Gemeinden müssen umsichtig handeln

Von: Karl Stüber
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Vor dem Umbau: Der Innenraum der Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden (Bild) wird zur Erweiterung des angrenzenden Kindergartens verkleinert. Foto: Karl Stüber
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Sie sind optimistisch, dass die Evangelische Gemeinde Alsdorf auf dem richtigen Weg ist: (v.l.) Caren Braun, Evangelischer Kirchenkreis Aachen, Presbyteriumsvorsitzende Dr. Dorothea Gronen und „Kollege“ Franz-Wilhelm Jansen. Foto: Karl Stüber

Nordkreis. Die evangelischen Gemeinden im Nordkreis müssen dem demografischen Wandel, der schwindenden Zahl ihrer Mitglieder und geringeren Einnahmen aus der Kirchensteuer Rechnung tragen. Alsdorf ist davon besonders stark betroffen, wie der Superintendent des Kirchenkreises Aachen, Pfarrer Hans-Peter Bruckhoff (Schleiden-Gemünd), auf Nachfrage unserer Zeitung sagte.

Die Alsdorfer haben Kassensturz gemacht – mit ernüchterndem Ergebnis und weitreichenden Folgen. Nicht zu handeln, wäre nicht nur eine Sünde, sondern grob fahrlässig. Dr. Dorothea Gronen, Vorsitzende des Alsdorfer Presbyteriums, stellt mit Presbyter und Kirchenbaumeister Franz-Wilhelm Jansen und Caren Braun, Öffentlichkeitsarbeiterin beim Evangelischen Kirchenkreis Aachen, auf Nachfrage das neue Gemeindekonzept vor. „Sich selbst fit für die Zukunft machen und gleichzeitig die Bedingungen für Kinder und Jugendliche in Alsdorf verbessern“, lautet das Ziel und die darauf abzustimmende Nutzung von Gebäuden.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Zahl der Gemeindemitglieder ist in den vergangenen fünf Jahren um etwa zehn Prozent gesunken – von 4250 auf 3900. Die Folge: weniger Besucher in den Gottesdiensten, weniger Einnahmen aus der Kirchensteuer.

Immer mehr Rentner sind unter den Mitgliedern. „Kirche lebt aber durch die Menschen, und gleichzeitig können wir als Kirche den Menschen hier in Alsdorf viel geben“, sagt die Presbyteriumsvorsitzende. „Wir sind überzeugt, dass unser neues Konzept mit den verstärkten Angeboten für Kinder und Jugendliche in der Stadt Alsdorf ankommt und wir so noch mehr dazu beitragen können, die Rahmenbedingungen für Familien zu verbessern.“ Gronen ergänzt: „Jetzt hoffen wir, dass auch die Bürger der Stadt Alsdorf uns unterstützen!“

So sieht das neue Gemeindekonzept aus. Die Kleine Offene Tür (K.O.T.) für Jugendliche zieht möglichst bald aus dem alten Haus an der Albrecht-Dürer-Straße in neue Räume in der Luisenpassage im Rahmen des Vorhabens „Soziale Stadt – Alsdorf-Mitte“ und des damit verbundenen Projekts Alsdorfer Bildungs-, Beratungs- und Begleitungsangebote (ABBBA).

Gemeindepädagoge Heinz Wolke wird die Jugendarbeit der Gemeinde weiterführen und mit moderner Ausstattung ein noch ansprechenderes Angebot für Jugendliche schaffen, so das Presbyterium. Von dem bisher genutzten Haus will sich die Gemeinde trennen, um so Geld für notwendige Investitionen zu erhalten. Wert legt Gronen hierbei und bei weiteren Maßnahmen auf die enge Kooperation mit der Stadt Alsdorf

Der Innenraum der Paul-Gerhardt-Kirche in Ofden wird verkleinert. Rund 140 Quadratmeter bleiben für die religiöse Nutzung, dienen aber auch Veranstaltungen und Treffen der Gemeinde.

