Gesucht: Mittelweg für Ross und Reiter

Von: Beatrix Oprée
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„Muss eigentlich weg”: Das H
„Muss eigentlich weg”: Das Hufeisenschild auf Höhe der Theodor-Seipp-Straße weist einen für Reiter „mitnutzbaren Weg” aus. „Es ist gar nicht in Absprache mit der Stadt aufgestellt worden”, erläutert Beigeordneter Ralf Kahlen.

Alsdorf. Sunny beginnt leicht zu tänzeln, als Regina Lanzmich sich ungewohnt tief zur Seite beugt und versucht, mit einer Hand den Drücker am Ampelmast zu erreichen. „Dabei ist sie mit ihren 20 Jahren eine ganz Ruhige”, erklärt die erfahrene Reiterin.

Eine Absteigeprozedur würde die braune Stute so dicht an der stark frequentierten Fahrbahn aber vielleicht noch nervöser machen, meint sie: „Ein Pferd hat man im Sattel einfach am besten im Griff.”

Ort des Geschehens ist die Bundesstraße 57 in Höhe der Einmündung Theodor-Seipp-Straße. Regina Lanzmich ist von Schloss Ottenfeld herübergeritten, den entsprechend ausgeschilderten Wegen folgend, unter anderem über den eigens hergerichteten und im März für Reiter eröffneten ehemaligen Bergbaulehrpfad. Und der mündet rund 70 Meter vor der Ampel auf dem gemeinsamen Fuß- und Radweg. Ein weißes Hufeisen auf schwarzem Grund markiert hier einen für Reiter „mitnutzbaren Wanderweg” - gemäß Paragraph 20a der Durchführungsverordnung (DVO) zum Landschaftsgesetz.

So weit so gut, wenn nicht Susanne Lesmeister, 2. Vorsitzende der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD), einen Antrag gestellt hätte, an besagter Ampel einen zweiten Druckschalter in reitergerechter Höhe zu installieren. Technisch eigentlich kein großer Aufwand, wie letztlich auch die Untere Landschaftsbehörde bestätigte. „Ich unterstütze voll und ganz den Antrag des VFD, da im gesamten Verlauf der B 57 keine Möglichkeit und keine alternative Ampelanlage besteht, die es Reiterinnen und Reitern gefahrlos ermöglicht, über die viel und schnell befahrene B 57 zu gelangen”, heißt es in der entsprechenden Stellungnahme. „Letztendlich ist die Städteregion Aachen als Untere Landschaftsbehörde gem. § 50 LG NRW gehalten, für ein ausreichendes Reitwegenetz zu sorgen, wozu auch solche Querungen von Verkehrswegen gehören”, lautet der ergänzende Hinweis.

Die Stadt Alsdorf hat die Angelegenheit daraufhin geprüft, ebenfalls die Polizei und der Landesbetrieb Straßen NRW als Straßenbaulastträger.

Das Ergebnis ist aus reiterischer Sicht ernüchternd: Denn nicht nur, dass dem Antrag auf einen erhöht angebrachten Schaltknopf nicht entsprochen werden könne, erhalten die Reiter zudem den Hinweis, dass das Teilstück vor der Ampel an der Theodor-Seipp-Straße zu schmal sei, um neben Fußgängern und Radfahrern auch für Reiter freigegeben werden zu können. Selbiges gelte für den gegenüberliegenden Bereich zwischen Ampel und Herrenweg. Die Konsequenz: Reiter müssen hier die Fahrbahn benutzen und sich dabei möglichst rechts halten.

„Viel zu gefährlich”, urteilen Susanne Lesmeister und Regina Lanzmich mit Blick auf den starken Verkehr auf der Bundesstraße 57. Für einen „Schildbürgerstreich” halten sie die Einschätzung der Stadt. Denn zu Fuß neben seinem Pferd hergehen dürfe man auf den in Rede stehenden Teilstrecken, nicht aber oben drauf sitzen ?

„Viel zu gefährlich”, beurteilt auch Ralf Kahlen, Erster Beigeordneter der Stadt Alsdorf, die strikte Anwendung der Straßenverkehrsordnung an dieser Stelle, nämlich als Reiter die Fahrbahn nutzen zu müssen: „Das ist in dem Anschreiben an Frau Lesmeister sicher etwas unglücklich formuliert.”

Er verweist in diesem Kontext aber auch auf die Situationseinschätzung durch den Straßenbaulastträger Straßen NRW: „Bezüglich der gemeinsamen Nutzung des ca. 70 m langen Rad- und Gehweges durch Fußgänger, Radfahrer und Pferde bestehen erhebliche Bedenken.” Und: „Die angedachte Querung der B 57 im Zuge der signalisierten Furt für Fußgänger und Radfahrer unter Berücksichtigung des zeitgleichen ?Grüns für den Nebenast mit aufsitzendem Reiter stößt auf erhebliche Bedenken.”

Will heißen: In Anbetracht dreier Schulen und eines Freizeitressorts samt Tierpark in unmittelbarer Nähe herrscht auf dem Überweg an der Ampel schlichtweg zu viel (Personen)-Verkehr. Kahlen: „Man muss auch davon ausgehen, dass nicht nur geschulte Reiter mit ruhigen Tieren unterwegs sind, sondern vielleicht auch Neulinge. Und wenn ein 600 Kilogramm schweres Pferd scheut und austritt, kann das schwerwiegende Folgen haben. Fußgänger genießen in dieser Situation einen höheren Stellenwert als Pferde, da Letztere hier größeren Schaden anrichten können.”

Die probate Lösung ist für Kahlen demnach: Sobald der Reiterpfad an der B 57 auf den Fußweg mündet, einfach vom Pferd zu steigen und die Fahrbahn zu Fuß zu überqueren. Der Dezernent hat sich ebenfalls in Reiterkreisen kundig gemacht - und seinerseits die Einschätzung erhalten, ein Pferd sei genau so auch am sichersten zu führen.

Und eigentlich, so stellt Ralf Kahlen zudem heraus, sei es bis jetzt an dieser Stelle überhaupt noch nie zu Schwierigkeiten gekommen zwischen Mensch und Pferd.
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