Generalvikar von Holtum plant Millionen-Coup

Von: Robert Esser
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Neue Arbeitsplätze für rund
Neue Arbeitsplätze für rund 250 Mitarbeiter des Generalvikars: Manfred von Holtum will die Verwaltungstrakte am Klosterplatz sanieren. Dies sei vor allem dem Brandschutz geschuldet, heißt es. Foto: Robert Esser

Aachen. An ein Bauprojekt dieser Größenordnung unmittelbar neben dem Dom hat sich das Bistum Aachen seit einer Ewigkeit nicht mehr herangetraut. Das Generalvikariat am Klosterplatz, in das man erst vor kurzem die Dominformation implantierte, soll komplett saniert werden.

Die Nebengebäude möchte man um bis zu zwei Etagen aufstocken. Gleichzeitig will die Bistumsleitung die kostspielige Bürosanierung in dem gewaltigen „Kind-Jesu-Kloster” (Schwestern vom armen Kinde Jesus) in bester Innenstadtlage zwischen Bendelstraße und Jakobstraße 21 abbrechen und den Komplex inklusive Kirchenraum und großem Garten verkaufen.

Der Erlös dürfte die Kosten des Bauvorhabens aber kaum decken. Denn Generalvikar Manfred von Holtum plant zudem den Neubau eines Verwaltungsgebäudes - unmittelbar neben dem historischen Kloster auf einem Parkplatz an der Jakobstraße. Joachim Eich, der Finanzdirektor des Generalvikariats, hat angesichts der immensen Kosten mehrere Alternativen planen lassen. „Wir haben die verschiedenen Varianten geprüft. Keine der Alternativen lässt sich unter einem zweistelligen Millionenbetrag realisieren”, betont er. Ob es sich um 10, 20 oder sogar 50 Millionen Euro Investitionsvolumen handelt, wollte das Generalvikariat am Montag auf Anfrage unserer Zeitung nicht sagen. Erst im September sollen die detaillierten Pläne - und die entsprechende Finanzierung - auf einer Sondersitzung des Kirchensteuerrates vorgestellt und beschlossen werden.

Bistumssprecher Franz Kretschmann erklärt, die umfangreichen Baumaßnahmen seien notwendig, um die gesetzlichen Auflagen des Brandschutzes zu erfüllen. Offenbar gibt es diesbezüglich einen gewaltigen Sanierungsstau - ebenfalls in Sachen Energieeffizienz. „Laut erstem Plan entstehen funktionale Verwaltungsgebäude, die nach modernen Standards der Arbeitsplatzgestaltung hergerichtet werden”, teilt er mit. Die Stadt habe bereits signalisiert, dass sie „die Aufwertung dieses Kernbereiches in der Innenstadt und die notwendigen Genehmigungsverfahren positiv unterstützen” wolle. Vor einigen Monaten hatte sie noch Umbaupläne für den Klosterplatz am Generalvikariat auf Eis gelegt, weil dazu Geld fehlt. Ohnehin sind Bauvorhaben in unmittelbarer Nähe des Doms im Hinblick auf Denkmalschutz hochproblematisch. Von Holtum versichert deshalb: „Wir werden bei den Planungen berücksichtigen, dass der Umbau den Dom nicht als Unesco-Weltkulturerbe beeinträchtigt.”

Delikat in diesem Zusammenhang: Das Bistum hatte das Kloster, in dem neben dem Bürotrakt noch einige Schwestern leben, 1989 erworben. Erst vor etwa einem Jahr war dort - mit enormem Aufwand - das neue Rechenzentrum des Bistums eingerichtet worden. Seitdem laufen etagenweise weitere Bauarbeiten. Das Bistum spricht offiziell aber nur von „Schönheitsreparaturen”.

Wenn das Kloster verkauft ist, endet an der Jakobstraße eine lange Tradition. Seit Mitte des 13. Jahrhunderts wohnten dort zunächst Weißfrauen-Schwestern (Coelestinen). Nach dem Stadtbrand 1656 bauten die Schwestern das Kloster wieder auf. 1848 kaufte Klara Fey das Gebäude, die dort eine Genossenschaft namens „Kind-Jesu-Schwestern” gründete. 1892 entstand der Klosterneubau, die Kapelle wurde im Krieg zerstört und als Beton- und Backsteinhalle wieder rekonstruiert.

Falls der Kirchensteuerrat die Verkaufs- und Neubaupläne absegnet, dürfte der Klosterplatz auch nach Fertigstellung des Centre Charlemagne noch für Jahre eine Baustellenlandschaft bleiben.
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