Alsdorf - Gesundheitskarte: Stadt Alsdorf und AOK ziehen positive Bilanz

Gesundheitskarte: Stadt Alsdorf und AOK ziehen positive Bilanz

Von: Verena Müller
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Auch der Wechsel zum Facharzt ist jetzt leichter: Flüchtlinge in Alsdorf müssen dank Gesundheitskarte nicht mehr den Umweg über das Sozialamt machen. Foto: Imago/Westend
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Gesundheitskarte für Flüchtlinge: Alsdorfs Sozialamtsleiter Wolfgang Schleibach zieht ein positives Fazit. Foto: vm

Alsdorf. Die Ergebnisse zu den ersten beiden Quartalen seit Ausgabe der Gesundheitskarte an Flüchtlinge liegen vor, und Wolfgang Schleibach, Alsdorfs Sozialamtsleiter, sagt, dass er „mit dem Ergebnis unter dem Strich zufrieden“ ist. Aktuell sind 551 Flüchtlinge, die in Alsdorf untergebracht sind, mit einer Gesundheitskarte der AOK ausgestattet.

Finanziell sei keine Verschlechterung im Vergleich zum letzten Quartal 2015 eingetreten, möglicherweise sogar eine leichte Verbesserung. Aber da ist Schleibach vorsichtig. Schließlich schwanke die Flüchtlingszahl. Nicht nur aufgrund der Zuweisungen, sondern auch, „weil uns erfreulicherweise immer wieder positive Nachrichten vom Jobcenter ereilen und die Flüchtlinge in dessen Zuständigkeit wechseln.“ Sprich: Sie sind als Leistungsempfänger bei der Stadt raus, nehmen an Schulungsmaßnahmen teil oder sind anderweitig auf dem Weg ins Berufsleben.

50 oder 100 Flüchtlinge mehr im Quartal würden sich natürlich auswirken. Und: „Ein Krankenhausaufenthalt kann schon mal schnell 30.000 Euro kosten, auch da ist die Statistik schnell schief“, sagte der Sozialamtsleiter auf Nachfrage unserer Zeitung. Aber nicht jeder (neu angekommene) Flüchtling habe Bedarf, einen Arzt aufzusuchen.

Woran er aber überhaupt keine Zweifel hat, ist die Entlastung seiner Sachbearbeiter, die eingetreten ist, und auch die Erleichterung für die Karteninhaber. Die Menschen müssten nicht mehr für jeden Arztwechsel bei der Verwaltung vorstellig werden, das sei ein großer Vorteil.

Die Einführung sei im Großen und Ganzen geräuschlos vonstatten gegangen. „Wir hatten mit deutlich mehr Nachfragen gerechnet, nicht nur von den Flüchtlingen, sondern auch von Apothekern oder Ärzten.“

Auch die AOK ist zufrieden: „Die Anzahl an Nachfragen und der Informationsbedarf der Asylbewerber ist nicht höher als bei anderen Kunden“, resümiert Waldemar Radtke, Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg. „Anfänglich gab es Nachfragen von Ärzten und Krankenhäusern, die sich über die Leistungsansprüche der Karteninhaber und das Abrechnungsverfahren informieren wollten. Mittlerweile hat sich dies jedoch geklärt und das Verfahren läuft auch für die Leistungsanbieter problemlos.“

Für die AOK sei die Karte eine schnelle und unbürokratische Lösung zur Versorgung der Asylbewerber mit notwendigen Gesundheitsleistungen. „Wir begrüßen es sehr, dass sich die Stadt Alsdorf zur Einführung der Gesundheitskarte für Asylbewerber entschieden hat“, so Radtke.

Was die tatsächlichen Kosten anbelangt, konnte die AOK noch keine Angaben machen. Der Grund: Die Abrechnungen erreichen sie zwischen einem halben Jahr und neun Monate nach erbrachter Leistung. Der Weg vom Arzt über die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bis zur Krankenkasse dauere nun mal so lange, das habe mit Herkunft oder Status der Patienten nichts zu tun, ließ die Pressestelle wissen.

Bislang war es vom Ablauf her so, dass die Sozialbehörde Asylbewerbern einen Krankenschein ausgestellt hat, mit dem der Asylbewerber bei einem Arzt vorstellig werden konnte. Der Schein galt für ein Quartal. Wenn ein Arzt eine Überweisung für einen Facharzt ausstellte, war wieder ein Krankenschein nötig.

An der Stelle kam also erneut das Sozialamt als genehmigende Behörde hinzu oder der Medizinische Dienst des Gesundheitsamtes. Ob beispielsweise eine Kur oder eine aufwendige andere Behandlung genehmigt wird, entschied das Amt. Drei bis fünf Verwaltungsschritte waren laut Sozialamt die Regel.

Mit Einführung der Gesundheitskarte werden diejenigen Flüchtlinge, die sich 15 Monate oder länger in Deutschland aufhalten, dem Gesetz nach mit Sozialhilfeempfängern gleichgestellt. Die anderen Nordkreisstädte hatten von der Gesundheitskarte für Flüchtlinge Abstand genommen.

Die Argumentation: Bekäme ein Flüchtling eine Gesundheitskarte, mit der er ohne weitere Genehmigung des Sozialamtes die Ärzte seiner Wahl aufsuchen könne, stelle die Kasse acht Prozent der Leistungssumme, mindestens aber zehn Euro pro Asylbewerber je Monat als Verwaltungskosten in Rechnung. Das führe zu einer Kostenexplosion. Außerdem seien Flüchtlinge mit dem hiesigen Gesundheitssystem überfordert. Zumindest für Alsdorf haben sich diese Befürchtungen – und auch Vorurteile – nicht bewahrheitet.

In den zurückliegenden sechs Wochen waren der Stadt Alsdorf weitere 110 Menschen zugewiesen worden. „Inwieweit sich das auswirkt, können wir erst Anfang Oktober sagen“, sagt Schleibach.

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