Gesamtschulneubau: Politik soll klare Kante zeigen

Von: Verena Müller und Karl Stüber
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Setzen sich für den Neubau der Gesamtschule ein: Susanne Rütten-Nilges (Schulpflegschaft, l.) und Claudia Krüger (Förderverein). Foto: Stüber

Würselen. Schulpflegschaft und Förderverein der provisorisch im Gebäude der Hauptschule Lehnstraße untergebrachten Gesamtschule verlangen ein Ende des Streits um den aus ihrer Sicht unverzichtbaren Neubau an der Krottstraße.

Zudem erwarten die Eltern, dass Bürgermeister Arno Nelles (SPD) und die Mehrheitsfraktionen aus SPD und CDU – egal, dass die große Koalition aufgekündigt ist – „klare Kante zeigen“, wie die Vorsitzende der Schulpflegschaft, Susanne Rütten-Nilges, und die Vorsitzende des Fördervereins, Claudia Krüger, am Freitagnachmittag formulieren. Es gebe einen klaren Beschluss des Stadtrates pro Neubau. Das ÖPP-Verfahren (Öffentlich-private Partnerschaft) sei bereits weit fortgeschritten. Derzeit würden die besten Angebote zur Realisierung nachverhandelt. Im Oktober wolle der Stadtrat über die Auftragsvergabe entscheiden. Diesen Stand der Dinge bestätigt übrigens Erster und Technischer Beigeordneter Till von Hoegen auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Wir Familien freuen uns darauf, dann endgültig zu wissen, wie die Heimat der Gesamtschule Würselen aussehen wird“, sagen die Vorsitzenden der Elterninitiativen. Auch Schulleiter Olaf Staecker würde gerne für die Anmeldeprozedur zum Schuljahr 2018/19 endlich Skizzen und Computeranimationen zeigen, wie der Neubau an der Krottstraße nun aussehen soll.

Mit Beginn des Schuljahres in diesem August wird die Schule im dritten (vierzügigen) Jahrgang in der alten Hauptschule 330 Schüler und 30 Lehrer zählen. Ein vierter Jahrgang wäre nur noch in Containern auf dem Gelände unterzubringen. Die Zeit drängt aus Sicht der Schulgemeinschaft.

„Außerhalb des Vorstellungsvermögens“ der Eltern liegt, einen Schulneubau verschieben zu wollen, nur weil man sich möglicherweise noch nicht über einen Ersatz für zwei Fußballascheplätze einigen konnte. „Hunderte Familien haben sich bereits für die Gesamtschule Würselen entschieden, Hunderte werden noch folgen. Dahinter stehen tausende Bürger dieser Stadt“, so Förderverein und Schulpflegschaft.

Aus Sicht der Elternvertreter macht es angesichts des weit fortgeschrittenen ÖPP-Verfahrens keinen Sinn, noch einen ergebnisoffenen runden Tisch „mit einer Handvoll Anwohner abzuhalten. Es zeuge von einem „bedenklichen Demokratieverständnis“, als Interessengruppe allen Ernstes zu fordern, allein mit Stadt und Politik am Runden Tisch über so eine grundsätzliche Frage wie die schulische Zukunft der Kinder zu entscheiden, geht die Kritik Richtung Bürgerinitiative gegen den Neubau an der Krottstraße (BI). „Fakt ist vielmehr, dass die Standortfrage schon längst entschieden ist“, sagt Rütten-Nilges.

Zwischenzeitlich ist aber der Runde Tisch vom Tisch. Die BI hatte Mitte Juni bekanntgegeben, mit Bürgermeister Nelles, Vertretern der Verwaltung und aller Parteien ergebnisoffen darüber diskutieren zu wollen, ob ein Gesamtschulneubau an der Krottstraße wirklich die bessere Alternative zu einer Sanierung der Realschule an der Tittelsstraße ist. Und sich sogar von den gegebenenfalls besseren Argumenten für die Krottstraße überzeugen lassen. Der Bürgermeister habe versprochen, zeitnah einen Termin zu nennen, hieß es damals. Aber dazu ist es nicht gekommen. Wie BI-Sprecher Klaus Köhler vermutet, hat Nelles erst am 21. Juni eine Anfrage an die Parteien gestartet, aber nicht an alle. Am 21. Juni – also mehr als eine Woche nach der öffentlichen Bekanntgabe zum geplanten Runden Tisch – hatte aber bereits die Offenlegung begonnen. Köhler geht davon aus, dass das Interesse des Bürgermeisters an einer Mediation „nicht so überwältigend“ gewesen sein kann. Am vergangenen Freitag endete die Offenlegung. „Mit dem Ablauf der Offenlage sehen wir nur noch den Weg vor das Verwaltungsgericht“, so Köhler.

Die CDU im Stadtrat hatte auf die Anfrage des Bürgermeisters zu einem Runden Tisch bereits vorläufige Ablehnung signalisiert: Es liege ein gültiger Ratsbeschluss für den Standort Krottstraße vor. Mit einem Mediationsverfahren werde dieser infrage gestellt. „Nach Auffassung der CDU-Fraktion darf die Verwaltung überhaupt keine Gespräche im Sinne einer Mediation, an dessen Ende ja eine rechtsverbindliche Vereinbarung stehen soll, mit der Bürgerinitiative und ihren Bevollmächtigten führen, die möglicherweise eine von den Beschlüssen des Rates abweichende Vereinbarung zum Standort der Gesamtschule haben. Allein der Rat kann in seiner Mehrheit beschließen, dass eine Mediation durchgeführt wird“, schreibt Fraktionsvorsitzender Karl-Jürgen Schmitz.

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