Gesamtschule: BI lädt zum runden Tisch ein

Von: Karl Stüber
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Sie haben trotz aller Kritik am geplanten Neubau der Gesamtschule an der Krottstraße in Würselen ihre gute Laune nicht verloren: Vertreter der Bürgerinitiative und der Oppositionsfraktionen im Stadtrat sowie Anwohner setzen auf einen runden Tisch mit der Stadtverwaltung. Foto: Karl Stüber

Würselen. Die Kritiker des Neubauvorhabens für die Gesamtschule und die Oppositionsfraktionen im Stadtrat suchen vor der wohl entscheidenden Ratssitzung nochmals den Dialog mit der Stadt Würselen.

Sie wollen mit ihrer Kritik am Projekt Gesamtschule nicht falsch verstanden werden. Deshalb steht am Anfang des Treffens von Vertretern der Bürgerinitiative (BI), der Oppositionsfraktionen im Stadtrat (UWG, Grüne und FDP) und Anwohnern im Clubheim des VfR Würselen am Drischfeld diese den Protagonisten wichtige Aussage am Anfang: „Wir sind nicht gegen die Gesamtschule. Wir sind nur gegen den Neubau an der Krottstraße und treten anstelle dessen für die Sanierung und das Herrichten der auslaufenden Realschule zur Unterbringung der Gesamtschule ein. Wir wollen, dass sich die Schüler dort wohlfühlen und nicht durch den Verkehr gefährdet werden, wie es an der Krottstraße/Bereich Willy-Brandt-Ring der Fall wäre.“

Und die Kritiker wollen der Stadt Würselen und den Bürgern aus ihrer Sicht unkalkulierbare, aber sichere Mehrkosten ersparen, die mit dem Neubau auf den nahen Fußballtrainingsplätzen verbunden wären.

Angebote werden ausgewertet

Die Zeit für eine einvernehmliche Lösung, die alle Parteien zufrieden stellt, wird knapp. In der Sitzung des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses am 30. März und vor allem in der Sitzung des Stadtrates am 4. April könnte sich die große Koalition endgültig auf den Neubau an der Krottstraße festlegen.

Dann müssten genauere Erkenntnisse und Angebote des europaweiten Ausschreibungsverfahren zur Vergabe des Großprojekts auf dem Tisch liegen. Im Jahre 2015 hatte der Stadtrat mehrheitlich beschlossen, angesichts vorliegender konkreter Angebote zu prüfen, ob der vorgegebene Kostenrahmen in Höhe von 28 Millionen Euro einzuhalten oder doch besser die Variante Tittelsstraße zu wählen ist.

Gegenüber unserer Zeitung hatte es bereits – diese Position aufweichend – geheißen, es sei zu überlegen, ob man trotz höherer Investitionskosten von drei oder vier Millionen Euro nicht doch für einen Neubau votieren sollte, wenn unterm Strich und über die Jahre Geld zu sparen sei, ruft Michael Jochmann (Grüne) kritisch in Erinnerung.

Die Bürgerinitiative hat deshalb nochmals die kritischen Punkte zusammengefasst und in einer Stellungnahme an die Stadt geschickt, wie BI-Sprecher Klaus Köhler berichtet. Aber noch wollen die Kritiker nicht auf endgültigen Konfrontationskurs gehen, und die Stimmung bei der Diskussion im Sportlerheim ist nicht von Verbitterung bestimmt. Es darf auch mal gelacht werden.

Die Verwaltung wird zur offenen Diskussion der Bebauungsplanung mit den kompletten Erschließungs- und Folgekosten eingeladen. „Transparenz ist erforderlich“, heißt es. Der Bürger müsse erkennen können, was die Entscheidungen des Rates, was der Neubau der Gesamtschule an der Krottstraße tatsächlich kostet. Ein unparteiischer Mediator soll die Gespräche am runden Tisch leiten.

Dort gäbe es viel zu besprechen. Kritische Punkte haben sie noch einmal beleuchtet und eigene „Ermittlungen“ angestellt. So hat sich Gottfried Tropatz, ein Bauingenieur mit reichlich Berufserfahrung im Straßenwesen, mit der Verkehrsbelastung rund um den geplanten Standort des Neubaus befasst. Die von der Stadt beigebrachte Verkehrsuntersuchung sei ihr Papier nicht wert. Die sei vom Schreibtisch aus gemacht worden.

Er konzentrierte sich bei der Ermittlung des schon herrschenden Verkehrs auf die für die Schule anzunehmende Stoßzeit zwischen 7.35 und Unterrichtsbeginn 8 Uhr. Bereits jetzt wurden im Einmündungsbereich Willy-Brandt-Ring/Wilhelm- bzw. Friedrichstraße an einem Morgen im Januar 770 Kraftfahrzeuge gezählt, darunter zwei Laster und zwei Busse, wie Tropatz sagt. „Schon jetzt ist der Bereich überlastet.“

Er hält es für unrealistisch, dass 49 Prozent der Gesamtschüler mit dem Öffentlichen Personennahverkehr die Schule ansteuern. Die Linie WÜ1 könnte das gar nicht bewältigen. Die Anzahl der von den Erziehungsberechtigten zur Schule chauffierten Kinder sei deutlich höher – und die Zahl der „Selbstfahrer“ unter den Oberstufenschülern.

„Dann ist zu Stoßzeiten ein Verkehrskollaps des Verkehrsknotenpunktes zu erwarten.“ Zudem würden sehr viel mehr Schüler als von der Stadt angenommen die Fahrbahn überqueren, um zur Schule zu gelangen. Angesichts des enormen Verkehrs dort sei das sehr gefährlich. Auch die Zahl der als notwendig erachteten Stellplätze wird als unrealistisch angesehen.

Notfalls Entscheidung vor Gericht

Fragen des Lärm- und Artenschutzes sowie der Entwässerung des Areals seien von der Stadtverwaltung nicht hinreichend geklärt. Die Kosten für die Entsorgung des belasteten Bodens seien noch offen und würden ebenfalls an der Kommune hängenbleiben.

Und noch ein Punkt der Kritik: Das (auch) als Ersatz für die an der Krottstraße wegfallenden Trainingsplätze geplante neue Sportzentrum am Aquana liege noch in weiter Ferne. Dies müsse aber erst fertig gestellt sein, bevor mit dem Bau der Gesamtschule begonnen werde.

Ralf Niederhäuser (UWG) will, sollte alle Überzeugungsarbeit nicht fruchten, als Privatmann auf Basis seines Einspruchs gegen den Bebauungsplan notfalls Klage beim Verwaltungsgericht einreichen und eine einstweilige Verfügung gegen den Beschluss zum Neubau der Gesamtschule erwirken. Auch BI-Sprecher Klaus Köhler bekräftigt den Willen, die Entscheidung vor Gericht zu suchen. Aber vielleicht gibt’s ja noch eine Annäherung – am runden Tisch.

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