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Gesamtschule Würselen: Neubau wirtschaftlicher als Sanierung

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:

Würselen. Der schier unendlichen Geschichte um den geplanten Neubau der Gesamtschule an der Krottstraße wurde jetzt ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Im Technik- und Bauausschuss wurde per „Kurzbericht“ die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der Alternative vorgestellt: die Sanierung und der Ausbaus der in 2020 auslaufenden Realschule an der Tittelsstraße.

Mit der Untersuchung hatte die Stadt genau die Firma betraut, die bereits für die Kommune die europaweite Ausschreibung zum Neubau der Gesamtschule im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft (ÖPP) vorantreibt: die Ernst & Young Real Estate GmbH (EY).

Die Bürgerinitiative gegen den Neubau der Gesamtschule an der Krottstraße (BI) sieht hierin einen Interessenkonflikt und argwöhnt, dass deshalb die Berechnungen darauf hinauslaufen, das eine Ertüchtigung der Realschule teurer sei als besagter Neubau. Auch aus Reihen der Oppositionsfraktionen wird dies kritisch gesehen.

Entsprechend wurde bereits die Fragestunde für Einwohner vor Beginn der Fachausschusssitzung durch Klaus Köhler und Elfriede Drabent (beide BI) genutzt, um die Studie zu hinterfragen. Zudem trug Ratsmitglied Michael Jochmann (Grüne) viele Kritikpunkte nebst Fragen von der Zuschauerempore aus vor. Dies ließ Ausschussvorsitzender Bernd Parschmann (ebenfalls Grüne) zu – wohl, um das Gremium nicht dem Vorwurf auszusetzen, Kritik aus formalen Gründen abzuwürgen.

Jochmann verwies – aus seiner Sicht – auf Auffälligkeiten und Ungereimtheiten bei der Zusammensetzung der Betriebskosten, auf einen „rein mathematischen“ Ansatz beim Effizienzvorteil, eine nicht nachvollziehbare Beurteilung der Bausubstanz an der Tittelsstraße (Ergebnisse der Begehung), überhöhte Kostenansätze bei der Sanierung und einen für den Standort Realschule im Vergleich zum Neubau deutlich höher angesetzten Raumbedarf hin. Der Grüne sagte: „Bei Berücksichtigung der vorliegenden Kostenansätze von Ernst & Young ist die Sanierung und Erweiterung der Gebäude an der Tittelsstraße bei gleicher Brutto-Gesamtfläche günstiger als der Neubau an der Krottstraße!“

„Mit zweierlei Maß gemessen?“

Wurde mit unterschiedlichen Raumplänen gerechnet, um zu einem gewünschten Ergebnis zu kommen?, lautete die unterschwellige Frage.

Auffallend sei zudem, dass bei einem Neubau mit Kosten in Höhe von 1900 Euro pro Kubikmeter gerechnet wurde, bei der Erweiterung der Realschule aber mit 2100 Euro. „Wurde hier mit zweierlei Maß gemessen?“, fragte Jochmann. Auch bei den Standards verwies er auf Unterschiede. „Warum plant man die Kernsanierung mit ‚Goldkante‘, während der Neubau bestenfalls Mittelmaß wird?“

Auch wenn diese Fragen laut Ausschussvorsitzendem nach Rücksprache mit der Verwaltung später schriftlich beantwortet werden sollen, ging EY-Mitarbeiterin Anett Sommer bei ihrem Vortrag schon auf Kritikpunkte ein. Die Untersuchung der Bausubstanz der Realschule sei „zerstörungsfrei“ vorgenommen worden. Heißt: Es gab keine Probebohrungen. Man habe sich lediglich ein „Bild des Gebäudezustands gemacht“. Im wesentlichen stammten die Gebäude aus den Jahren 1974 und 2002. Für die älteren Einheiten müsse man von einer Kernsanierung ausgehen, so dass praktisch von der alten Bausubstanz nur noch die Hülle übrig bliebe. Die jüngeren Gebäude seien in einem deutlich besseren Zustand. Hier reiche eine preiswertere Teilsanierung.

Dritte Kategorie sind laut Sommer die der Erweiterung dienenden neu zu errichteten Räume. Der höhere Raumbedarf gegenüber einem Neubau sei durch die Beschaffenheit (Kurvatur) der vorhandenen Räume zu erklären, die den modernen Unterrichtsanforderungen (weniger Frontalunterricht, mehr Gruppenarbeit) nicht mehr gerecht werden. „Die Tittelsstraße braucht einfach mehr Platz“, sagte Sommer. Die Fachfrau warnte davor, die (Kosten-)Risiken bei der Sanierung zu unterschätzen.

Das Ergebnis der EY-Wirtschaftslichkeitsuntersuchung: Während für den Neubau an der Krottsstraße ein Gesamtbudget von 28 Millionen Euro zur Verfügung steht, liegen die Kosten fürs Herrichten der Realschule bei 29,3 Millionen Euro. Auch über 30 Jahre betrachtet (Vertragsdauer) ist demnach der Neubau (Barwerte) mit 54,4 Millionen Euro preiswerter als die Sanierungsvariante (62,9 Millionen Euro).

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