Alsdorf - „Gesang” des Barock-Cellos betört die Zuhörer zu später Stunde

„Gesang” des Barock-Cellos betört die Zuhörer zu später Stunde

Von: jope
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Ludwig Frankmars Barock-Cello
Ludwig Frankmars Barock-Cello fand viele Bewunderer unter den Konzertbesuchern in der evangelischen Kirche Ofden. Bereitwillig erteilte der Künstler Informationen. Foto: Joachim Peters

Alsdorf. Dass das Violoncello mit seinem warmen Klang von vielleicht allen Instrumenten der menschlichen Stimme am nächsten kommt, ist inzwischen ein Allgemeinplatz. Richtig ist auch - doch das traut man der „dicken Geige” oder dem „Kontrabass im Sitzen” weniger zu.

Wie eine Orgel oder ein Klavier kann virtuoses Spiel auf dem Cello die Illusion hervorrufen, ein ganzes Orchester oder einen mehrstimmigen Chor vorzustellen. Wer daran zweifelte, wurde beim Besuch des Solokonzertes von Ludwig Frankmar „gläubig”. Der aus Schweden stammende Berliner Cellist - wegen dessen früheren Zusammenarbeit mit dem Bardenberger Organisten und Kantor Volkmar Michl einigen Besuchen nicht unbekannt -ließ dies bei Kompositionen des Barock in der Ofdener Paul-Gerhardt-Kirche hörbar werden.

Die instrumentale Solo-Ricercata - das Ricercar ist eine Form des Kanons - hat seine Wurzeln im älteren mehrstimmigen Gesang. Musikalische Elemente wurden wiederholt, vergrößert und ineinandergefügt. Die letzten Werke dieser Musikform waren dann im frühen 18. Jahrhundert die Solowerke von Johann Sebastian Bach. Beeindruckend, hochkonzentriert, sehr spirituell: So präsentierte Ludwig Frankmar vor allem die 6. (und letzte) Cello-Sonate von Bach in D-Dur.

Sie war kein fürstliches Auftragswerk, und auch dies zeigt, dass es für Bach hier um eine höhere geistige Notwendigkeit beim Komponieren ging. Zwar gliedert sich Bachs Werk formal an älteren höfisch-tänzerischen Vorbildern. Das zeigen die Satzbezeichnungen von „Allemande” und „Courante” bis „Gigue”. Aber unter den Händen Bachs (und Frankmars) entwickelte sich da etwas noch ganz anderes: eine Art höhere Mathematik, die ins Unendliche weist. Die Besucher, darunter auch einige sehr aufmerksame Kinder, gerieten in den Bann einer Musik, die einen wohltuenden Widerpart zu manch vergnüglicher Lautheit und vergänglicher Geschwätzigkeit heute bildete.

Schön bildete Ludwig Frankmar auch den Gegensatz zwischen deutscher und französischer Gamben-Musik - Frankmars Barockcello weist in Stimmung und seine Bogenführung Affinität zur alten Gambe auf - heraus. Der mehr durchstrukturierten deutschen Kompositionsweise etwa eines Carl Friedrich Abel, dessen Vater als Gambist in einer Kapelle Bachs spielte, setzte er die „verschnörkelten” Barock-Tänze eines Antoine Vocquerai gegenüber. Der wiederum wirkte als Hofkomponist des Sonnenkönigs Ludwig XIV.

Der Künstler ließ sich durch die unglücklichen Begleitumstände seiner Anreise (siehe Infobox) weder in Konzentration noch in Aufmerksamkeit gegenüber dem geduldig ausharrenden Publikum beirren.

Bereitwillig erklärte er nach dem Auftritt Besuchern die Besonderheiten seines Cellos - und für einen jungen Cello-Schüler gab es ein Autogramm des schwedischen Virtuosen obendrauf.

Verspätung! Musiker verirrt sich ins Eifel-Alsdorf

Als vor wenigen Jahren Fußballfans aus Berlin von ihrem Busfahrer statt nach „Ahlen” (in Westfalen) fälschlicherweise nach „Aalen” (ins weit entfernten Baden-Württemberg) navigiert wurden, löste dies Heiterkeit aus. Nicht ganz so Schlimmes, aber auch wenig Heiteres widerfuhr Pfarrerin Elisabeth Peltner von der Evangelischen Kirchengemeinde Alsdorf. Kurz vor Beginn des Cellokonzertes in der Ofdener Kirche rief Musiker Ludwig Frankmar aus einem Ort „Alsdorf” nahe Bitburg (Eifel) an, in den er sich offenbar verirrt hatte. Mit seinem Kommen war also frühestens erst in einer Stunde zu rechnen!

Mit Hilfe von Marina Brants stellte die Pfarrerin rasch ein „Notprogramm” zur Überbrückung der rund 90 freien Minuten bis Ankunft des Cellisten aus Berlin auf. Dr. Stephan Saffer moderierte ein spontan zustandegekommenes Musikprogramm. Presybterin und Chorleiterin Losen studierte mit den Besuchern Gemeindelieder und Kanons ein. Dann stimmte Joachim Peters am Klavier mit Inventionen und Sinfonien von Johann Sebastian Bach auf das eigentliche Konzert ein. So verging die Wartezeit wie im Fluge.

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