Geschlecht soll im Job keine Rolle spielen

Von: Nina Krüsmann
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Den Kreislauf durchbrechen: Das forderten Bernd Wirtz (ARGE Städteregion Aachen), Christiane Feldmann (Picco Bella), Petra Pauli (Vereinigte Unternehmerverbände Aachen), Dr. Angelika Kümmerling (Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg/Essen), Moderatorin Jutta Geese und Carmen Tietjen (DGB NRW, v.l.) bei der Podiumsdiskussion. Foto: Nina Krüsmann

Würselen. „Wir müssen darauf hinarbeiten, dass Männer und Frauen gleichermaßen selbstverständlich berufstätig sind. Dafür brauchen wir eine entsprechende Kinderbetreuung in Kindergärten und Schulen!” Diese Forderung stellte Carmen Tietjen vom Deutschen Gewerkschaftsbund NRW bei einer Podiumsdiskussion im Alten Rathaus.

Anlässlich des Internationalen Frauentages hatten die Gleichstellungsstelle der Stadt Würselen und die VHS Nordkreis Aachen unter dem Titel „Frauen, Arbeit, Armut” dazu eingeladen.

„Viele denken, dass das Problem nicht mehr existent ist und es da keinen Diskussionsbedarf mehr gibt. Aber auch heute werden Männer eindeutig bevorzugt und Frauen haben weniger Chancen, in beruflich relevante Positionen zu kommen”, sagte Bürgermeister Arno Nelles. Dabei handele es sich um ein vielschichtiges Problem: „Das klassische Rollenverständnis in unserer Gesellschaft fördert die fehlende Wertschätzung der Erziehungsarbeit. Die Arbeit der Frau als Familienmanagerin wird nicht ausreichend gewürdigt.”

Über dem Durchschnitt

Dr. Angelika Kümmerling vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg/Essen schilderte die Probleme detailliert: „Zwar liegen wir mit 61,5 Prozent erwerbstätiger Frauen in Deutschland über dem EU-Durchschnitt, aber nur 46,5 Prozent davon haben eine Vollzeitstelle. Und noch immer werden Frauen für vergleichbare Arbeit schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.”

Arme allein Erziehende

Vor allem allein erziehende Frauen seien häufig von Armut betroffen. „Der Weg aus dieser Armut führt nur über eine sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit. Da bei Frauen Mini- und Teilzeitjobs sowie niedrig bezahlte Vollzeitjobs dominieren, führt aber auch Arbeit oft nicht aus der Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen heraus.” Da andererseits Betreuungsmöglichkeiten für Kinder Mangelware seien, hätten Frauen oft keine Möglichkeit, in Vollzeit zu arbeiten.

„Wir müssen weg von der bestehenden Unterteilung in Frauen- und Männerberufe. Frauen können genau so gut Arzt werden wie Männer Krankenpfleger werden können”, betonte Petra Pauli, Projektkoordinatorin der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen.

„Am meisten hat sich im Handwerk getan, wo Frauen heute in vielen früheren Männerdomänen tätig sind. Wenn mehr Frauen in Führungspositionen wären, würden sie für ihre Mitarbeiterinnen einiges bewegen können”, regte Christiane Feldmann von der Firma Picco Bella eine Frauenquote in den Führungsetagen an.

Es gebe viel Handlungsbedarf für Gewerkschaften und Politik. Alle Diskussionsteilnehmer zeigten sich bei der von unserer Redakteurin Jutta Geese moderierten Veranstaltung einig, dass der bestehende Kreislauf aus unzureichenden Betreuungsmöglichkeiten, Teilzeitarbeit und fehlenden Rentenansprüchen für Frauen durchbrochen werden müsse. „Dafür müssen wir die gesellschaftliche Akzeptanz von Frauen im Beruf verbessern. Im Vorstellungsgespräch muss die Entscheidung nach der Qualifikation und nicht nach dem Geschlecht getroffen werden”, forderte Pauli.
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