete Peter Strauch. Neben der Baustelle kann jetzt ordentlich Karneval gefeiert werden. Laute Musik kann zumindest keinen Arbeiter stören.

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