Gewerbegebiet Merzbrück: Befürchtungen um Flugaktivität

Von: mabie
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Wird die Landebahn verlegt und verlängert? Die zuständige Bezirksregierung Düsseldorf hat sich nach Angaben der Stadt Würselen noch nicht festgelegt. Foto: Markus Bienwald
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Zwei Varianten zur Gebietsentwicklung wurden vorgestellt: ohne (oben) und mit der Verlegung und dem Neubau der Start- und Landebahn. Foto: Markus Bienwalde

Würselen/Eschweiler. Eigentlich sollte es bei der ersten Bürgerinformation zum geplanten neuen Würselener Gewerbegebiet auf dem Areal des jetzigen Flugplatzes Merzbrück nur um die Gewerbeflächen gehen. Würselens Technischer Beigeordneter Till von Hoegen wollte denjenigen unter den gut 70 Anwesenden, die wegen der im Raum stehenden Verlegung der Start- und Landebahn gekommen waren, gleich den Wind aus den Segeln nehmen.

„Wir können zum Thema Start-Landebahn nichts sagen“, sagte er zu Beginn der Versammlung in der Aula der Grundschule Broichweiden am Dienstagabend. Doch letztlich ließen sich die Interessierten unter den Gästen damit nicht so einfach abspeisen, denn für sie gehören die von der Verwaltung bewusst getrennten Themen „Ausbau des Gewerbegebietes“ und „Verlegung der Start- und Landebahn“ zusammen.

Warum die Verwaltung das Ganze trennte, wurde beim Blick auf die Verfahrenslage deutlich. So ist die Ausweisung des Gewerbegebietes und die Umsetzung eines festzulegenden Flächennutzungsplanes eine Sache der Kommune. Die Frage, ob und wann die aktuell rund 560 Meter lange Bahn etwas weiter südlich auf dem bisherigen Gelände neu gebaut und auf eine Länge von gut 1200 Metern ausgebaut wird, ist hingegen eine Angelegenheit der Bezirksregierung Düsseldorf als zuständige Aufsichtsbehörde.

Den Planungsstand in Sachen Start- und Landebahn konnten und wollten die Vertreter der Stadt Würselen nicht wiedergeben. Sie sprachen von zu wenig Input seitens der Bezirksregierung, von unklaren Zeitplänen und von der Möglichkeit, dass die Landebahn weiterhin wie gehabt angeordnet sein könnte. Darum habe die Stadt ihrerseits gleich zwei Varianten eines auszuweisenden Gewerbegebietes Merzbrück entwickelt.
Sollte die Verlegung nicht kommen, wird ein Areal von etwa 14 Hektar Fläche für die Gewerbeansiedlungen zur Verfügung stehen.

Bleibt die Bahn an Ort und Stelle, müssen auf dem Areal bei Grundstücksgrößen zwischen 3000 und 60.000 Quadratmetern und explizit nicht zentrenrelevantem Handel, sondern Gewerbe mit wenig Emissionen, die Gebäudehöhen gestaffelt zum Flugfeld hin auf maximal 15 bis fünf Meter begrenzt sein, um den Vorschriften in Sachen Nähe zum Flugbetrieb zu genügen.

Satte fünf Hektar mehr durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW) vermarktbare Gewerbeflächen bei ähnlichen Grundstücksgrößen, aber weniger Einschränkungen bei der Gebäudehöhe, würde Variante zwei bei einem Neubau der Landebahn mit sich bringen. Die Erschließungsstraßen werden für beide Varianten gleich geplant, sollen das Gewerbegebiet über den heute schon existierenden, aber dann zu erweiternden Anschluss und die Osttangente anbinden. Sollte Variante eins zum Tragen kommen, wird lediglich die Straßenführung angepasst.

Dreh- und Angelpunkt der Diskussion um die Planvorstellung war neben der Frage, ob es Frachtflugverkehr geben wird, auch die Fragestellung, ob eine neue Gewerbefläche in der Düvelstadt wirklich notwendig ist. Hier gab es eine eindeutige Auskunft von SEW-Geschäftsführer Manfred Zitzen. Er berichtete von aktuell noch fünf Hektar zu entwickelnden Gewerbeflächen am Aachener Kreuz, von denen allerdings schon ein paar Flächen mit Optionen versehen seien. Angesichts von maximal zwei Hektar wirklich freier Flächen, sah Zitzen ohne die Entwicklung neuer Gewerbeflächen eine Durststrecke am Horizont aufziehen. „Ich möchte den Interessenten nicht sagen müssen: ‚Geht woanders hin‘“, betonte er.

Die Flächen bei Merzbrück wären aus Sicht der SEW ideal, und hätten durch die verkehrliche Anbindung am Aachener Kreuz hohes Vermarktungspotenzial.

In Sachen Frachtflugverkehr wollte keiner der Offiziellen etwas bestätigen, doch Beigeordneter von Hoegen sprach angesichts der auch nach einem Neubau eher geringen Tonnagezahl für Flugzeuge von Merzbrück aus von „vollkommen unattraktiven“ Rahmenbedingungen für Frachtverkehr. Aufgekommen war das Thema auch durch die räumliche Nähe zum Verteilzentrum von DHL am Aachener Kreuz. Eine für eventuelle Frachtflieger interessante Nachtflugerlaubnis sei zudem nach jetziger Lage nicht vorgesehen. Was aber deutlich sei, ist, dass der Neubau der Start- und Landebahn etwas weiter südlich auf dem Gelände Vorteile mit sich bringe, wenn es um Mindestabstände beispielsweise zu einer eventuell künftig elektrifizierten Regionalbahnstrecke oder zur Gewerbebebauung gehe.

Bedenken, dass sich ein großer Flugzeugkonzern oder gar Triebwerkshersteller hier zum Testen niederlassen könnten, wurden an diesem Abend zwar nicht zerstreut, aber von Verwaltungsseite als unbegründet angesehen. Vielmehr soll das Gewerbegebiet, beispielsweise auch mit einer kleinen Ansiedlung der RWTH Aachen, auch die Nähe zum Campus nutzen.

Einen anderen Zungenschlag bei der möglichen Startbahnverlegung brachte Hans Rader aus Verlautenheide noch ein. Er nannte die Argumentationen der Verwaltungsspitze eine „Nebelkerze“, und befürchtete, dass sich bei einem Neubau der Bahn die Flugplatzrunde verändere und über den Ortskern von Verlautenheide führen könnte.

Damit fügte er der grundsätzlichen Skepsis der anwesenden Bürger über das künftige Antlitz des Flugplatzareals noch einen weiteren Punkt bei, denn für die Anwohner und Interessierten bleibt die Mischung aus Gewerbegebiet und Flugplatz-Umgestaltung ein Thema, dass sich nicht ohne weiteres auf zwei Zuständigkeiten verteilen lässt, sondern eine klare Linie mit klaren Aussagen fordert.


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