Gesamtschule Würselen: Neubau und Sanierung intensiv diskutiert

Von: Karl Stüber
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Stellten sich den Fragen bei der Bürgerinformationsversammlung zur Gesamtschule: (v.l.) Kämmerer Ludwig Bremen, Technischer Beigeordneter Till von Hoegen, Bürgermeister Arno Nelles, Erster Beigeiordneter Werner Birmanns – moderiert von Stadtsprecher Bernd Schaffrath. Fotos (2): Stüber Foto: Stüber
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Würselens Bürgermeister Arno Nelles überraschte bei der Bürgerinformationsveranstaltung zum Standort der neuen Gesamtschule mit einem Kompromissvorschlag. Foto: Karl Stüber

Würselen. Brütende Hitze, ein kompliziertes Thema und dann auch noch die Konkurrenz durch das Auftaktspiel der neuen Bundesligasaison, das im „Free-TV“ am Freitagabend übertragen wurde – und dennoch war der Saal des Kulturzentrums Altes Ratshauses bis fast auf den letzten Platz gefüllt.

Nach kurzen Einführungsvorträgen von Erstem Beigeordneten Werner Birmanns, Technischem Beigeordneten Till von Hoegen, Kämmerer Ludwig Bremen und Bürgermeister Arno Nelles folgte unter Leitung von Stadtsprecher Bernd Schaffrath eine intensive Diskussion.

Am Ende wurden es drei Stunden! Denn es ging um ein heißes Thema: den Standort der neuen Gesamtschule Würselen. Die hat zwar schon ihren Betrieb zum neuen Schuljahr mit 108 Schülern und 10 Lehrern aufgenommen, aber sie soll nur provisorisch in den Räumen der auslaufenden Hauptschule an der Lehnstraße für zwei Jahre untergebracht sein.

Oberstufe im Euregio-Kolleg?

Bürgermeister Arno Nelles (SPD) überraschte mit einem Kompromissvorschlag. Er plädierte dafür, dass für die Gesamtschule zwar ein Neubau in Modulbauweise an der Krottstraße errichtet wird, aber nur für die Sekundarstufe I ohne Oberstufe, was einige Millionen Euro einsparen würde. Genaue Summen konnte er aber noch nicht nennen. Verbunden damit sei die Option, die Räumlichkeiten für die Sekundarstufe II später anzubauen, wenn keine andere Lösung zieht. Ohnehin würde für die Jahrgang für Jahrgang wachsende Gesamtschule die Oberstufe erst im sechsten Jahr relevant.

Zur Unterbringung der Oberstufe schlug Nelles das nur wenige Hundert Meter entfernte Euregio-Kolleg vor, das hierfür genügend Kapazitäten aufweise.

Kritik am Splitten der Gesamtschule aus Reihen der Teilnehmer wies Nelles mit Blick auf die Gesamtschule Aldenhoven-Linnich zurück. Dort würden die Standorte mehrere Kilometer auseinander liegen. „Was die schaffen, können wir angesichts der kurzen Distanz auch.“

SPD-Parteifreundin und Stadträtin Doris Harst machte allerdings Nelles darauf aufmerksam, dass die Städteregion Aachen bei der selbstkritischen Betrachtung, um welche Ausgaben die Städteregionsumlage der Kommunen entlastet werden könnte, an die Zusammenlegung von Abendgymnasium Würselen und Euregio-Kolleg denkt. Dann würde es keinen Platz mehr für die Oberstufe der Gesamtschule dort geben. Nelles führte dazu an: Sollte die Oberstufe nicht im Euregio Kolleg oder anderweitig angemessen untergebracht werden können, könnte die dann neu errichtete Gesamtschule an der Krottstraße um das Modul Oberstufe erweitert werden.

Nelles trug seinen Kompromissvorschlag mit Bedacht bei der von der Stadt Würselen im Auftrag des Stadtrates organisierten Bürgerinformationsveranstaltung vor, die dazu diente, des „Volkes Wille“ genauer auf die Spur zu kommen. Er wollte antesten, wie das in der Öffentlichkeit ankommt. Der Verwaltungschef und Vorsitzende des Stadtrates versucht, die zuletzt in dieser Frage zerstrittenen „Partner“ der Großen Koalition, SPD und CDU, miteinander zu versöhnen.

Entscheidung am 29. September

Er wolle im Interesse der Eltern und der Kinder den Schulfrieden bewahren und die weitere Diskussion um dringende Strukturmaßnahmen in Würselen nicht belasten, wie er ausführte.

„Wir brauchen eine Entscheidung über den Gesamtschulstandort und das weitere Verfahren, die von einer hohen Mehrheit getragen wird und zu der sich große Teile des Stadtrates bekennen. Wir können uns keine knappe Entscheidung leisten, weil sonst die Diskussion immer weiter geht“, appellierte Nelles an etliche Ratsvertreter, welche die Diskussion verfolgten und in der Sitzung am 29. September (Beginn 18 Uhr im Rathaus) definitiv entscheiden sollen.

Der bisherige Frontverlauf: Die SPD-Fraktion hat sich für einen Neubau der Gesamtschule an der Krottstraße oder jenseits der K 30 in der Nähe des Freizeitbades Aquana (und dann mit Brückenübergang) ausgesprochen und dies unter anderem mit den besseren pädagogischen Möglichkeiten und Optionen für die weitere Schulentwicklung begründet. Die CDU hingegen sieht darin zu große finanzielle Belastungen und Risiken angesichts anderer noch anzugehender Projekte in Würselen und bevorzugt die Sanierung der in fünf Jahren auslaufenden Realschule an der Tittelsstraße nebst Ergänzungsbauten, um die Gesamtschule aufzunehmen.

Klar wurde bei der Bürgerversammlung, dass die provisorische Unterbringung der wachsenden Gesamtschule in der auslaufenden Hauptschule wohl länger als zwei Jahre dauern dürfte. Technischer Beigeordneter Till von Hoegen sprach – abhängig davon, ob neu gebaut oder saniert wird – mit Blick auf die noch ausstehende genaue Planung, das Vergabeverfahren und die Bauphase von möglicherweise drei, schlimmstenfalls vier Jahren. Bei einem Neubau könne man erfahrungsgemäß eher davon ausgehen, dass die Bausummen eingehalten werden als bei der Sanierung von Altbauten. „Da ist die Gefahr größer, dass das teuerer wird.“

Die Gebäude der Realschule sind laut Stadt Würselen von unterschiedlicher Qualität und Alter. Die Spanne liegt zwischen mehreren Jahrzehnten und der jüngsten Gebäudekomponente aus dem Jahre 2005, wie Bürgermeister Nelles sagte.

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