Würselen - Gesamtschule: Unterschiedliche Auffassungen in der „Großen Koalition“

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Gesamtschule: Unterschiedliche Auffassungen in der „Großen Koalition“

Von: ks
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Würselen. „Die Bürger müssen als Zünglein an der Waage der GroKo herhalten“, ging Theo Scherberich (UWG) mit der Mehrheit von SPD und CDU im Stadtrat hart ins Gericht. Zuvor hatten die Fraktionsvorsitzenden Christoph Küppers (SPD) und Karl-Jürgen Schmitz (CDU) ihre Standpunkte zur Einrichtung einer Gesamtschule in Würselen dargelegt.

Beide hatten für eine groß angelegte Beteiligung der Öffentlichkeit votiert, bevor der Stadtrat auf Basis der Äußerungen aus Reihen der Bürgerschaft im August entscheiden soll. Vorbehaltlich dieser Beteiligung würde die SPD nach Stand der Dinge einen Neubau bevorzugen, die CDU machte deutlich, dass die finanziellen Risiken abzuwägen seien und man schließlich nicht in einem Wunschkonzert sei (siehe 1. Lokalseite).

Scherberich fand zwar grundsätzlich eine Beteiligung der Öffentlichkeit gut, sah aber die Bürgerschaft zu dieser komplexen Problematik auch angesichts der Kürze der Zeit – Ende August will der Stadtrat entscheiden – überfordert. „Sie wollen ja nur von den Problemen der GroKo ablenken.“ Die jetzt angestrengte Diskussion hätte viel früher geführt werden müssen. Eine Bürgerinformationsveranstaltung für 38 000 Bürger könne wohl kaum repräsentativ sein. Die UWG jedenfalls bevorzuge bisher den Standort Tittels-straße – also die Ertüchtigung der auslaufenden Realschule.

Dr. Renate Knauf (Grüne) sprach von gravierenden Auswirkungen auf die nachfolgende Generation(en). Die Grünen wollten die bestmöglich Ausbildung für die Kinder ermöglichen. Es gehe ihnen um einen zukunftsfähigen Schulstandort, der aber auch finanzierbar sei. Knauf sprach von einem noch großen Beratungsbedarf bei den Grünen. Zudem wolle man den Willen der Bürger berücksichtigen.

„Nebelkerzen“ geworfen

Markus Carduck (FDP) beklagte, dass die eigentlich für diese Ratssitzung versprochene Entscheidung nun doch nicht fallen würde. Das Vertrauen der Kinder und Eltern sei erneut verspielt worden. Ausdrücklich lobte aber der Liberale die Qualität der aktuellen Verwaltungsvorlage. „Jetzt machen Sie die Büchse der Pandorra auf und kommen mit der Bürgerbeteiligung – vorher aber nicht“, kritisierte er.

Die Diskussion nahm Fahrt auf, als Fraktionsvorsitzender Küppers seinem „GroKo“-Partner Schmitz vorhielt, „Nebelkerzen in den Raum geworfen“ zu haben – „typisch Anwalt“. Küppers sprach sogar von einem „albernen Hinweis“. Es reiche zum Beispiel nicht, nur die unterschiedlichen Kosten für die beiden Varianten gegeneinander zu stellen, sondern man müsse auch die unterschiedlichen Abschreibungsräume darstellen, um die tatsächlichen Auswirkungen auf den Haushalt und eventuelle Belastungen für die Bürger bewerten zu können.

Küppers versuchte Rat und Verwaltung ins Gewissen zu reden. Es reiche nicht, Bauland zur Verfügung zu stellen und weiterhin auf Neubürger zu setzen. Immer wichtiger werde, dass für teures Bauland seitens der Stadt auch etwas geboten werde, nämlich eine gute Infrastruktur. Aus Gesprächen, die Küppers führte, habe er den Eindruck mitgenommen, dass sich diesbezüglich „Würselen seit Jahrzehnten einen Dornröschenschlaf leistet“.

CDU-Sprecher Schmitz blieb dabei, dass die Verwaltungsvorlage zwar durchaus gut sei, bezüglich der möglichen finanziellen Auswirkungen und Risiken aber noch zu nebulös bleibe. Es ginge ihm nur darum, die Bürger möglichst umfassend zu informieren.

Doris Harst (SPD) erklärte, „Würselen ist nicht mehr der Hit, da ist viel liegen geblieben und muss nun aufgearbeitet werden“.

Schließlich stimmte SPD-Sprecher Küppers wieder moderatere Töne an. „Wir haben einen Modus gefunden, wie wir die Beteiligung der Bürgerschaft hinkriegen können.“

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