Die so gewonnene und abgetrennte Fläche wird der benachbarten Kindertagesstätte von EVA e.V. zugeschlagen, wie Kirchenbaumeister Jansen sagt. Im Eingangsbereich wird mit Hilfe des Landschaftsverbands Rheinland ein Anbau errichtet, rund 20 Quadratmeter groß, der in zwei Etagen Personalraum und Ruheraum für Kinder beinhaltet.

Die Flächen werden im Zuge der teilweisen Umnutzung zur Betreuung von U2- und U3-Kindern benötigt. Derzeit betreut der Kindergarten der Gemeinde je zehn Kinder. Nach erster grober Schätzung wird dies rund 500.000 Euro kosten.

Hoffen auf junge Familien

Das Gemeindehaus an der Ofdener Kirche wird nicht mehr benötigt. Hier geht es um eine Fläche von rund 900 Quadratmetern. Die Gemeinde hofft mit Hilfe der Stadt auf eine gedeihliche Lösung. „Die Stadt Alsdorf will mit Umzug des Vereins für allgemeine und berufliche Weiterbildung das frei werdende Gelände bebauen. Es sollen überwiegend junge Familien angesprochen werden.

Der Bedarf für einen Kindergarten wird also noch wachsen.“ Kirchenbaumeister Jansen sagt, dass bei der jetzigen Erweiterung auf „Schnittstellen“ geachtet wird, um einen weiteren Ausbau mit möglichst geringen Aufwand folgen lassen zu können.

Der Betrieb der Immanuelkirche in Busch wird „zunächst“ aufrechterhalten. Falls die Zahl der Gemeindemitglieder nicht größer wird, müsste eine Schließung ins Auge gefasst werden. Natürlich hofft das Presbyterium, dass im Zuge der anstehenden Veränderungen wie Bebauung des Areals der ehemaligen Grundschule in Busch und Errichten weiterer Wohnhäuser am Annagelände auch die Evangelische Gemeinde Zulauf und Zuspruch gerade durch junge Familien erfährt. „Wir müssen aber von Jahr zu Jahr auf unsere Finanzen schauen“, dämpft Gronen die Erwartungen.

Zur Zeit gibt es keine Mittel für die gebotene Sanierung von Martin-Luther-Kirche und Luthersaal in Alsdorf-Mitte. „Wir wollen erst das Projekt in Ofden abschließen und dann sehen, wo wir finanziell stehen“, beschreibt Gronen das Vorgehen. Die Zeitspanne bis zur Sanierung des Standortes Mitte wird auf gut fünf Jahre geschätzt. „Das ist wieder eine Frage der Stadtentwicklung und was mit brachliegenden Grundstücken geschieht“, verweist Gronen auf erhoffte Einnahmen.

Einnahmen aus Verkäufen

Weiter auf dem Programm stehen die mögliche Erweiterung der EVA-Kindertagesstätte in Alsdorf-Mitte von vier auf fünf Gruppen und die kurz- bis mittelfristige Modernisierung des Gebäudes. Vorrang haben dabei energetische Maßnahmen (Heizung). Aber auch das steht unter dem Vorbehalt von Einnahmen aus Veräußerungen.

Dr. Dorothea Gronen hofft, dass sich die Gemeindemitglieder, ja möglichst viele Alsdorfer, weiter mit Ideen und aktiver Unterstützung in die Entwicklung der Gemeinde einbringen. So ist jetzt eine Arbeitsgruppe zur besseren Akquise von Spendengeldern gebildet worden.

Der Internetauftritt soll als wichtiges Aushängeschild überarbeitet werden. Wer bei der Entwicklung der Gemeinde mitwirken möchte, Fragen und Anregungen hat, findet im Internet unter www.kirchenkreis-aachen.de/alsdorf.html Ansprechpartner.

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