Herzogenrath - Gespräche über Gott und Welt: Einblicke in die Emir-Sultan-Moschee

Gespräche über Gott und Welt: Einblicke in die Emir-Sultan-Moschee

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
8367848.jpg
Die Frauen beten oben: Imam Muhammet Batak, Integrationsratsvorsitzender Fehmi Tarasi (v.r.) und Ramiz Ahmetoglu (4.v.l.) führten fachkundig durch das Zentrum der türkischen Gemeinde in Merkstein. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Wohl die wenigsten erinnern sich noch daran: Das Zentrum der türkischen Gemeinde in Merkstein war einmal eine Kerzenfabrik. Zwei Jahre, von 1999 bis 2001, haben Asbestsanierung und Umbauarbeiten gedauert, 1,8 Millionen Mark hat das Projekt gekostet, getragen aus vielen privaten Spenden.

Intensive Zuhörer waren jetzt in der Emir-Sultan-Moschee am Boscheler Berg zu Gast, im Zuge der Sommertouren unserer Zeitung. Die Gemeindemitglieder Fehmi Tarasi und Ramiz Ahmetoglu, beide auch Aktive im Inte-grationsrat der Stadt Herzogenrath, erläuterten fachkundig die zahlreichen Fragen unserer Leser zum Gemeindeleben. Unterstützt wurden sie von Vorbeter Muhammet Batak (42), aus dem türkischen Bergbaustadt Zonguldak am Schwarzen Meer stammend, seit Oktober in Merkstein tätig. Mit ihm sind seine Frau und seine beiden Kinder gekommen.

Der Imam bleibt fünf Jahre

170 Mitglieder zählt die türkische Gemeinde in Merkstein, die im Oktober ihren 30. Geburtstag feiern kann. Zehn Euro Mindestbeitrag zahlen sie pro Monat, der türkische Staat entsendet und finanziert den Vorbeter, der maximal fünf Jahre am Ort bleibt. So sieht es eine Regelung zwischen der Türkei und Deutschland vor. Bestimmte Bedingungen, unter anderem die Mitgliedschaft der Gemeinde im türkischen Dachverband DITIB, müssen erfüllt sein, damit eine Gemeinde einen Imam vom türkischen Staat geschickt bekommt, dem sie auch eine Wohnung zur Verfügung stellen muss.

Zehn Gebetspositionen

Eine kritische Frage wird von nichtmuslimischen Besuchern in Moscheen gerne gestellt: Warum Frauen und Männer dort nicht gemeinsam beten dürfen? Die Erläuterung folgte genauso praktisch wie einleuchtend: Nichts soll von der Konzentration auf das Gebet ablenken, schon gar nicht der Gedanke ans andere Geschlecht. Fehmi Tarasi demonstrierte überdies die insgesamt zehn Gebetspositionen, unter anderem die „Niederwerfung“.

Für die Frauen im Publikum war daraufhin schnell klar: Der Betenden soll tunlichst niemand auf den verlängerten Rücken starren können ... Und die Männer sollen reine Gedanken wahren. So ist auch in Merkstein der Frauengebetsraum auf der Empore eingerichtet. „Die Frauen stehen damit faktisch über unseren Köpfen“, sagte Ramiz Ahmetoglu schmunzelnd. Und dann ernsthaft: „Nein, heute ist es wirklich nicht mehr so, dass die Frauen zwei Schritte hinter den Männern hergehen!“

Prächtig ist der Gebetsraum ausgestattet, Bilder gibt es in einer Moschee zwar keine, doch dafür ausladende Blumendekore auf hübschen Kacheln, die eigens aus der türkischen Keramik- und Porzellanhochburg Küthaya importiert worden sind. Die Muster wurden farblich abgestimmt auf die weichen Teppichbahnen, die den Boden bedecken und in ihrer Aufteilung einzelnen Gebetsbrücken entsprechen. Suren aus dem Freitagsgebet geben arabische Schriftzüge unter der Decke wieder.

Den Himmel symbolisiert die reich verzierte Kuppel, die von außen gar nicht sichtbar ist. „Dafür gab es damals von der Stadt keine Genehmigung“, erinnert sich Fehmi Tarasi. Fünfmal täglich ruft der Imam zum Gebet, mittags öffentlich, dafür wurde eine Genehmigung erteilt. Doch nicht nur das Gebet, auch der Koranunterricht samstags und sonntags für die Jungen ab sieben Jahren obliegt dem Imam, dessen Ausbildung in der Türkei mittlerweile ein zwei- bis vierjähriges Studium umfasst.

Bei Keksen, Melone und Tee gab es auch im Anschluss an die aufschlussreiche Führung noch viel zu erzählen, über tagespolitische Themen, deutsche und türkische Touristen in der Türkei und natürlich die sprichwörtliche Gastfreundschaft, die auch bei dieser Gelegenheit wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt worden ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert