Gestohlene Statue: Neuer Moses wird enthüllt

Von: mabie
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Verhüllt: Noch ist die jüngste Moses-Reinkarnation vor dem Bahnhof in Schutzfolie und simples Packband gehüllt, doch am Samstag fällt der Schutz, und das neue Denkmal wird offiziell übergeben. Foto: Markus Bienwald
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Die beiden Steinkünstler Cornel (l.) und Sven Bücken aus Kohlscheid schufen die neue Moses-Skulptur als ein Wahrzeichen für die Stadt. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Für Legendenbildung sorgt Moses 3 schon vor seiner Enthüllung am Samstag. Denn dann schließt sich nicht nur ein langes Kapitel einer Zeit ohne Moses in Herzogenrath, es wird gleich auch noch ein neues Kapitel aufgeschlagen: Die künftig wieder in unmittelbarer Bahnhofsnähe platzierte Figur des Moses ist geschichtsträchtig und zukunftsweisend zugleich.

Rückblick: Anfang Februar 1934 wurde das ursprüngliche Moses-Denkmal, eine riesige bärtige Männerfigur mit Tafeln der zehn Gebote in der Hand, mutwillig zerstört. Nazi-Schergen steckten hinter der Tat. „Viel Lärm um Nichts“, schrieb am 9. Februar 1934 der damalige „Westdeutsche Beobachter“ in unangemessener Verwendung eines Shakespeare-Zitats.

Unfassbare Worte

Und ein Gedicht unter dem Hetzartikel führte die haarsträubende Verniedlichung der unglaublichen Geschehnisse noch weiter ins Unfassbare. Denn dort wurde unumwunden die „Rückkehr des Moses“ gewünscht, damit er die Fluten teile, hinter den Juden verschließe, um die Welt vom Judentum zu befreien. Das bleiben bis heute unfassbare Worte, die natürlich auch bei der Rückkehr des Moses am 9. September 1962 nach Herzogenrath in Form der von Kurt-Wolf von Borries geschaffenen Plastik noch nachwirkten.

Von Borries wählte seinerzeit für die zweite Variante eine rund 1,60 Meter „kleine“ Bronzefigur, die in ihrer Erscheinung auch ein Mahnmal gegen Einsichtslosigkeit und ein Aufruf zu Bescheidenheit und Gemeinnutz wurde. Doch dieser Moses ist nun auch Geschichte, denn sein metallener Korpus war wohl zu attraktiv, als dass er den dreisten Fingern bis heute unbekannter Täter am 23. April 2014 widerstehen konnte.

Moses Nummer zwei wandte sich seinerzeit ab von der ursprünglich kolossalen Stein-Darstellung. Eine Kopie der Darstellung des sogenannten zornigen Moses, die bei der Evangelischen Kirchengemeinde im Kölner Stadtteil Weiden/Lövenich zu sehen ist, zeigt die formale Abkehr vom bärtigen Stein-Moses, der ursprünglich einmal in Herzogenrath gestanden hatte.

Der kommende Moses, der um 16 Uhr offiziell enthüllt wird, hat keine einfache Entstehungsgeschichte. Auf Betreiben der Bürgerstiftung Herzogenrath und mit riesiger Unterstützung aus der Bevölkerung und der Geschäftswelt fiel nach Wettbewerb und Auswahlverfahren die Wahl auf einen Entwurf von David Mannstein und Maria Vill.

Doch deren Design ließ sich nicht ohne weiteres von den Bildhauern Cornel und Sven Bücken umsetzen. „Das ist Naturmaterial, da steckt man nicht drin“, sagte Cornel Bücken. Damit führt er gleich den Grund für die notwendigen Änderungen an. Und mit seinen von vielen Jahren als Bildhauer geprägten rauen Händen fuhr er nicht nur einmal über den Nivelsteiner Sandstein, der leider defekt war, und so zu einem abgeänderten Entwurf führte.

„Um den Entwurf umsetzen zu können, mussten wir einige Änderungen vornehmen, die wir aber in Absprache mit den Künstlern vorgenommen haben“, ergänzt Sohn Sven Bücken.

Herausgekommen sind zwei 2,44 Meter hohe Kuben von jeweils 50 Zentimetern Kantenlänge. Sie nehmen die ausgezeichnete Idee auf, die „Gussform“ des zweiten Moses zu stilisieren und dessen Verschwinden so in die Kunst einbauen. Die Bildhauer schufen in Handarbeit das, was ab Samstag zu sehen sein wird. „Wir haben sogar eigens Werkzeuge anfertigen lassen, beispielsweise für die Krone“, sagt Sven Bücken.

Ein Wahrzeichen

Er weiß wie schwierig es für seinen Vater, für den umsetzenden Künstler war, aus dem „positiven“ Moses, der Figur, die in Köln noch einen Zwilling hat, einen „negativen“ Moses zu machen, der künftig als ein Wahrzeichen Rodas zurückkehren soll. Und es ist ein besonderes Kunstwerk: So geben die beiden Kuben einen genau definierten Raum frei. Darin kann sich das Licht einen Weg suchen, über die funkelnden Oberflächen des fein geschliffenen Steins aus Herzogenrath wandern und je nach Lichteinfall den nicht mehr vorhandenen Moses in schillernden Reflexen sichtbar machen.

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