Würselen - Gesamtschulprojekt: Rat entscheidet im August

Gesamtschulprojekt: Rat entscheidet im August

Von: Karl Stüber
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Schule
An welchem Standort die Gesamtschule fest angesiedelt werden soll, entscheidet der Stadtrat im August.

Würselen. In der Tat hat der Würselener Stadtrat entgegen der ursprünglichen Planung in seiner jüngsten Sitzung noch nicht beschlossen, an welchem Standort die Gesamtschule fest angesiedelt werden soll. Dies hatten die Fraktionsvorsitzenden der „Großen Koalition“ aus SPD- und CDU-Fraktion, Christoph Küppers und Karl-Jürgen Schmitz, auf Anfrage unserer Zeitung vorab auch erklärt.

Begründet wurde und wird dies mit neuen Aspekten, die noch erst genau ventiliert sein wollen. Zudem sei die Grundsatzentscheidung, wie die Gesamtschule nachhaltig eingerichtet werden soll, von großer Tragweite – unter Aspekten der Stadtentwicklung, aber auch unter finanziellen Gesichtspunkten. Hierzu sollten gerade die Betroffenen, also die Würselener Bürger, zu Worte kommen und auch Gehör finden.

Zur Auswahl steht zum einen auf Basis des erst vergangene Woche formulierten Vorschlags der Verwaltung die Ertüchtigung des Standortes Tittelsstraße. Dort ist die mit den Jahren auslaufende Realschule untergebracht. Zum anderen – und das ist der neue Aspekt – könnte die Gesamtschule auch auf den Ascheplätzen der vom VfR Würselen genutzten Sportanlage an der Krottstraße errichtet werden – gegenüber dem Freizeitbad Aquana auf der anderen Seite der K 30 gelegen. Dem VfR Würselen wäre dabei eine neben dem Freizeitbad neu zu errichtende Sportfläche als Ersatz für die Ascheplätze „zuzuweisen“, hat die Stadtverwaltung formuliert.

SPD-Fraktionsvorsitzender Christoph Küppers ließ keinen Zweifel daran, wofür zurzeit seine „Truppe“ – vorbehaltlich des Ergebnisses der Befragung der Öffentlichkeit – votieren würde: für den Standort Krottstraße, also für den vollständigen Neubau einer Gesamtschule. Küppers betonte aber auch, dass beide von der Verwaltung vorgeschlagenen Lösungswege zum Ziel führen würden. „Die Eltern können sicher sein, dass wir eine Schule bauen und die entsprechenden pädagogischen Konzepte dort auch greifen.“ Beide Lösungen seien auch nach Prüfung und Darstellung der Verwaltung machbar. Ausschlaggebend seien nach dem bisherigen Sachstand für die SPD das Votum für einen Neubau an der Krott–straße diese Aspekte: An der Tittelsstraße würde ansonsten eine nach alten pädagogischen Aspekten gebaute Schule ertüchtigt, die modernen Anforderungen nicht mehr entsprechen könne. Die Gesamtschule müsse den Erfordernissen der Inklusion gerecht werden, was allein schon unter den Aspekten der Barrierefreiheit an der Tittelsstraße schwierig wäre. Der Standort Krottstraße sei bereits mit Blick auf die dortige Sporthalle und den Sportplatz ideal auch für Schulsport. Es gebe keinen großen Pendlerverkehr. Die Sportstätten wären für Schüler schnell erreichbar. Und: Würde man die auslaufende Realschule für die Gesamtschule ertüchtigen, müsse dies während des Unterrichts geschehen – mit erheblichen Beeinträchtigungen. Selbstverständlich sei die SPD gespannt auf die nun anstehende Diskussion mit den Bürgern.

Karl-Jürgen Schmitz, Vorsitzender der CDU-Fraktion, rückte finanzielle Aspekte in den Mittelpunkt seiner Bewertung. „Wir sind ja nicht bei ‚Wünsch Dir was’.“ Die Entscheidung über die Realisierung der Gesamtschule müsse sich vielmehr nach dem Aspekt richten. „Was kann ich mir als Stadt Würselen leisten?“ Zurzeit könne sich die CDU-Fraktion noch nicht der Auffassung anschließen, dass die finanziellen Auswirkungen fast gleich sind. Es stünden beim Neubau Investitionen zwischen 32 und 34 Millionen Euro Kosten in Höhe von 25 Millionen Euro für die Ertüchtigung des Standortes Tittelsstraße gegenüber. Dies würde eine Neuverschuldung in Höhe von neun Millionen Euro ergeben und sich auch entsprechend auf den haushalterischen Ergebnisplan auswirken. Zudem wolle die CDU auch weitere Folgewirkungen und Risiken bei der Entscheidung berücksichtigt wissen. Schmitz beschrieb die bilanztechnischen Auswirkungen bei Abriss der Realschule. „Erst vernichten wir Vermögen und sollen das dann durch Steuererhöhungen auffangen. Das kann nicht sein!“ Schmitz forderte eine „fundamentale Diskussion über die Finanzen als Grundlage für die Entscheidung“.

Infos für alle Haushalte

Dies müsse gegenüber den Bürgern auch transparent gemacht werden. Der CDU-Fraktionsvorsitzende versprach: „Wir werden uns genau anhören, was die Bürger dazu sagen und uns dann entscheiden.“ Im Übrigen sehe die CDU die Einrichtung einer Sportanlage losgelöst von der Entscheidung über die Einrichtung der Gesamtschule.

Bürgermeister Arno Nelles (SPD) fasste die ausgiebige Debatte zu einem Kompromissvorschlag zusammen, dem der Rat fast vollständig folgte. Dabei dient der von SPD-Fraktionsvorsitzendem Küppers vorgeschlagene Zeitplan als Basis. Demnach soll die Verwaltung eine große Öffentlichkeit, also möglichst viele Bürger, an der Meinungsbildung und der darauf basierenden politischen Entscheidung beteiligen. Die jetzt diskutierte umfangreiche Verwaltungsvorlage soll inklusive Raumplanung und finanziellen Auswirkungen nicht nur, wie von der SPD ursprünglich vorgeschlagen, den Kindertagesstätten, den Grundschulen und weiterführenden Schulen in Würselen, dem Stadtsportverband und den betroffenen Sportvereinen mit der Bitte um Stellungnahme bis Mitte August übermittelt werden. Vielmehr will die Kommune per Sonderveröffentlichung alle Haushalte informieren, wie Bürgermeister Nelles sagte. Aus Reihen der Fraktionen wurde angekündigt, hierfür noch Anregungen und Fragen formulieren zu wollen. Zudem – und hier dient wieder der SPD-Vorschlag als Basis – soll die Verwaltung direkt nach den Sommerferien eine Bürgerinformationsveranstaltung organisieren und mit Fachkräften für weitere Informationsveranstaltungen zur Verfügung stehen. Zudem soll im August das Thema im Bildungs- und Sport-, Sozial- und Kultur- sowie Bauausschuss und letztlich am 27. August im Stadtrat entschieden werden.

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