Nordkreis - Genaue Schadensbilanz nach den Unwettern ist noch nicht möglich

Genaue Schadensbilanz nach den Unwettern ist noch nicht möglich

Von: bea/-ks-/gp
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Gefahrenabwehr: Felix Reinard und Willi Huppertz vom Bauhof in Herzogenrath fällen windschiefe Fichten in der Plitscharder Siedlung.

Nordkreis. „Die muss auch weg“, Felix Reinard zeigt auf eine windschiefe Fichte mit dichtem Efeubewuchs. Willi Huppertz stellt die Leiter an den Stamm, klettert hinauf, befestigt in rund vier Metern Höhe das schwere Stahlseil und steigt wieder runter. Mittels elektrischer Winde am Rückeschlepper wird das Seil stramm gezogen.

Reinard schneidet mit der Motorsäge einen Keil ins untere Stammende, prüft nochmal die gewünschte Fallrichtung und gibt mit einer drehenden Bewegung in die Luft das Zeichen für Markus Bergrath. Der setzt die Winde erneut in Gang – und die Fichte kippt genau da hin, wo sie hin soll. „Dazu muss der Mann mit der Säge schon wissen, was er tut“, kommentiert Reinard zufrieden die respektvolle Nachfrage, dass zu solcher Routine wohl viel Knowhow gehöre?

Die Unwetter haben auch im Wäldchen an der Plitscharder Siedkung Spuren hinterlassen, ein Großteil der Flachwurzler muss fallen. Besorgte Anwohner hatten die Stadt alarmiert und freuen sich nun, dass schnell gehandelt wird.

Allerorten sind nach dem jüngsten Starkregen-Gewitter Teams der städtischen Bauhöfe mit Schadens- respektive Gefahrenbeseitigung beschäftigt. Unter anderem gilt es, die Regenüberlaufbecken wieder zu leeren. „Sie sind eigentlich so ausgelegt, dass sie von alleine leer werden,“ sagt Rolf-Peter Kalmbach, Fachbereichsleiter Bau und Betrieb in Herzogenrath. „Doch dazu sind die Trockenperioden in letzter Zeit viel zu kurz.“ Also muss gepumpt werden.

Das gilt auch für Baesweiler, wie Bürgermeister Dr. Willi Linkens erläutert. Selbst das Riesenbecken bei Setterich sei vollgelaufen. Die Überlaufbecken und der großdimensionierte Kanal haben große Wassermengen aufgenommen. Dennoch mussten viele Keller ausgepumpt werden. Auch in eine Turnhalle war Wasser eingedrungen, das schnell beseitigt wurde, um Folgeschäden zu verhindern. Fast alle verfügbaren Kräfte, weit über 100 Leute, waren bis in die Nacht im Einsatz, versorgt von Mitgliedern der Ehrenabteilung, unterstützt aus Würselen.

Dr. Linkens ist dankbar – für die vielen Hilfskräfte und das interkommunale Miteinander: „Jüngst hat unsere Wehr in Stolberger ausgeholfen, jetzt waren eben wir dran.“ Was die Unwetter mittlerweile gekostet haben, kann er noch nicht beziffern: „Die Kosten sind zunächst auch zweitrangig. Hauptsache, es wird schnell geholfen.“

„Wir sind erst in der akuten Schadensbehebungsphase. Über Kosten können wir noch keine Angaben machen, das wird auch noch dauern“, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt Alsdorf, Ralf Kahlen. Betroffen seien zwei Schulen und die Sporthalle in Hoengen. Auch Alsdorfs Feuerwehr kann noch keine konkreten Angaben machen, wie Sprecher Christoph Simon sagt. Ein Beispiel: Am Donnerstag war die Wehr mit 70 Kräften und 17 Fahrzeugen bei rund 100 Einsätzen neun Stunden aktiv. Da es sich bei Starkregen um einen öffentlichen Notstand handelt, werden die Kosten nicht auf die Betroffenen umgelegt, sondern über die Feuerschutzsteuer finanziert, die jeder Steuerpflichtige automatisch zahlt.

Simon geht davon aus, dass allein am Donnerstag tausende Euro zusammenkommen sind – die Lohnkosten für die von ihren Arbeitgebern Freigestellten nicht eingerechnet. Zweites Beispiel: Liegt „Notrufmissbrauch“ vor und der Schuldige wird ermittelt, sind bei einem kleineren Einsatz (An- und Abfahrt ein bis zwei Fahrzeuge) mindestens 500 bis 600 Euro fällig. Zudem droht dem Täter laut Paragraph 145 Strafgesetzbuch bis zu einem Jahr Gefängnis oder eine Geldstrafe. Zur Kasse gebeten werden auch Firmen, deren Feueralarmsystem ausgelöst, obwohl keine Notlage vorliegt.

„Wenn ein Keller bei Unwetter vollläuft, kommt die Wehr, pumpt ab und fährt zum nächsten Ort“, sagt Jürgen Venohr, Fachbereichsleiter Bürgerdienste in Herzogenrath. Kosten werden nicht berechnet und nicht festgehalten. Dennoch hat er mal überschlagen, wie die unwetterträchtigen Monate Juni und Juli gemäß Gebührensatzung zu Buche schlagen würden: 88 Einsätze entsprechen rund 10.000 Euro Personalkosten.

„Natürlich lassen sich die Kosten für die ganzen Einsätze nicht genau beziffern“, erklärt Würselens Feuerwehr-Sprecher Ralf Jüsgens. „Die meisten Stunden werden ehrenamtlich geleistet“, verweist er auf die Jahresstatistik, die diese Mehrarbeit dokumentiert. Aufgrund von Unwetter seien rund 150 Einsätze absolviert worden. „Bemerkenswerte Sachschäden gab es zum Glück nicht“, ergänzt Technischer Beigeordneter Till von Hoegen. Würselen sei relativ glimpflich davongekommen. Die Kräfte der Wache und der freiwilligen Wehr hätten erneut unter Beweis gestellt, dass auf sie Verlass ist, sagt er allen Dank.

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